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Zweigeteilte Welt in Kindermissionszeitschriften


20 Sept. 2023

Die nächsten Werkstätten des LMW zu „glaubwürdig? Mission postkolonial“

LEIPZIG - Das Leipziger Missionswerk (LMW) widmet sich im dritten Jahr dem Thema „glaubwürdig? Mission postkolonial“ im Rahmen von mehreren Werkstatt-Angeboten. Der nächste Vortrag am 28. September um 18:00 Uhr mit Gesprächsmöglichkeit im Rahmen einer Zoom-Videokonferenz untersucht Identitäts- und Alteritätskonstruktionen in der Kindermissionszeitschrift der Leipziger Mission im Zeitraum von 1900 bis 1918.

Am Beispiel von „Die kleine Missionsglocke“ aus der Leipziger Mission stellt der Historiker und Doktorand Stefan Dixius (Universität Trier) im Vortrag dar, wie Kindermissionszeitschriften dazu beitrugen, eine zweigeteilte Welt zu imaginieren. In den Berichten konstruierten die Autorinnen und Autoren die Andersgläubigen als Gegenmodell zu vermeintlich guten Christinnen und Christen in Deutschland.

Dass durch die Texte dabei insbesondere Kinder angesprochen werden sollten, deutet auf eine religionspädagogische Dimension hin, die ebenfalls im Vortrag beleuchtet wird. Der zitierte Abschnitt „[H]elft mit, daß die armen Heiden (…) so fröhlich werden, wie Ihr glücklichen Christenkinder es sein dürft!“ überschreibt den Duktus, aber auch den implizierten Anspruch dieser Missionsschriften.

Als im Zuge der protestantischen Erweckungsbewegung und der katholischen Erneuerungsbewegung im frühen 19. Jahrhundert auch im deutschsprachigen Europa eine Missionsbewegung einsetzte, suchten die Missionsgesellschaften nach Möglichkeiten, Werbung für ihre Arbeit zu machen. Ein wesentliches Element der entwickelten Werbestrategie stellten Missionszeitschriften dar, die durch neue technische Druckverfahren zunehmend in großer Stückzahl produziert werden konnten.

Seit der Jahrhundertmitte begannen die meisten Missionsgesellschaften damit, zusätzlich eigene Missionszeitschriften für Kinder zu drucken, die nach kurzer Zeit mit Abstand die höchsten Auflagen im Kanon von Missionspublikationen erreichten. Dass durch die Texte dabei insbesondere Kinder angesprochen werden sollten, deutet auf eine religionspädagogische Dimension hin, die ebenfalls im Vortrag beleuchtet wird.

Durch die Werkstätten zu „glaubwürdig? Mission postkolonial“ sollen nicht nur konkrete Zusammenhänge der eigenen Geschichte erforscht, sondern auch die Debatte im kirchlichen Kontext vorangebracht werden. Auch koloniale Spuren in der Gegenwart, wie unbewusste Rassismen und Herrschaftsverhältnisse in der aktuellen Partnerschaftsarbeit, sollen auf den Prüfstand.

Die Werkstatt findet am 28. September 2023 von 18:00 – 19:30 Uhr online statt. Zugangsdaten sind erhältlich bei Kerstin.Berger@lmw-mission.de, 0341 99 40 Die Leitung des Gesprächs hat Antje Lanzendorf.

Nächste Veranstaltungen in der WERKSTATT, Beginn jeweils 18:00 Uhr:

  • 26. Oktober „Blue Colonialism“ – Tiefseebergbau im Pazifik, Vortrag und Gespräch mit Jan Pingel, Ozeanien-Dialog, und Yanam Tamu, Freiwilliger aus Papua-Neuguinea. Online-Videokonferenz
  • 30. November Kolonialismus im Schulbuch, Vortrag und Gespräch mit Daniela Merz, Bildungsreferentin, Mauritiushaus Niederndodeleben
  • 14. Dezember Lessons learned. Rückblick auf das 3-Jahresthema „glaubwürdig? Mission postkolonial“, mit Susann Küster-Karugia, Antje Lanzendorf und Gästen

Ev.-Luth. Missionswerk Leipzig

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