Kirche als Gesprächsraum gestalten
Im Blick auf unser zukünftiges Miteinander […] betrachten wir es als eine wichtige Aufgabe, weiter an einer von Respekt und Wertschätzung getragenen Debattenkultur zu arbeiten. Wir haben gelernt, dass der Wille zur Gemeinschaft auch mit Schmerzen und Mühen verbunden ist. Wichtig ist, dass wir einander trotz unterschiedlicher Positionen nicht verurteilen.
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Die Landessynode bittet Kirchgemeinden und kirchliche Einrichtungen, Diskussionen zu strittigen Themen anzubieten und so zu einem respektvollem Miteinander in der Gesellschaft beizutragen.
Kontroverse Debatten begleiten uns in Gesellschaft, Familie, Arbeitsumfeld und auch in den Kirchgemeinden seit einigen Jahren in besonders intensiver Weise. Wie können wir als Kirche hier den Menschen und dem Miteinander dienen? Wie können Gesprächsräume entstehen oder begleitet werden? Wo fördern wir so das Miteinander und den gegenseitigen Respekt, auch wenn wir unterschiedliche Meinungen vorfinden? Welche Kompetenzen können bei Mitarbeitenden und in den Gemeinden gestärkt werden und wer kann dabei unterstützen?
Anregungen, die in der Debatte um die Unterscheidung zwischen wertkonservativem Christsein und Rechtsradikalismus entstanden sind, bieten Impulse zur weiteren Beschäftigung in den verschiedenen Gremien der Kirchgemeinden.
Hier finden Sie die Grundlagentexte aus der Synodalen Debatte:
- Schlussbericht der Spurgruppe zur Unterscheidung zwischen wertkonservativem Christsein und Rechtsradikalismus vom 27. März 2021 (Digitale Tagung der 28. Landessynode)
- „Ertrage einer den andern (Kolosser 3,13a) - Kirche als Gesprächsraum gestalten“ Wort der 28. Landessynode 15.11.2021
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Zum Tod des ehemaligen Thomaskantors Georg Christoph Biller
28 Jan. 2022
Trauergottesdienst am 10. Februar in der Leipziger Thomaskirche
DRESDEN – Am 27. Januar ist der ehemalige Thomaskantor Prof. Georg Christoph Biller im Alter von 66 Jahren nach langer schwerer Krankheit verstorben. Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens spricht den Angehörigen ihr Beileid aus. Landesbischof Tobias Bilz würdigt Georg Christoph Biller als „herausragenden Thomaskantor, der in seinem langjährigen Wirken im Thomanerchor die besondere kirchenmusikalische Tradition Sachsens in die Welt getragen hat. Mit dem Thomanerchor brachte er aber nicht nur das Erbe Johann Sebastian Bachs, die Kirchenmusik der Reformation oder moderne Kompositionen einem Weltpublikum zu Gehör, sondern vermittelte auch seine geistliche Haltung und sein tiefes Verständnis liturgischer Musik.“ Er habe damit sowohl dem Publikum als auch den jungen Sängern, für die er eine prägende Persönlichkeit war, die Verbindung von Musik und Glauben auf besondere Weise vermitteln können.
„Georg Christoph Biller hat in seiner Amtszeit aber auch in unsere Landeskirche hinein gewirkt.“, so Landesbischof Bilz. „Seine innere geistliche Haltung und seine äußere musikalische, künstlichere wie pädagogische Ausstrahlung sind beispielhaft für die Kirchenmusik in Sachsen“, so Bilz. Mehrere amtierende Kantoren seien aus dem Thomanerchor hervorgegangen. Biller habe immer im Kontakt zu Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusikern in den Gemeinden gestanden und dem Konvent der Kirchenmusikdirektoren wichtige inhaltliche Impulse gegeben. Das von ihm ins Leben gerufene Projekt forum thomanum habe mit der Förderung von Nachwuchs durch frühe musikalische Bildung und der Verknüpfung von Chor und Schule aus geistlicher Sicht Vorbildcharakter für die Arbeit in den Kirchgemeinden Sachsens, so Landesbischof Bilz.
Leben und musikalischer Werdegang
Georg Christoph Biller wurde 1955 in Nebra geboren. Geprägt durch das Pfarrhaus seiner Eltern, die seine musikalische Begabung erkannten und förderten, war er, ebenso wie seine Geschwister, umgeben von gottesdienstlichem Geschehen, Musik, Literatur und Kunst. Seine musikalische Prägung erhielt er zunächst unter Thomaskantor Prof. Erhard Mauersberger und als 1. Chorpräfekt unter Thomaskantor Prof. Hans-Joachim Rotzsch. Bereits in dieser Zeit waren für ihn inhaltliche Zusammenhänge und thematische theologische Bezüge von Stücken zueinander wichtig. Als Gründer und Leiter des Leipziger Vokalkreises (1976) konnte er dies umsetzen. Besonderes Anliegen war ihm dabei die Aufführung selten zu hörender, auch zeitgenössischer, Chormusik. Nach seinem Studium in Leipzig in den Fächern Dirigieren und Gesang leitete er von 1981-1991 den Gewandhauschor und lehrte als Dozent an der Kirchenmusikschule Halle und 1991/1992 an den Hochschulen Frankfurt a. Main und Detmold, später ebenso an der Hochschule in Leipzig.
In der sächsischen Landeskirche versah er zwei Jahre als Interimskantor Dienst in der Stadtkirche Naunhof.
Die Leitung des Thomanerchores übernahm Georg Christoph Biller im Herbst 1992. Bereits damals litt er unter gesundheitlichen Einschränkungen, die ihn während seiner ganzen Amtszeit begleiteten und letztendlich zur Aufgabe des Amtes 2015 zwangen. Die Faszination und Arbeit an einem Knabenchorklang und mit seinen Thomanern inspirierte ihn in seiner künstlerischen Tätigkeit.
Biller hatte wesentlichen Anteil am Aufbau des Bildungscampus forum thomanum. Geprägt durch den Dreiklang von „Glauben-Singen-Lernen“ stellte der Bildungscampus für ihn eine wichtige Grundlage dar, um den Thomanerchor mit seiner 800jährigen Tradition zukunftsfähig zu machen.
Die liturgische Neuausrichtung und Konzeption der wöchentlichen Motetten war ihm ein besonderes Anliegen. 1992 begann er, die gesamten erhaltenen Kantaten Bachs zyklisch in chronologischer Reihenfolge mit den Thomanern und dem Gewandhausorchester aufzuführen, wobei die Kantaten ihre Zuordnung zum entsprechenden Sonntag zum Kirchenjahr erhielten. Er schuf das Neue Thomasgraduale, erinnernd an die Tradition der gottesdienstlichen Musik an St. Thomas. Es enthält ausschließlich Vertonungen von ihm mit den Halleluja-Versen sowie den Wochenliedern für das gesamte Kirchenjahr, bei dem auch die Gemeinde einbezogen wird. Biller pflegte vielfältige Verbindungen zu namhaften zeitgenössischen Komponisten, deren Werke er mit dem Thomanerchor aufführte. In seinen letzten Amtsjahren betraf dies verstärkt auch seine eigenen Werke. In denen verfolgte er den Grundsatz: „Nicht das Schrille, sondern das Beständige soll da sein.“. Beständiges und Prägendes hinterlässt er auch für die sächsische Kirchenmusik.
Nachtrag: In der Thomaskirche Leipzig findet am 10. Februar um 12:00 Uhr ein Trauergottesdienst für Alt-Thomaskantor Georg Christoph Biller statt. Die Plätze für den Trauergottesdienst sind aufgrund der aktuellen Corona-Regeln stark limitiert. Wer keinen Platz mehr buchen konnte, ist herzlich eingeladen, auf dem Thomaskirchhof über eine live Ton-Außenübertragung am Trauergottesdienst teilzunehmen. Die Beisetzung findet im engsten Familien- und Freundeskreis statt. Die Kirchgemeinde lädt zu einer Gedenkmotette für Georg Christoph Biller am Freitag, 11. Februar 2022 um 18:00 Uhr in die Thomaskirche ein. Den musikalischen Rahmen dieser Gedenkmotette bildet der GewandhausChor Leipzig unter der Leitung von Gregor Meyer.
Werke und Einrichtungen bieten Kurse und Unterstützung an
Dienst, Werke und Einrichtungen der Landeskirche bieten in ihren Programmen Workshops und Veranstaltungen an,
- die kontroverse Themen inhaltlich aufnehmen und Informationen wie Austausch anbieten und so eigene öffentliche Gesprächsräume entstehen lassen
- die Kompetenzen im Bereich Gesprächsführung, Moderation, Kommunikation stärken und einüben um Menschen in Ihrer Rolle vor Ort zu stärken
Weiter lassen sich Mitarbeitende der Werke und Einrichtungen als Expertinnen und Expertinnen zu verschiedenen Themen für Veranstaltungen vor Ort gern ansprechen.
Informationen dazu finden Sie in den Programmen u.a. folgender Einrichtungen (in Auswahl)
Evangelischen Erwachsenenbildung
https://www.eeb-sachsen.de/angebote.html
- thematischen Angebote
- Kurse z.B. zu Dilemma-Diskussion (Kursstart im Herbst 2022), TZI (Themenzentrierter Interaktion), Friedlicher Kommunikation, Gruppenleitertraining, Praxis respektvoller Kommunikation;
Ehrenamtsakademie Sachsen
www.ehrenamtsakademie-sachsen.de
- Abrufangebote, Webinare, Veranstaltungen verschiedener Anbieter mit dem Schwerpunkt Ehrenamt und Leitung, Gesellschaftliche Verantwortung
Evangelische Akademie Sachsen
https://ea-sachsen.de/veranstaltungen/
- Veranstaltungen online und in Präsenz zu aktuellen Zeitfragen
- Referenten, die Ihre Expertise auch bei Ihren Veranstaltungen einbringen können
TPI Moritzburg
https://tpi-moritzburg.de/
- Angebote und Materialien für den Bereich Schule und Bildung, Gemeindepädagogik,
Landesjugendpfarramt
www.evjusa.de
- u.a. Fachbereich politische Jugendbildung
- Angebote zur Stärkung von Kompetenzen im Bereich der Jugendarbeit (z.B. Juleica)
Ev. Männerarbeit
https://maennerarbeit-sachsen.de/
Ev. Frauenarbeit
https://www.frauenarbeit-sachsen.de/
Pastoralkolleg
https://pastoralkolleg-meissen.de/das-pastoralkolleg/
- bietet thematische und kompetenzorientierte Kollegs und organisiert und begleitet Tagungen mit der Zielgruppe Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Prädikantinnen und Prädikanten
AG Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus Sachsen
https://www.kirche-fuer-demokratie.de/
Diakonie Sachsen
– hier https://www.diakonie-sachsen.de/projekte_demokratie_gewinnt_de.html
- Angebote für Mitarbeitenden der Diakonie z.B. auch in Fragen der Demokratiebildung
Beispiel für Formate
„Wenn wir nicht mehr respektvoll miteinander reden, geht viel verloren. …Wertschätzung und Kritik müssen sich da nicht im Wege stehe. Sondern wenn sie zusammenfinden werden Barrieren abgebaut“
(Pfr. Sebastian Kreß, KG Sebnitz-Hohenstein zu einer Reihe von Gesprächsabenden zu aktuellen Themen. Quelle SZ vom 28.6.2022)
In Kirchgemeinden und Kirchenbezirken wurden in den vergangenen Monaten unterschiedlichste Gesprächsformate, Bürgerdialoge etc. zu aktuellen kontroversen Themen angeboten, so z.B. in der Kirchgemeinde Sebnitz, im Kirchenbezirk Freiberg, Kirchgemeinde Dresden-Leuben, Kirchgemeinde Weinböhle, Kirchgemeinden in Zwönitz, Bautzen oder in Plauen. Erfahrungen lassen sich bei den Gemeinden und Mitarbeitenden dort anfragen.