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Konfirmanden auf den Spuren der Stasi


19 Mai 2018

Besuch als ein wichtiger Beitrag für politische Bildung

DRESDEN – 50 Konfirmanden aus dem Kirchspiel Großenhainer Land besuchten am 16. Mai die Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden und sprachen mit Zeitzeugen, als dieser Ort noch die Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) und später Amt für Nationale (AfNS) in Dresden war.

Wer sich zu DDR-Zeiten zur Kirche hielt, kannte den Gegenwind, der seitens der Staatsvertreter vielen Gemeindegliedern das Leben schwer machte. Wie weit die Repressalien gegenüber Andersdenkenden, Oppositionellen und Ausreisewilligen gingen, zeigt das Innere der Gedenkstätte Bautzner Straße.

So konnten die 50 Konfirmanden die ehemalige Untersuchungshaftanstalt besichtigen, die, wie bei anderen MfS-Bezirksverwaltungen, dem Verhör u.a. von politischen Häftlingen diente. So habe sich Sebastian Fischer (MdL/CDU) begeistert gezeigt, wie gespannt die Konfirmanden einem Zeitzeugen zuhörten. Der ehemalige Insasse Jürgen Gottschalk berichtete von dessen Erfahrungen mit der damaligen Anstalt, der heutigen Gedenkstätte für die Opfer des Ministeriums für Staatssicherheit.

Gleiches galt auch den Ausführungen von Herbert Wagner, erster Oberbürgermeister der Stadt Dresden nach der politischen Wende, der aktiv bei der Auflösung der Staatssicherheitsstrukturen in der Stadt mitwirkte.

Die für die Konfirmanden des Kirchspiels Großenhainer Land zuständigen Pfarrer Konrad Adolph und Sebastian Zehme waren sich mit dem CDU-Politiker Sebastian Fischer darin einig, sowohl zur politischen Bildung, als auch zur Wertschätzung der aktuell bestehenden Freiheiten einen wichtigen Beitrag geleistet zu haben. Eine weitere Fahrt mit dem nächsten Konfirmandenjahrgang sei daher naheliegend.

Neben dieser  Besuchsfahrt bietet die Gedenkstätte insbesondere für Schülergruppen das Projekt »Gefängnis DDR« an. Es umfasst eine umfangreiche Quellenarbeit, ein Zeitzeugengespräch, einen Dokumentarfilm und eine Führung durch die Gedenkstätte.

Veranstaltungstipp:

Die Gedenkstätte lädt am Mittwoch, 23. Mai, um 18:00 Uhr zum Thema „Zwangsadoption in der DDR“ in ihre Räume ein. In einer Podiumsdiskussion mit Barbara Klepsch, Sächsische Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz, Steffi Moritz-Möller, ZDF - Landesstudio Sachsen, und Frank Schumann, Sprecher der Interessengemeinschaft gestohlene Kinder der DDR, gehen den Vorwürfen nach, die DDR habe Kinder von Menschen, die in politischer Haft saßen, zur Adoption frei gegeben.

Eine wissenschaftliche Studie, die von der Ostbeauftragten der Bundesregierung, Iris Gleicke, Anfang 2018 in Auftrag gegeben wurde, kommt zu dem Ergebnis, „ dass es in den Jahren zwischen 1966 und 1990 in der DDR zu politisch motivierten Adoptionsverfahren gekommen ist, die nach allgemeinen rechtsstaatlichen Maßstäben als Unrecht bezeichnet werden können.“

Gruppenbild in früherer Untersuchungshaftanstalt
Gruppenbild im Treppentrakt der früheren Untersuchungshaftanstalt

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