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Gedenken an sächsischen Pfarrer im KZ Dachau


13 Apr. 2022

Pfarrer Richter setzte sein Leben gegen Tyrannei und NS-Diktatur ein

DACHAU | DRESDEN – In einem Abendmahlsgottesdienst in der Evangelischen Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau wird am Karfreitag, 15. April 2022, um 15:00 Uhr des sächsischen Pfarrers Paul Richter gedacht. Er war Gegner des NS-Regimes und starb vor 80 Jahren in der dortigen KZ-Haft. „Die Landeskirche nimmt das Gedenken am Karfreitag zum Anlass an Paul Richter zu erinnern. Er hat mutig der Tyrannei und Diktatur widerstanden und dafür sein Leben eingesetzt“, sagt Oberlandeskirchenrat Dr. Thilo Daniel.

Der theologische Dezernent im Landeskirchenamt wird im Gedenken an den sächsischen Pfarrer am Gottesdienst in Dachau teilnehmen. Paul Richter, damals Pfarrer an der St. Nicolaikirche in Wilsdruff, gehörte nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten dem Pfarrernotbund und der Bekennenden Kirche an und war aus christlicher Überzeugung Gegner der vereinnahmenden Ideologie des NS-Staates.

Sein persönliches Leben, seine Hilfe für bedürftige Menschen und sein seelsorgerlicher Einsatz sorgten für Ärger und Schikanen seitens der damaligen Kirchenleitung und der örtlichen NSDAP. Nach Einschüchterungsversuchen wurde er schließlich nach einem Vorwand der Wehrkraftzersetzung im November 1941 durch die Gestapo verhaftet und im Jahr darauf nach Dachau überstellt. Im sogenannten Pfarrerblock des KZs untergebracht, starb er am 13. August 1942 in Folge der harten Arbeitsbedingungen und schwerer Krankheit.

Die sterblichen Überreste des 47-jährigen Vaters von vier Kindern fanden im Familiengrab auf dem Friedhof in Dresden-Leubnitz-Neuostra ihre letzte Ruhe. Eine Sandsteinstele verweist auf das Grab des evangelischen Märtyrers. Die Kirchgemeinde Leubnitz-Neuostra, zu der heute das Gemeindegebiet Kaitz gehört, wird in einem Gottesdienst am 14. August seiner gedenken.

Im damaligen Dresdner Vorort Kaitz wurde Paul Richter 1894 als Sohn eines Stellmachers geboren. Nach dem Besuch der höheren Schule in Dresden entschied er sich für das Theologiestudium, das durch den Sanitätsdienst im I. Weltkrieg unterbrochen wurde. Nach verschiedenen Studienaufhalten beendete er es in Leipzig und wurde Vikar im vogtländischen Bad Elster. Nach der Heirat der Kantorentochter Johanna Hentsch zog er ins Osterzgebirge um und übernahm 1921 die Pfarrstelle in Bärenstein, bevor er 1928 nach Wilsdruff wechselte, wo heute der ‚Pfarrer-Paul-Richter-Weg‘ an ihn erinnert.

Im traditionellen Karfreitagsgottesdienst in der Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau wird zur Sterbestunde Jesu an die Leiden jeweils eines evangelischen Theologen erinnert. In diesem Jahr ist es Paul Richter, der im "Pfarrerblock" 26 ab März 1942 interniert war. Die Versöhnungskirche wurde ab 1965 mit Spenden aus allen Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (auch denen in der DDR) errichtet.  1967 wurde sie unter internationaler Beteiligung von KZ-Überlebenden als zentrale evangelische Gedenkkirche für alle Opfer des Nationalsozialismus eingeweiht.

www.versoehnungskirche-dachau.de

Paul Richter

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