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Neuer Anlauf zu alten Freunden


11 Aug. 2022

Gustav-Adolf-Werk in Sachsen besuchte Projektpartner in Schlesien / Von Marita Lau

Mit zwei Kleinbussen machten sich elf Mitglieder, Vorstandsmitglieder und Mitarbeiterinnen des Gustav-Adolf-Werkes in Sachsen (GAWiS) im Juli für vier Tage auf den Weg nach Niederschlesien. Nach zwei Jahren Unterbrechung wollten sie ihren Partnern wieder direkt begegnen und die Entwicklung von Projekten verfolgen. Mit einem warmen Gefühl in der Herzgegend, zahlreichen Bildern auf der Speicherkarte und vielen Geschichten im Ohr kehrten sie von ihrer Diasporareise zurück. Sie staunten, was geworden ist und hörten, was noch werden soll. Sie wurden herzlich empfangen von Pfarrer Cezary Królewicz in Luban (Lauban), Pfarrer Jerzy Gansel in Legnica (Liegnitz), Propst Karol Długosz in Wrocław (Breslau) und Marek Izdebski, dem Pfarrer der reformierten Gemeinde und ehemaligen Bischof in Bełchatów (Belchental).

„Es war schön und wichtig, die Namen und Gesichter hinter den Projekten kennenzulernen“, sagte Harald Pepel, Superintendent in Zwickau, der als Vorstandsmitglied zum ersten Mal an einer Diasporareise teilnahm. Einige der Mitreisenden hatten persönliche Bezüge zu den einzelnen Orten, wie Knut Geisler, der in Lauban geboren wurde. In der Frauenkirche steht ein 600 Kilogramm schweres Epitaph seiner Vorfahren. Vorstandsmitglied Monika Hönigschmid hat Vorfahren in Liegnitz und konnte davon berichten.

Kirchgemeinden als Wirtschaftsunternehmen

Nach einer Zwischenstation in Bogatynia (Reichenau) war in Luban zunächst die Besichtigung der Frauenkirche und der Gemeinderäume geplant. Die Sanierung der Kirche und Gemeinderäume unterstützte das GAWiS über viele Jahre. Durch die Sicherung der Eigenanteile der Gemeinde konnte diese zudem weitere Förderungen erhalten. „Dank Ihnen konnte ich viel in Luban tun“, sagt Cezary Królewicz. Und trotzdem müssen evangelische Gemeinden in Polen wirtschaftlich aktiv sein, um zu überleben. In Luban betreibt Królewicz einen Verleih von Pflegebedarf als zweites Standbein, in Bogatynia soll der Friedhof für alle Konfessionen geöffnet und verpachtet werden.

Auch in Legnica, der nächsten Reisestation, hat das GAWiS in mehreren Schüben geholfen. Bis auf die wunderschöne Liebfrauenkirche wurden alle Gebäude der protestantischen Gemeinde nach dem Krieg enteignet. Gegen die Auflage, in Zukunft auf alle Rückgabe-Ansprüche zu verzichten, bekam die Gemeinde 2016 zwei Gebäude verbilligt zum Kauf angeboten. Beide sind stark sanierungsbedürftig. Im jetzigen Pfarrhaus wurde schon viel getan. Im Untergeschoss wurde neben den Gemeinderäumen ein Therapiezentrum mit Physiotherapie, Kurzzeitpflege und psychologischem Dienst eingerichtet. Diese Angebote werden von der Diakonie betreut, die hier zur Gemeinde gehört, und helfen auch hier der Gemeinde wirtschaftlich. Im zweiten Gebäude soll vielleicht einmal eine Tagespflege entstehen.

Einen langen Atem brauchen auch die Mitglieder der einzigen deutschsprachigen lutherischen Gemeinde in Polen in Wrocław. Im Dachgeschoss des Pfarrhauses an der Gustav-Adolf-Kirche im Stadtteil Zimpel unterstützte das GAWiS den Einbau von geschmackvoll eingerichteten Gästezimmern, die vermietet werden. Derzeit wohnen neun Ukrainerinnen und Ukrainer darin. Im verfallenen Gebäude nebenan könnte irgendwann ein evangelischer Kindergarten entstehen. Am 10. Juli predigte Dr. Arndt Haubold im Gottesdienst in der Christophorikirche, und gestaltete gemeinsam mit Propst Karol Długosz und weiteren deutschen Gästen den Gottesdienst.
Im integrierten alten Pfarrhaus entstand mit sächsischer Hilfe eine Gemeindeküche. Dort erhalten Bedürftige im Winter drei Monate lang jede Woche ein warmes Essen. 150 Portionen geben die Ehrenamtlichen aus. Zwei Räume im Obergeschoss sind noch komplett sanierungsbedürftig. Hier könnte ein überdachtes Kirchenkaffee oder weitere Gästezimmer entstehen. Es gibt viele Ideen. Aber auch Herausforderungen.

Politische Mehrheiten mit Einfluss auf Ökumene-Beziehungen

Die Anzahl der deutschsprachigen Gemeindeglieder innerhalb der polnischen Kirche wird naturgemäß kleiner. „Behielt“ Polen nach dem Krieg 40 000 deutsche Fachkräfte rund um Breslau, sind diese zumeist später ausgewandert oder verstorben. 95 deutsche Gemeindeglieder gibt es noch in Niederschlesien. „Wahrscheinlich hat die deutsche Gemeinde nur in Breslau Zukunft“, sagt Karol Długosz. Neben den deutschen Protestanten setzt sich seine Gemeinde aus Polen, die vom Katholizismus konvertiert sind, und englischsprachigen Einwanderern zusammen. „Unser Ziel ist, dass unsere Gemeinde überlebt“, sagt Długosz und ergänzt: „Ich bin da für das, was die Leute brauchen.“ Und so gibt es für die verschiedenen Gemeindegruppen unterschiedliche Angebote. Die Gustav-Adolf-Kirche ist derzeit an eine freie Gemeinde verpachtet. Die lutherische Gemeinde kann sie nicht füllen und sich auch nicht zwei Kirchen leisten. Seit die PiS-Partei an der Macht sei, seit es Corona gebe und seit der Ukraine-Krieg tobe, wanderten immer mehr Mitglieder aus, so Długosz.

Cezary Królewicz sagt, mit dem politischen Umschwung in den letzten sieben Jahren hätten sich auch die Beziehungen zwischen Protestanten und Katholiken in Polen verschlechtert, es gebe eine deutliche Vorrangstellung letzterer. Manche polnischen Schlesier hätten immer noch Angst vor Deutschland, ergänzt Długosz. Diese Antipathien würden von der regierenden Partei benutzt. Und manche katholischen Bischöfe befeuerten die gesellschaftliche Spaltung noch. Und dennoch ist sich Cezary Królewicz sicher: „Die Aufgabe der Kirche ist Versöhnung und Mut. Schweigen dient der Sache nicht. Ich habe den Mut, Böses böse zu nennen und Gutes gut. Kirchenleute sind in ihrer Funktion Vertrauensleute und Vermittler. Auf persönlicher Ebene gibt es durchaus gute Zusammenarbeit“, so Królewicz.

Klein, aber gut vernetzt

Durch die Situation als Diasporakirche spielt Vernetzung eine große Rolle. Alle polnischen Pfarrer betonten, wie wichtig Treffen mit evangelischen Geschwistern seien, auch in Deutschland, zum Beispiel auf dem Lausitzkirchentag in Görlitz. Einen guten Kontakt gebe es zum Lutherischen Weltbund, der in Polen öffentlichkeitswirksam Ukraine-Hilfe leistet. „Es ist wichtig zu spüren, dass man Teil einer weltweiten Familie ist“, sagt Marek Izdebski, Pfarrer der reformierten Gemeinde in Bełchatów (Belchental). Zu ihm führte die letzte Etappe der Reise.

Von den 100 000 Protestanten in Polen gehören 2000 der reformierten Kirche an. Somit ist diese noch einmal eine Minderheit in der Minderheit. 1985 kaufte die wachsende reformierte Gemeinde in Bełchatów (einem Zentrum der Braunkohleindustrie in Polen) mithilfe des GAW ein Haus in der Innenstadt, um es als Gemeindezentrum zu nutzen. „Dieses Gebäude ist heute nicht nur ein heiliger Ort, sondern auch ein Beratungszentrum für bedürftige junge Menschen und ihre Familien, in denen es psychische Probleme, Drogen- oder Alkoholprobleme gibt“, sagt Izdebski. „Es ist ein Zentrum, das offen ist zur Stadt.“ Vorteil dieser Symbiose sei, dass das Haus von montags bis samstags in öffentlicher Nutzung sei, und sonntags durch die Gemeinde. Die intensive Nutzung der letzten 20 Jahre führte auch zum jetzigen Sanierungsbedarf. Unter anderem muss die Wärmedämmung im Dach erneuert werden. Dieses Vorhaben ist eines der Leitprojekte des GAWiS in diesem Jahr.

Mit Vorstandsmitglied Fabian Brüder nahm auch der Pastor der Evangelisch-reformierten Gemeinde zu Dresden an der Reise teil. "Das Projekt in Bełchatów ist mir ein besonderes Anliegen, da ich die Evangelisch-reformierte Kirche in Polen in persönlichen Kontakten als eine wichtige Stimme im ökumenischen Kontext Polens erlebt habe. Sie leistet in ihrer schwierigen Minderheitensituation wichtige Arbeit - wie zum Beispiel im Gemeindehaus in Bełchatów mit dem dort beheimateten städtischen Sozialhilfezentrum MOPS und dem Therapie- und Prophylaxezentrum“, sagt er.

„Ich war sehr froh, dass ich mitgekommen bin“, sagte Brüder am Ende der Reise, als alle schon einmal versuchten, ihre Eindrücke zu sortieren. Dieser Aussage schlossen sich die anderen Mitreisenden an. Arndt Haubold, der Vorsitzende des GAWiS, zeigte sich überrascht über die Aktivitäten, mit denen kleine Gemeinden versuchen, ihren Alltag zu meistern. „Nicht nur finanziell sollten wir hier weiter unterstützen, sondern auch durch Kontakte und Beziehungen“, ist sein Fazit.

Hintergrund

Als Diaspora-Werk der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens unterstützt das Gustav-Adolf-Werk in Sachsen evangelische Christen weltweit. Es hilft Christen, die in der „Zerstreuung“, in der „Diaspora“ existieren, zum Beispiel bei Neubau, Sanierung oder Modernisierung von Kirchen, Gemeindehäusern und Altenheimen, aber auch bei sozialen Projekten. So können diese Glaubensgeschwister ihren Glauben gemeinsam leben und in ihrem Umfeld wirken. Wichtig ist dem Werk der direkte Kontakt zu seinen Projektpartnern. www.gaw-sachsen.de

 Zitate

„Ich finde, als Christen sollten wir Brücken bauen und Menschen in Beziehung bringen. Wir wollen zu einer Brückengemeinde werden.“ (Karol Długosz, Wrocław)

„Ohne die Hilfe des GAW würde es diese beiden Häuser mit ihren Aktivitäten nicht geben. Wir teilen diese Information mit den Menschen der Stadt und sind stolz, solche Partner zu haben.“ (Marek Izdebski, Bełchatów)

Reiseteilnehmer der Gustav-Adolf-Werkes in Sachsen mit Pfarrer Jerzy Gansel in Legnica
Bei Bodenarbeiten entdecktes Epitaph der Familie Geisler in der Frauenkirche in Luban
Zum Teil sanierter Altarraum in der Frauenkirche in Luban
Propst Karol Długosz mit Besuchern und Gemeindegliedern am Eingang zur Suppenküche im Pfarrhaus an der Christophorikirche in Wrocław
Als Überdachtes Kirchenkaffee oder für die Betreuung für Bedürftige?
Fabian Brüder, Pastor der Evangelisch-reformierten Gemeinde zu Dresden, mit seinem Kollegen Marek Izdebski, dem Pfarrer der reformierten Gemeinde in Bełchatów

Neuer Anlauf zu alten Freunden


11 Aug. 2022

Gustav-Adolf-Werk in Sachsen besuchte Projektpartner in Schlesien / Von Marita Lau

Mit zwei Kleinbussen machten sich elf Mitglieder, Vorstandsmitglieder und Mitarbeiterinnen des Gustav-Adolf-Werkes in Sachsen (GAWiS) im Juli für vier Tage auf den Weg nach Niederschlesien. Nach zwei Jahren Unterbrechung wollten sie ihren Partnern wieder direkt begegnen und die Entwicklung von Projekten verfolgen. Mit einem warmen Gefühl in der Herzgegend, zahlreichen Bildern auf der Speicherkarte und vielen Geschichten im Ohr kehrten sie von ihrer Diasporareise zurück. Sie staunten, was geworden ist und hörten, was noch werden soll. Sie wurden herzlich empfangen von Pfarrer Cezary Królewicz in Luban (Lauban), Pfarrer Jerzy Gansel in Legnica (Liegnitz), Propst Karol Długosz in Wrocław (Breslau) und Marek Izdebski, dem Pfarrer der reformierten Gemeinde und ehemaligen Bischof in Bełchatów (Belchental).

„Es war schön und wichtig, die Namen und Gesichter hinter den Projekten kennenzulernen“, sagte Harald Pepel, Superintendent in Zwickau, der als Vorstandsmitglied zum ersten Mal an einer Diasporareise teilnahm. Einige der Mitreisenden hatten persönliche Bezüge zu den einzelnen Orten, wie Knut Geisler, der in Lauban geboren wurde. In der Frauenkirche steht ein 600 Kilogramm schweres Epitaph seiner Vorfahren. Vorstandsmitglied Monika Hönigschmid hat Vorfahren in Liegnitz und konnte davon berichten.

Kirchgemeinden als Wirtschaftsunternehmen

Nach einer Zwischenstation in Bogatynia (Reichenau) war in Luban zunächst die Besichtigung der Frauenkirche und der Gemeinderäume geplant. Die Sanierung der Kirche und Gemeinderäume unterstützte das GAWiS über viele Jahre. Durch die Sicherung der Eigenanteile der Gemeinde konnte diese zudem weitere Förderungen erhalten. „Dank Ihnen konnte ich viel in Luban tun“, sagt Cezary Królewicz. Und trotzdem müssen evangelische Gemeinden in Polen wirtschaftlich aktiv sein, um zu überleben. In Luban betreibt Królewicz einen Verleih von Pflegebedarf als zweites Standbein, in Bogatynia soll der Friedhof für alle Konfessionen geöffnet und verpachtet werden.

Auch in Legnica, der nächsten Reisestation, hat das GAWiS in mehreren Schüben geholfen. Bis auf die wunderschöne Liebfrauenkirche wurden alle Gebäude der protestantischen Gemeinde nach dem Krieg enteignet. Gegen die Auflage, in Zukunft auf alle Rückgabe-Ansprüche zu verzichten, bekam die Gemeinde 2016 zwei Gebäude verbilligt zum Kauf angeboten. Beide sind stark sanierungsbedürftig. Im jetzigen Pfarrhaus wurde schon viel getan. Im Untergeschoss wurde neben den Gemeinderäumen ein Therapiezentrum mit Physiotherapie, Kurzzeitpflege und psychologischem Dienst eingerichtet. Diese Angebote werden von der Diakonie betreut, die hier zur Gemeinde gehört, und helfen auch hier der Gemeinde wirtschaftlich. Im zweiten Gebäude soll vielleicht einmal eine Tagespflege entstehen.

Einen langen Atem brauchen auch die Mitglieder der einzigen deutschsprachigen lutherischen Gemeinde in Polen in Wrocław. Im Dachgeschoss des Pfarrhauses an der Gustav-Adolf-Kirche im Stadtteil Zimpel unterstützte das GAWiS den Einbau von geschmackvoll eingerichteten Gästezimmern, die vermietet werden. Derzeit wohnen neun Ukrainerinnen und Ukrainer darin. Im verfallenen Gebäude nebenan könnte irgendwann ein evangelischer Kindergarten entstehen. Am 10. Juli predigte Dr. Arndt Haubold im Gottesdienst in der Christophorikirche, und gestaltete gemeinsam mit Propst Karol Długosz und weiteren deutschen Gästen den Gottesdienst.
Im integrierten alten Pfarrhaus entstand mit sächsischer Hilfe eine Gemeindeküche. Dort erhalten Bedürftige im Winter drei Monate lang jede Woche ein warmes Essen. 150 Portionen geben die Ehrenamtlichen aus. Zwei Räume im Obergeschoss sind noch komplett sanierungsbedürftig. Hier könnte ein überdachtes Kirchenkaffee oder weitere Gästezimmer entstehen. Es gibt viele Ideen. Aber auch Herausforderungen.

Politische Mehrheiten mit Einfluss auf Ökumene-Beziehungen

Die Anzahl der deutschsprachigen Gemeindeglieder innerhalb der polnischen Kirche wird naturgemäß kleiner. „Behielt“ Polen nach dem Krieg 40 000 deutsche Fachkräfte rund um Breslau, sind diese zumeist später ausgewandert oder verstorben. 95 deutsche Gemeindeglieder gibt es noch in Niederschlesien. „Wahrscheinlich hat die deutsche Gemeinde nur in Breslau Zukunft“, sagt Karol Długosz. Neben den deutschen Protestanten setzt sich seine Gemeinde aus Polen, die vom Katholizismus konvertiert sind, und englischsprachigen Einwanderern zusammen. „Unser Ziel ist, dass unsere Gemeinde überlebt“, sagt Długosz und ergänzt: „Ich bin da für das, was die Leute brauchen.“ Und so gibt es für die verschiedenen Gemeindegruppen unterschiedliche Angebote. Die Gustav-Adolf-Kirche ist derzeit an eine freie Gemeinde verpachtet. Die lutherische Gemeinde kann sie nicht füllen und sich auch nicht zwei Kirchen leisten. Seit die PiS-Partei an der Macht sei, seit es Corona gebe und seit der Ukraine-Krieg tobe, wanderten immer mehr Mitglieder aus, so Długosz.

Cezary Królewicz sagt, mit dem politischen Umschwung in den letzten sieben Jahren hätten sich auch die Beziehungen zwischen Protestanten und Katholiken in Polen verschlechtert, es gebe eine deutliche Vorrangstellung letzterer. Manche polnischen Schlesier hätten immer noch Angst vor Deutschland, ergänzt Długosz. Diese Antipathien würden von der regierenden Partei benutzt. Und manche katholischen Bischöfe befeuerten die gesellschaftliche Spaltung noch. Und dennoch ist sich Cezary Królewicz sicher: „Die Aufgabe der Kirche ist Versöhnung und Mut. Schweigen dient der Sache nicht. Ich habe den Mut, Böses böse zu nennen und Gutes gut. Kirchenleute sind in ihrer Funktion Vertrauensleute und Vermittler. Auf persönlicher Ebene gibt es durchaus gute Zusammenarbeit“, so Królewicz.

Klein, aber gut vernetzt

Durch die Situation als Diasporakirche spielt Vernetzung eine große Rolle. Alle polnischen Pfarrer betonten, wie wichtig Treffen mit evangelischen Geschwistern seien, auch in Deutschland, zum Beispiel auf dem Lausitzkirchentag in Görlitz. Einen guten Kontakt gebe es zum Lutherischen Weltbund, der in Polen öffentlichkeitswirksam Ukraine-Hilfe leistet. „Es ist wichtig zu spüren, dass man Teil einer weltweiten Familie ist“, sagt Marek Izdebski, Pfarrer der reformierten Gemeinde in Bełchatów (Belchental). Zu ihm führte die letzte Etappe der Reise.

Von den 100 000 Protestanten in Polen gehören 2000 der reformierten Kirche an. Somit ist diese noch einmal eine Minderheit in der Minderheit. 1985 kaufte die wachsende reformierte Gemeinde in Bełchatów (einem Zentrum der Braunkohleindustrie in Polen) mithilfe des GAW ein Haus in der Innenstadt, um es als Gemeindezentrum zu nutzen. „Dieses Gebäude ist heute nicht nur ein heiliger Ort, sondern auch ein Beratungszentrum für bedürftige junge Menschen und ihre Familien, in denen es psychische Probleme, Drogen- oder Alkoholprobleme gibt“, sagt Izdebski. „Es ist ein Zentrum, das offen ist zur Stadt.“ Vorteil dieser Symbiose sei, dass das Haus von montags bis samstags in öffentlicher Nutzung sei, und sonntags durch die Gemeinde. Die intensive Nutzung der letzten 20 Jahre führte auch zum jetzigen Sanierungsbedarf. Unter anderem muss die Wärmedämmung im Dach erneuert werden. Dieses Vorhaben ist eines der Leitprojekte des GAWiS in diesem Jahr.

Mit Vorstandsmitglied Fabian Brüder nahm auch der Pastor der Evangelisch-reformierten Gemeinde zu Dresden an der Reise teil. "Das Projekt in Bełchatów ist mir ein besonderes Anliegen, da ich die Evangelisch-reformierte Kirche in Polen in persönlichen Kontakten als eine wichtige Stimme im ökumenischen Kontext Polens erlebt habe. Sie leistet in ihrer schwierigen Minderheitensituation wichtige Arbeit - wie zum Beispiel im Gemeindehaus in Bełchatów mit dem dort beheimateten städtischen Sozialhilfezentrum MOPS und dem Therapie- und Prophylaxezentrum“, sagt er.

„Ich war sehr froh, dass ich mitgekommen bin“, sagte Brüder am Ende der Reise, als alle schon einmal versuchten, ihre Eindrücke zu sortieren. Dieser Aussage schlossen sich die anderen Mitreisenden an. Arndt Haubold, der Vorsitzende des GAWiS, zeigte sich überrascht über die Aktivitäten, mit denen kleine Gemeinden versuchen, ihren Alltag zu meistern. „Nicht nur finanziell sollten wir hier weiter unterstützen, sondern auch durch Kontakte und Beziehungen“, ist sein Fazit.

Hintergrund

Als Diaspora-Werk der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens unterstützt das Gustav-Adolf-Werk in Sachsen evangelische Christen weltweit. Es hilft Christen, die in der „Zerstreuung“, in der „Diaspora“ existieren, zum Beispiel bei Neubau, Sanierung oder Modernisierung von Kirchen, Gemeindehäusern und Altenheimen, aber auch bei sozialen Projekten. So können diese Glaubensgeschwister ihren Glauben gemeinsam leben und in ihrem Umfeld wirken. Wichtig ist dem Werk der direkte Kontakt zu seinen Projektpartnern. www.gaw-sachsen.de

 Zitate

„Ich finde, als Christen sollten wir Brücken bauen und Menschen in Beziehung bringen. Wir wollen zu einer Brückengemeinde werden.“ (Karol Długosz, Wrocław)

„Ohne die Hilfe des GAW würde es diese beiden Häuser mit ihren Aktivitäten nicht geben. Wir teilen diese Information mit den Menschen der Stadt und sind stolz, solche Partner zu haben.“ (Marek Izdebski, Bełchatów)

Reiseteilnehmer der Gustav-Adolf-Werkes in Sachsen mit Pfarrer Jerzy Gansel in Legnica
Bei Bodenarbeiten entdecktes Epitaph der Familie Geisler in der Frauenkirche in Luban
Zum Teil sanierter Altarraum in der Frauenkirche in Luban
Propst Karol Długosz mit Besuchern und Gemeindegliedern am Eingang zur Suppenküche im Pfarrhaus an der Christophorikirche in Wrocław
Als Überdachtes Kirchenkaffee oder für die Betreuung für Bedürftige?
Fabian Brüder, Pastor der Evangelisch-reformierten Gemeinde zu Dresden, mit seinem Kollegen Marek Izdebski, dem Pfarrer der reformierten Gemeinde in Bełchatów

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