Themen und Debatten

Kirche als Gesprächsraum gestalten

Im Blick auf unser zukünftiges Miteinander […] betrachten wir es als eine wichtige Aufgabe, weiter an einer von Respekt und Wertschätzung getragenen Debattenkultur zu arbeiten. Wir haben gelernt, dass der Wille zur Gemeinschaft auch mit Schmerzen und Mühen verbunden ist. Wichtig ist, dass wir einander trotz unterschiedlicher Positionen nicht verurteilen.

(aus 27. Landessynode Drucksache 42, Punkt 5 – aus der Debatte zum Gesprächsprozess zum Schriftverständnis)

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Die Landessynode bittet Kirchgemeinden und kirchliche Einrichtungen, Diskussionen zu strittigen Themen anzubieten und so zu einem respektvollem Miteinander in der Gesellschaft beizutragen. 

Kontroverse Debatten begleiten uns in Gesellschaft, Familie, Arbeitsumfeld und auch in den Kirchgemeinden seit einigen Jahren in besonders intensiver Weise. Wie können wir als Kirche hier den Menschen und dem Miteinander dienen? Wie können Gesprächsräume entstehen oder begleitet werden? Wo fördern wir so das Miteinander und den gegenseitigen Respekt, auch wenn wir unterschiedliche Meinungen vorfinden? Welche Kompetenzen können bei Mitarbeitenden und in den Gemeinden gestärkt werden und wer kann dabei unterstützen? 

Anregungen, die in der Debatte um die Unterscheidung zwischen wertkonservativem Christsein und Rechtsradikalismus entstanden sind, bieten Impulse zur weiteren Beschäftigung in den verschiedenen Gremien der Kirchgemeinden.

Hier finden Sie die Grundlagentexte aus der Synodalen Debatte: 

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Unabhängige Regionale Aufarbeitungskommission von sexualisierter Gewalt nimmt in Sachsen die Arbeit auf


30 Apr. 2025

Die URAK Sachsen ist vollständig und startklar

DRESDEN – Die Unabhängige Regionale Aufarbeitungskommission (URAK) im Verbund Sachsen nimmt ihre Arbeit auf. Die Kommission besteht aus sieben Personen. Neben zwei Betroffenen von sexualisierter Gewalt gehören drei unabhängige Experten bzw. Expertinnen dazu, die vom Freistaat Sachsen benannt wurden sowie eine Vertreterin der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsen und einem Vertreter der Diakonie. Die Unabhängige Regionale Aufarbeitungskommission (URAK) hat die Aufgabe, sexualisierten Missbrauch in Kirche und Diakonie unabhängig und transparent aufzuarbeiten. Sie ist von der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsen und der Diakonie Sachsen eingerichtet worden und arbeitet unabhängig.

Folgende Personen sind als Mitglieder für die Unabhängige Regionale Aufarbeitungskommission Sachsen berufen worden:

  • Karl Matthias Uhlich, Betroffenenvertreter aus Salzweg-Strasskirchen, Pfarrer i. R., delegiert aus der Betroffenenvertretung der URAK Sachsen
  • Frank Hadlich-Theml, Betroffenenvertreter aus Marienberg, Pfarrer i. R., delegiert aus der Betroffenenvertretung der URAK Sachsen
  • Prof. Dr. Heide Glaesmer, Psychologin und Traumaforscherin, psychologische Psychotherapeutin mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie am Universitätsklinikum Leipzig, benannt vom Freistaat Sachsen
  • Dr. Verena Böll, Historikerin, Religionswissenschaftlerin, Referentin für interkulturelle-/interreligiöse Bildung bei der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, benannt vom Freistaat Sachsen
  • Prof. Dr. Frank Asbrock, Professor für Sozialpsychologie an der Technischen Universität Chemnitz, Direktor des Zentrums für kriminologische Forschung, benannt vom Freistaat Sachsen
  • Antonia Ellke, Juristin, Leiterin des Grundstückamts der sächsischen Landeskirche, benannt vom Ev.-Luth. Landeskirchenamt Sachsen (EVLKS)
  • Dietrich Bauer, Theologe, Oberkirchenrat, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Sachsen, benannt durch die Diakonie Sachsen

Stimmen zum Start der URAK Sachsen:

„Ich bin sehr froh, dass die Arbeit in der Kommission mit Betroffenen gemeinsam geschieht. Nach wie vor ist es wichtig, den Betroffenen eine Stimme zu geben und vor allem auch an Empfehlungen und Strategien für die Prävention sexuellen Missbrauchs zu arbeiten.“ Prof. Dr. Heide Glaesmer, URAK-Kommissions-mitglied, Psychologin, Universitätsklinik Leipzig

„Die URAK hat die Möglichkeit, die Aufarbeitung transparent, interdisziplinär und faktenbasiert zu gestalten. Die Unabhängigkeit kann und muss dafür sorgen, dass diese Aufarbeitung nicht beim Bekennen stehen bleibt, sondern konkrete Verbesserungen bewirkt.“ Prof. Dr. Frank Asbrock, URAK-Kommissionsmitglied, Professur Sozialpsychologie, Technische Universität Chemnitz

„Warum ich mich in der Aufarbeitungskommission engagiere? Um das Thema sexualisierte Gewalt aus der Dunkelzone herauszuholen. Für Gläubige ist die Religion der persönliche Schutzraum, der durch die sexualisierte Gewalt brutal verletzt wurde. Die Untersuchung und Analyse der Strukturen, die dazu geführt haben, dass niemand ‚Stopp‘ gerufen hat, werden es ermöglichen, mit den Betroffenen das Geschehene transparent zu machen, es aufzuarbeiten und präventive Angebote zu schaffen, die eventuell auch für andere Religionsgemeinschaften einsetzbar sind.“ Dr. Verena Böll, Historikerin und Religionswissenschaftlerin, URAK-Kommissionsmitglied, benannt vom Freistaat Sachsen

„Wenn ich nach meiner Motivation gefragt werde, warum ich mich in die gegenwärtige Missbrauchsdebatte in Kirche und Gesellschaft einmische und als gewähltes Mitglied der URAK Risikofaktoren untersuche, aufgrund derer sexueller und geistlicher Missbrauch in kirchlichen Strukturen ebenso möglich wurden wie jahrzehntelange Vertuschung, dann antworte ich für gewöhnlich: ich selbst bin Betroffener und möchte, dass meinen Enkeln diese Erfahrung von Missbrauch erspart bleibt. Meine eigene religiöse Welt hat auf erschreckende und schmerzhafte Weise einen tiefen Riss bekommen, der mich in mancher Hinsicht ratlos und geistlich unbeheimatet zurücklässt. Diese Erfahrung nehme ich als Anfang eines ganz persönlichen nach Authentizität strebenden Transformationsprozesses wahr.“ Frank Hadlich-Theml, Betroffenenvertreter delegiert aus der Betroffenenvertretung der URAK Sachsen

„Als Betroffener von religiöser Gewalt ist es mir wichtig aus meiner Biografie heraus anderen etwas von dem zu vermitteln, welche gravierenden Auswirkungen es bis ins Alter hinein hat, wenn junge Menschen religiös manipuliert und missbraucht werden. Dieser religiöse Missbrauch erfährt noch einmal eine besondere Zuspitzung, wenn körperlich-sexueller Missbrauch hinzukommt. Das hat für viele Menschen bis ins Alter hinein enorme Wirkungen. Mir ist es wichtig, dass dies in seiner ganzen Schärfe wahrgenommen, gesehen und anerkannt wird. Karl Matthias Uhlich, Betroffenenvertreter delegiert aus der Betroffenenvertretung der URAK Sachsen

„Im Rahmen der ForuM-Studie war ich Ansprechpartnerin der sächsischen Landeskirche für die Wissenschaftler des Forschungsverbundes. Daraus entstand der Wunsch, mich weiterhin in diesem Bereich einzubringen und wenn möglich eine Brücke zu schlagen zwischen den Betroffenen und der sächsischen Landeskirche.“ Antonia Ellke, Leiterin des Grundstücksamtes der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens (EVLKS), URAK-Kommissionsmitglied, benannt vom Ev.-Luth. Landeskirchenamt Sachsen (EVLKS)

„Die Aufarbeitung der Bedingungen, die sexualisierte Gewalt in Diakonie und Kirche ermöglichten, soll - soweit dies möglich ist – betroffenen Menschen Gerechtigkeit widerfahren lassen und ihnen den gebührenden Respekt erweisen. Eine unabhängige Aufarbeitung ist entscheidend, um aus der Vergangenheit zu lernen und präventiv Rahmenbedingungen zu schaffen, die sexualisierte Gewalt in den Einrichtungen der Diakonie und in der Landeskirche zukünftig bestmöglich verhindert.“ Dietrich Bauer, Kommissionsmitglied, Vorstandsvorsitzender Diakonie Sachsen, benannt von der Diakonie Sachsen

Hintergrund

Die bundesweite Gründung von Unabhängigen Regionalen Aufarbeitungs-kommissionen wurde durch die Evangelische Kirche Deutschland (EKD) und der Diakonie Deutschland initiiert. Alle neun Aufarbeitungskommissionen arbeiten nach einem gemeinsamen Standard, der zwischen der Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sowie der Diakonie Deutschland Ende 2023 in einer gemeinsamen Erklärung festgelegt wurde. So soll nach Veröffentlichung der Aufarbeitungsstudie „ForuM“ (2024) die systematische Aufklärung und unabhängige Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in Kirche und Diakonie weiter intensiviert und regional fortgesetzt werden.

Die Mitglieder der Unabhängigen Regionalen Aufarbeitungskommissionen setzen sich aus Betroffenen, Expertinnen und Experten, die gesellschaftliche Verantwortung tragen, sowie Vertreterinnen und Vertretern der Landeskirchen und Landesverbänden der Diakonie zusammen. Die Mitglieder der Unabhängigen Regionalen Aufarbeitungskommissionen aus dem Kreis der Betroffenen wurden durch die Betroffenenvertretung selbst benannt. Die Benennung der externen Expertinnen und Experten erfolgte unabhängig durch die sächsische Landesregierung.

Im Verbund Sachsen hatte sich am 5. April 2025 eine Betroffenenvertretung gebildet, sie besteht aus neun Personen. Die Vertretung trifft sich regelmäßig. Sie ist auch ansprechbar für weitere Betroffene. Der Kontakt ist möglich über die Geschäftsstelle oder über den Sprecher der Gruppe Christoph Wohlgemuth.

Unterstützt und organisatorisch begleitet wird die URAK Sachsen von einer Geschäftsstelle unter der Leitung von Mandy Weigel (M.A., Germanistik/ Psychologie/Journalistik), mit Erfahrung in Kommunikation, Organisation und Projektentwicklung.

Kontakt zur Unabhängigen Regionalen Aufarbeitungskommission Sachsen:

Geschäftsstelle der Unabhängigen Regionalen Aufarbeitungskommission (URAK), Lukasstr. 6, 01069 Dresden
Mandy Weigel per Email oder Telefon (0351 - 4692 107
Zur Seite der URAK auf der Webseite der EVLKS

Kontakt zur Betroffenenvertretung:

Christoph Wohlgemuth per Email oder Telefon (0371 -  46401999)

Symbolbild

Werke und Einrichtungen bieten Kurse und Unterstützung an

Dienst, Werke und Einrichtungen der Landeskirche bieten in ihren Programmen Workshops und Veranstaltungen an,

  • die kontroverse Themen inhaltlich aufnehmen und Informationen wie Austausch anbieten und so eigene öffentliche Gesprächsräume entstehen lassen
  • die Kompetenzen im Bereich Gesprächsführung, Moderation, Kommunikation stärken und einüben um Menschen in Ihrer Rolle vor Ort zu stärken

Weiter lassen sich Mitarbeitende der Werke und Einrichtungen als Expertinnen und Expertinnen zu verschiedenen Themen für Veranstaltungen vor Ort gern ansprechen.

 

 

 

Informationen dazu finden Sie in den Programmen u.a. folgender Einrichtungen (in Auswahl)

 

Evangelischen Erwachsenenbildung               
https://www.eeb-sachsen.de/angebote.html

  • thematischen Angebote
  • Kurse z.B. zu Dilemma-Diskussion (Kursstart im Herbst 2022), TZI (Themenzentrierter Interaktion), Friedlicher Kommunikation, Gruppenleitertraining, Praxis respektvoller Kommunikation; 

Ehrenamtsakademie Sachsen           
www.ehrenamtsakademie-sachsen.de

  • Abrufangebote, Webinare, Veranstaltungen verschiedener Anbieter mit dem Schwerpunkt Ehrenamt und Leitung, Gesellschaftliche Verantwortung

Evangelische Akademie Sachsen               
https://ea-sachsen.de/veranstaltungen/

  • Veranstaltungen online und in Präsenz zu aktuellen Zeitfragen
  • Referenten, die Ihre Expertise auch bei Ihren Veranstaltungen einbringen können

TPI Moritzburg               
https://tpi-moritzburg.de/

  • Angebote und Materialien für den Bereich Schule und Bildung, Gemeindepädagogik,

 

 

Landesjugendpfarramt    
www.evjusa.de

  • u.a. Fachbereich politische Jugendbildung
  • Angebote zur Stärkung von Kompetenzen im Bereich der Jugendarbeit (z.B. Juleica)

Ev. Männerarbeit
https://maennerarbeit-sachsen.de/

Ev. Frauenarbeit              
https://www.frauenarbeit-sachsen.de/

Pastoralkolleg  
https://pastoralkolleg-meissen.de/das-pastoralkolleg/

  • bietet thematische und kompetenzorientierte Kollegs und organisiert und begleitet Tagungen mit der Zielgruppe Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Prädikantinnen und Prädikanten

AG Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus Sachsen
https://www.kirche-fuer-demokratie.de/

Diakonie Sachsen
– hier https://www.diakonie-sachsen.de/projekte_demokratie_gewinnt_de.html

  • Angebote für Mitarbeitenden der Diakonie z.B. auch in Fragen der Demokratiebildung

Beispiel für Formate

„Wenn wir nicht mehr respektvoll miteinander reden, geht viel verloren. …Wertschätzung und Kritik müssen sich da nicht im Wege stehe. Sondern wenn sie zusammenfinden werden Barrieren abgebaut“
(Pfr. Sebastian Kreß, KG Sebnitz-Hohenstein zu einer Reihe von Gesprächsabenden zu aktuellen Themen. Quelle SZ vom 28.6.2022)

In Kirchgemeinden und Kirchenbezirken wurden in den vergangenen Monaten unterschiedlichste Gesprächsformate, Bürgerdialoge etc. zu aktuellen kontroversen Themen angeboten, so z.B. in der Kirchgemeinde Sebnitz, im Kirchenbezirk Freiberg, Kirchgemeinde Dresden-Leuben, Kirchgemeinde Weinböhle, Kirchgemeinden in Zwönitz, Bautzen oder in Plauen. Erfahrungen lassen sich bei den Gemeinden und Mitarbeitenden dort anfragen.

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