Kirche als Gesprächsraum gestalten
Im Blick auf unser zukünftiges Miteinander […] betrachten wir es als eine wichtige Aufgabe, weiter an einer von Respekt und Wertschätzung getragenen Debattenkultur zu arbeiten. Wir haben gelernt, dass der Wille zur Gemeinschaft auch mit Schmerzen und Mühen verbunden ist. Wichtig ist, dass wir einander trotz unterschiedlicher Positionen nicht verurteilen.
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Die Landessynode bittet Kirchgemeinden und kirchliche Einrichtungen, Diskussionen zu strittigen Themen anzubieten und so zu einem respektvollem Miteinander in der Gesellschaft beizutragen.
Kontroverse Debatten begleiten uns in Gesellschaft, Familie, Arbeitsumfeld und auch in den Kirchgemeinden seit einigen Jahren in besonders intensiver Weise. Wie können wir als Kirche hier den Menschen und dem Miteinander dienen? Wie können Gesprächsräume entstehen oder begleitet werden? Wo fördern wir so das Miteinander und den gegenseitigen Respekt, auch wenn wir unterschiedliche Meinungen vorfinden? Welche Kompetenzen können bei Mitarbeitenden und in den Gemeinden gestärkt werden und wer kann dabei unterstützen?
Anregungen, die in der Debatte um die Unterscheidung zwischen wertkonservativem Christsein und Rechtsradikalismus entstanden sind, bieten Impulse zur weiteren Beschäftigung in den verschiedenen Gremien der Kirchgemeinden.
Hier finden Sie die Grundlagentexte aus der Synodalen Debatte:
- Schlussbericht der Spurgruppe zur Unterscheidung zwischen wertkonservativem Christsein und Rechtsradikalismus vom 27. März 2021 (Digitale Tagung der 28. Landessynode)
- „Ertrage einer den andern (Kolosser 3,13a) - Kirche als Gesprächsraum gestalten“ Wort der 28. Landessynode 15.11.2021
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Treffen zwischen Landesbischof Bilz und Bischof der tansanischen Partnerkirche ELCT
11 Sept. 2024
Bischof Dr. Malasusa: In Tansania gehöre der Glauben zum Leben
LEIPZIG – Im Missionshaus der Leipziger Missionsgesellschaft (LMW) trafen sich Landesbischof Tobias Bilz und der Leitende tansanische Bischof Dr. Alex Malasusa der ELCT zu einem Meinungsaustausch über die Partnerschaft beider Kirchen, über die Attraktivität von Kirche gerade für junge Menschen sowie über das Zusammenleben unterschiedlicher Religionen. Bischof Dr. Malasusa traf bei seinem Besuch in Leipzig auch die neue Direktorin des Missionswerkes, Pfarrerin Annette Kalettka.
In dem Dreiergespräch wurde immer wieder deutlich, dass die beiden Kirchen durchaus vor ähnlichen Herausforderungen stehen und sich ein Austausch lohne. So geht es sowohl in Tansania als auch in Sachsen um die Frage, wie die Kirche für junge Menschen attraktiv sein kann. Die Spannung zwischen Tradition und neuen Formen des Gottesdienstes sowie die Herausforderung durch eine Vielzahl an Angeboten sehen beide Bischöfe. „Wir befinden uns in einer kulturellen Konkurrenzsituation, insbesondere bei Jugendlichen.“, so Bilz. Malasusa plädierte für eine gute Mischung aus unterschiedlichen Angeboten für alle Generationen. In Tansania wollten die Älteren die traditionelle Liturgie und die von den Missionaren übersetzten „heiligen Choräle“ beibehalten, während junge Menschen sich tanzbare Musik wünschten. Dann gäbe es eben für jeden etwas.
Wichtig sei, so bestand Einigkeit, dass der Gottesdienst eine wertvolle Zeit sei, die den Menschen etwas geben müsse. Gesucht würden Ermutigungserlebnisse, so Bilz. Wenn die Predigt keine Relevanz für das Leben der Gläubigen habe, dann führe dies zu Enttäuschungen. Pfarrerinnen und Pfarrer dürften nicht davon ausgehen, dass in ihrem Gottesdienst Theologen sitzen, die an einer akademischen Auseinandersetzung mit den biblischen Texten interessiert seien. „Wir wollen die Kraft Gottes ins Leben der Menschen bringen.“, formulierte Bischof Bilz sein Ziel. Malasusa stimmte dem zu: „Gut ausgebildete Theologen neigen dazu, eher eine Vorlesung als eine Predigt zu halten. Eine Predigt ist aber etwas anderes.“
Bischof Malasusa empfahl, das Hauptaugenmerk auf die Eltern zu legen. Es sei ihre Pflicht, die Kinder nicht nur zu ernähren, sondern ihnen auch den Glauben weiterzugeben. LMW-Direktorin Annette Kalettka wandte ein, dass Sachsen eine säkulare Gesellschaft sei, in der häufig weder Eltern noch Großeltern Berührung mit dem Christentum hätten. Die christliche Familientradition sei oft weggebrochen. „Wir leben gut ohne Gott“, sei eine Haltung, die weit verbreitet sei, ergänzte Bischof Bilz.
An dieser Stelle unterscheiden sich die Gegebenheiten in beiden Ländern. In Tansania gehöre der Glauben zum Leben: „Der Glauben ist öffentlich nicht privat. Es ist erlaubt, den Glauben zu teilen.“ Die Muslime – der Islam ist die zweite große Religionsgemeinschaft in Tansania - täten dies auch. „Das ist kein Nachteil“, so Malasusa, „sondern eine Herausforderung. Wir sind kein christliches Land.“ Da hindere die Kirche daran einzuschlafen.
Die Beziehung zum Islam sei seit 300 Jahren erprobt und das Verhältnis nach den gewaltsamen Auseinandersetzungen vor gut zehn Jahren wieder sehr gut und stabil. Es wurde ein Zentrum für den Christlich-Muslimischen Dialog eingerichtet. Mit intensiven Gesprächen habe man den – wie Bischof Malasusa betont von außen importierten – Konflikt beilegen können. Gegenseitige Besuche bei Feierlichkeiten seien Standard. Selbstverständlich habe er von muslimischer auch schon ein Kondolenzschreiben für den gerade verstorbenen Bischof Sendoro* erhalten. Gern sei er bereit, die interreligiösen Erfahrungen zu teilen. Sie seien Experten dafür, weil das Zusammenleben in Tansania zum Alltag gehöre.
Malasusa verwies auch auf die Sonntagsschule und die Konfirmandengruppen in der tansanischen Kirche. Um sicherzustellen, dass die Jugendlichen nach der Konfirmation nicht verloren gingen, wird die Christian Student Association als christliche Vereinigung aktiv gefördert. In Chören, Bibelkreisen, aber auch Sportgruppen werden junge Menschen an die Kirche gebunden.
Im Zusammenhang mit dem Thema Partnerschaft betonte Bischof Malasusa die Bedeutung des Internationalen Freiwilligendienstes – in beide Richtungen. Die jungen Menschen seien nicht dieselben nach ihrer Rückkehr. Er wünschte sich diese Erfahrung auch für ältere Menschen und sei es nur für zwei Wochen. Es sei sinnvoller, Menschen kennenzulernen, als nur Löwen und Giraffen anzugucken. Dialog lerne man nicht aus der Ferne. Beide Bischöfe versicherten, weiter füreinander zu beten. Es wurden gegenseitige Einladungen zu weiteren Begegnungen ausgesprochen.
*Überschattet waren die vertrauensvollen Gespräche im Leipziger Missionshaus von der Nachricht an Dr. Alex Malasusa über den Unfalltod des Bischofs der Mwanga-Diözese, Chediel Sendoro. Aufgrund dieser Mitteilung musste Bischof Malasusa seinen Aufenthalt abbrechen und vorzeitig nach Tansania zurückreisen.
Werke und Einrichtungen bieten Kurse und Unterstützung an
Dienst, Werke und Einrichtungen der Landeskirche bieten in ihren Programmen Workshops und Veranstaltungen an,
- die kontroverse Themen inhaltlich aufnehmen und Informationen wie Austausch anbieten und so eigene öffentliche Gesprächsräume entstehen lassen
- die Kompetenzen im Bereich Gesprächsführung, Moderation, Kommunikation stärken und einüben um Menschen in Ihrer Rolle vor Ort zu stärken
Weiter lassen sich Mitarbeitende der Werke und Einrichtungen als Expertinnen und Expertinnen zu verschiedenen Themen für Veranstaltungen vor Ort gern ansprechen.
Informationen dazu finden Sie in den Programmen u.a. folgender Einrichtungen (in Auswahl)
Evangelischen Erwachsenenbildung
https://www.eeb-sachsen.de/angebote.html
- thematischen Angebote
- Kurse z.B. zu Dilemma-Diskussion (Kursstart im Herbst 2022), TZI (Themenzentrierter Interaktion), Friedlicher Kommunikation, Gruppenleitertraining, Praxis respektvoller Kommunikation;
Ehrenamtsakademie Sachsen
www.ehrenamtsakademie-sachsen.de
- Abrufangebote, Webinare, Veranstaltungen verschiedener Anbieter mit dem Schwerpunkt Ehrenamt und Leitung, Gesellschaftliche Verantwortung
Evangelische Akademie Sachsen
https://ea-sachsen.de/veranstaltungen/
- Veranstaltungen online und in Präsenz zu aktuellen Zeitfragen
- Referenten, die Ihre Expertise auch bei Ihren Veranstaltungen einbringen können
TPI Moritzburg
https://tpi-moritzburg.de/
- Angebote und Materialien für den Bereich Schule und Bildung, Gemeindepädagogik,
Landesjugendpfarramt
www.evjusa.de
- u.a. Fachbereich politische Jugendbildung
- Angebote zur Stärkung von Kompetenzen im Bereich der Jugendarbeit (z.B. Juleica)
Ev. Männerarbeit
https://maennerarbeit-sachsen.de/
Ev. Frauenarbeit
https://www.frauenarbeit-sachsen.de/
Pastoralkolleg
https://pastoralkolleg-meissen.de/das-pastoralkolleg/
- bietet thematische und kompetenzorientierte Kollegs und organisiert und begleitet Tagungen mit der Zielgruppe Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Prädikantinnen und Prädikanten
AG Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus Sachsen
https://www.kirche-fuer-demokratie.de/
Diakonie Sachsen
– hier https://www.diakonie-sachsen.de/projekte_demokratie_gewinnt_de.html
- Angebote für Mitarbeitenden der Diakonie z.B. auch in Fragen der Demokratiebildung
Beispiel für Formate
„Wenn wir nicht mehr respektvoll miteinander reden, geht viel verloren. …Wertschätzung und Kritik müssen sich da nicht im Wege stehe. Sondern wenn sie zusammenfinden werden Barrieren abgebaut“
(Pfr. Sebastian Kreß, KG Sebnitz-Hohenstein zu einer Reihe von Gesprächsabenden zu aktuellen Themen. Quelle SZ vom 28.6.2022)
In Kirchgemeinden und Kirchenbezirken wurden in den vergangenen Monaten unterschiedlichste Gesprächsformate, Bürgerdialoge etc. zu aktuellen kontroversen Themen angeboten, so z.B. in der Kirchgemeinde Sebnitz, im Kirchenbezirk Freiberg, Kirchgemeinde Dresden-Leuben, Kirchgemeinde Weinböhle, Kirchgemeinden in Zwönitz, Bautzen oder in Plauen. Erfahrungen lassen sich bei den Gemeinden und Mitarbeitenden dort anfragen.