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Wenn genauer hingeschaut wird…
12 Juli 2023
Engagement für Kirchenrettung immer wieder gefragt
DRESDEN – Unterwegs sein, ob mit Auto, dem Fahrrad oder auf Schusters Rappen, überall finden sich Zeugnisse heimatlicher Kultur. Darunter auch zahlreiche Kirchen, die nicht nur Schatten und Kühle spenden, sondern einen vertieften Blick auf die Geschichte von Städten und Landschaften werfen. Den ungefähr 250 Stadtkirchen stehen in Sachsen mehr als 1000 Kirchen gegenüber, die einst als Dorfkirchen errichtet worden sind. Als Landmarken mit ihren Türmen und häufig mitten im Dorf, geben sie während einer Urlaubsfahrt Orientierung auf dem Weg. Es lohnt sich genauer hinzuschauen, das christliche und kulturelle Erbe neu zu entdecken und dadurch auf generationenübergreifendes Bemühen zu stoßen, die jeweilige Kirche zu bewahren – bis heute.
Bis in die Gegenwart steht dabei die Nutzung der Kirchen als Versammlungsort der christlichen Gemeinde im Vordergrund, aber auch die erweiterte Nutzung im Rahmen von Festen, Konzertangeboten, für Ausstellungen und als Zwischenstation in einer verlässlich geöffneten Radwegekirche. Viel Fantasie, Energie und Gemeinschaftssinn gehören dazu, diese Orte auch baulich zu erhalten. Zu DDR-Zeiten war es schon Herausforderung genug, die Substanz durch einen großen ehrenamtlichen Einsatz zu retten, ‚rüberzuretten‘ in eine Zukunft, die tatsächlich mit der politischen Wende mit neuen Möglichkeiten die systematische Sanierung und Restaurierung möglich machte. Viele Spender, Fördermittel, Kirchenmittel und eine breite Unterstützung aus der öffentlichen Erbemitverantwortung unterstützen kirchgemeindliche Projekte.
Öffentliches Interesse und Wirksamkeit
In Sachsen brachte die im April 2007 ausgestrahlte MDR-Sendung "Ein Dorf wird gewinnen" das Anliegen in die breite Öffentlichkeit. In Walddorf am Kottmar (Oberlausitz) konnte die Sanierung der dortigen Dorfkirche in vollem Umfang beginnen, weil in der Gemeinschaftssendung von MDR Fernsehen und RBB am Ende das Telefon-Voting gereicht hatte, um in einem Fernsehwettbewerb die 500.000 Euro gegen drei Mitbewerber zu gewinnen. In den spannenden zwei Stunden haben die Dorfbewohner verschiedene Aufgaben gelöst, um die Gunst der Zuschauer zu gewinnen. Ein Beispiel von vielen, wo alle vor Ort an einem Strang zogen. Zehn Jahre später erhielt die Kirche in Walddorf das Prädikat Radwegekirche. Sie liegt am Spreeradweg, der mit der Spreequelle am Kottmar beginnt und über Bautzen bis nach Berlin führt.
Für die immerwährende Aufgabe ist Engagement für die Kirchenrettung so vieler Dorfkirchen dauerhaft gefragt. So gibt es aktuell die gemeinsamen Vorbereitungen von der Stiftung KiBa (Stiftung zum Erhalt kirchlicher Baudenkmäler) und des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) für eine neue Spielshow. „Mach dich ran 2023“ – Das Spiel um die himmlischen 400.000 Euro heißt das Format. Aktuell seien rund 120 Bewerbungen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen und damit aus den Gebieten der Ev. Kirche Mitteldeutschlands sowie der sächsischen Landeskirche eingegangen. Die MDR-Redaktion prüft derzeit alle eingegangenen Bewerbungen und wird die sechs Kirchengemeinden auswählen (pro Bundesland zwei), die in die Sendung kommen werden.
Die Gemeindeteams bestehen aus vier Personen. Benötigt werden eine gute Allgemeinbildung, etwas sportliche Fitness und spielerische Geschicklichkeit. Die Spiele selbst setzen sich aus verschiedenen Wissensgebieten (Geschichte, Kirchengeschichte, Geographie, Heimatkunde), Sport und Geschicklichkeit und Teamgeist zusammen. Natürlich blieben in der Vergangenheit die Teams nicht allein – am besten sind möglichst viele Vertreter der Gemeinden mit dabei und sorgen für lautstarke Unterstützung! Meist wird das ein richtiges kleines Fest rings um die jeweilige Kirche mit toller Stimmung.
Die vier Sendungen „Mach dich ran Spezial“ werden im September aufgezeichnet und Ende Oktober bis Anfang November in der Woche mit dem Reformationsfest jeweils 19:50 Uhr im MDR-Fernsehen ausgestrahlt. Dabei werden zunächst die jeweiligen Orte, die Mitspieler und ihre Kirchen in kurzen Reportagen vorgestellt. Die Zuschauer sollen erfahren, wohin das erspielte Geld fließt, d.h. was damit repariert oder renoviert werden soll. Während die Vorrunden direkt in den Gemeinden laufen, findet das Finale auf „neutralem Boden“ statt.
Im Rückblick beim Vorentscheid in Sachsen 2019 qualifizierte sich die Kirchgemeinde Canitz für das Finale, belegte letztlich den 3. Platz und gewann 70.000 Euro.
Lesetipp zum Thema mit aktuellen Bezügen:
- Beitrag von Prof. Dr. Johann Hinrich Claussen, Kulturbeauftragter der EKD, zu „Orte der Demokratie - Die Rettung ostdeutscher Dorfkirchen“, der jetzt bei der Stiftung zum Erhalt kirchlicher Baudenkmäler (KiBa) erschienen ist.