Kirche als Gesprächsraum gestalten
Im Blick auf unser zukünftiges Miteinander […] betrachten wir es als eine wichtige Aufgabe, weiter an einer von Respekt und Wertschätzung getragenen Debattenkultur zu arbeiten. Wir haben gelernt, dass der Wille zur Gemeinschaft auch mit Schmerzen und Mühen verbunden ist. Wichtig ist, dass wir einander trotz unterschiedlicher Positionen nicht verurteilen.
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Die Landessynode bittet Kirchgemeinden und kirchliche Einrichtungen, Diskussionen zu strittigen Themen anzubieten und so zu einem respektvollem Miteinander in der Gesellschaft beizutragen.
Kontroverse Debatten begleiten uns in Gesellschaft, Familie, Arbeitsumfeld und auch in den Kirchgemeinden seit einigen Jahren in besonders intensiver Weise. Wie können wir als Kirche hier den Menschen und dem Miteinander dienen? Wie können Gesprächsräume entstehen oder begleitet werden? Wo fördern wir so das Miteinander und den gegenseitigen Respekt, auch wenn wir unterschiedliche Meinungen vorfinden? Welche Kompetenzen können bei Mitarbeitenden und in den Gemeinden gestärkt werden und wer kann dabei unterstützen?
Anregungen, die in der Debatte um die Unterscheidung zwischen wertkonservativem Christsein und Rechtsradikalismus entstanden sind, bieten Impulse zur weiteren Beschäftigung in den verschiedenen Gremien der Kirchgemeinden.
Hier finden Sie die Grundlagentexte aus der Synodalen Debatte:
- Schlussbericht der Spurgruppe zur Unterscheidung zwischen wertkonservativem Christsein und Rechtsradikalismus vom 27. März 2021 (Digitale Tagung der 28. Landessynode)
- „Ertrage einer den andern (Kolosser 3,13a) - Kirche als Gesprächsraum gestalten“ Wort der 28. Landessynode 15.11.2021
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Sächsische Landeskirche informiert über Fälle sexualisierter Gewalt in der Vergangenheit
04 Dez. 2021
DRESDEN – Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens informiert hiermit die Öffentlichkeit über Fälle sexualisierter Gewalt, welche sich in den 1960er und 1970er Jahren ereignet haben. Vier dem Landeskirchenamt namentlich bekannte Betroffene berichten von wiederholten Übergriffen in ihrer Jugendzeit. Als Täter benennen sie Kurt Ströer, der von 1956 bis 1986 als Jugendwart im damaligen Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) für die Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens gearbeitet hat. Kurt Ströer war Moritzburger Diakon und ist 2013 im Alter von 91 Jahren verstorben.
Die geschilderten Taten fanden im Rahmen der Jugendarbeit statt, die Kurt Ströer verantwortet hat. Dabei wurden von ihm oft gezielt seelsorgerliche Situationen ausgenutzt. Die Betroffenen berichten sowohl von sexuellem als auch geistlichem Missbrauch, der sie bis heute belastet. Bereits 2012 hat sich ein Betroffener erstmals an die Gemeinschaft Moritzburger Diakoninnen und Diakone gewandt, welche das Landeskirchenamt darüber informierte. Danach war im Rahmen einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema der Name des Täters in einem Brief benannt worden, der im März 2013 an alle Mitglieder der Gemeinschaft verschickt wurde. Die Landeskirche informierte ihrerseits alle Superintendenten mit dem Ziel, mögliche weitere Betroffene zu ermitteln. Neben Unterstützungsleistungen nach damaligen Regelungen erhielten die Betroffenen später die Möglichkeit, sich an die Unabhängige Kommission zu wenden, die Leistungen zur Anerkennung erlittenen Leides durch sexualisierte Gewalt prüft.
„Die Tatsache, dass solche Taten im Raum unserer Kirche stattfinden konnten und diese während der Dienstzeit von Kurt Ströer nicht erkannt und verhindert wurden, beschämt uns zutiefst.“, sagt Präsident Hans-Peter Vollbach. „Ich bitte diejenigen, denen Kurt Ströer in ihrer Jugend Gewalt angetan hat, an dieser Stelle nochmals öffentlich um Entschuldigung für das, was sie dadurch erlitten haben.“ Dieser Fall zeige, wie der Vertrauensraum der Kirche missbräuchlich genutzt wurde und wie wichtig es daher sei, dass heute in den Kirchgemeinden und kirchlichen Einrichtungen alles dafür getan werde, dass Kinder und Jugendliche und andere Menschen vor solcher Gewalt geschützt werden. Dafür habe die Landeskirche in den letzten Jahren sowohl die Präventionsmaßnahmen als auch die gesetzlichen Grundlagen geschaffen, die es nun überall umzusetzen und zu kontrollieren gelte.
Im Blick auf die Taten Kurt Ströers sei geplant, diesen Fall durch eine unabhängige, wissenschaftliche Studie aufarbeiten zu lassen. Derzeit warte die Landeskirche auf eine Nachricht, ob der Fall in die wissenschaftliche Studie zu sexualisierter Gewalt im Bereich der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) aufgenommen werde, worum sich die sächsische Landeskirche seit mehreren Monaten intensiv bemüht. Wenn dies nicht möglich sei, werde man selbst nach Möglichkeiten einer solchen wissenschaftlichen Aufarbeitung suchen, so Präsident Vollbach. Wichtig sei es die Frage zu klären, welche Strukturen und Rahmenbedingungen in der kirchlichen Jugendarbeit damals – auch unter den besonderen Bedingungen der DDR - dazu beigetragen haben, dass Jugendliche solchen Taten ausgeliefert waren und diese Taten bis 2012 unentdeckt geblieben sind.
Hinweis: Sollten Sie selbst Erfahrungen sexualisierter Gewalt gemacht haben, können Sie sich an die Ansprechstelle für Fälle sexualisierter Gewalt in der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens wenden, von der Sie Beratung und Unterstützung erhalten können. Informationen und Kontakte finden Sie unter folgenden Links:
Ansprech- und Meldestelle für Fälle sexualisierter Gewalt in der EVLKS:
Unterstützung für Betroffene:
Werke und Einrichtungen bieten Kurse und Unterstützung an
Dienst, Werke und Einrichtungen der Landeskirche bieten in ihren Programmen Workshops und Veranstaltungen an,
- die kontroverse Themen inhaltlich aufnehmen und Informationen wie Austausch anbieten und so eigene öffentliche Gesprächsräume entstehen lassen
- die Kompetenzen im Bereich Gesprächsführung, Moderation, Kommunikation stärken und einüben um Menschen in Ihrer Rolle vor Ort zu stärken
Weiter lassen sich Mitarbeitende der Werke und Einrichtungen als Expertinnen und Expertinnen zu verschiedenen Themen für Veranstaltungen vor Ort gern ansprechen.
Informationen dazu finden Sie in den Programmen u.a. folgender Einrichtungen (in Auswahl)
Evangelischen Erwachsenenbildung
https://www.eeb-sachsen.de/angebote.html
- thematischen Angebote
- Kurse z.B. zu Dilemma-Diskussion (Kursstart im Herbst 2022), TZI (Themenzentrierter Interaktion), Friedlicher Kommunikation, Gruppenleitertraining, Praxis respektvoller Kommunikation;
Ehrenamtsakademie Sachsen
www.ehrenamtsakademie-sachsen.de
- Abrufangebote, Webinare, Veranstaltungen verschiedener Anbieter mit dem Schwerpunkt Ehrenamt und Leitung, Gesellschaftliche Verantwortung
Evangelische Akademie Sachsen
https://ea-sachsen.de/veranstaltungen/
- Veranstaltungen online und in Präsenz zu aktuellen Zeitfragen
- Referenten, die Ihre Expertise auch bei Ihren Veranstaltungen einbringen können
TPI Moritzburg
https://tpi-moritzburg.de/
- Angebote und Materialien für den Bereich Schule und Bildung, Gemeindepädagogik,
Landesjugendpfarramt
www.evjusa.de
- u.a. Fachbereich politische Jugendbildung
- Angebote zur Stärkung von Kompetenzen im Bereich der Jugendarbeit (z.B. Juleica)
Ev. Männerarbeit
https://maennerarbeit-sachsen.de/
Ev. Frauenarbeit
https://www.frauenarbeit-sachsen.de/
Pastoralkolleg
https://pastoralkolleg-meissen.de/das-pastoralkolleg/
- bietet thematische und kompetenzorientierte Kollegs und organisiert und begleitet Tagungen mit der Zielgruppe Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Prädikantinnen und Prädikanten
AG Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus Sachsen
https://www.kirche-fuer-demokratie.de/
Diakonie Sachsen
– hier https://www.diakonie-sachsen.de/projekte_demokratie_gewinnt_de.html
- Angebote für Mitarbeitenden der Diakonie z.B. auch in Fragen der Demokratiebildung
Beispiel für Formate
„Wenn wir nicht mehr respektvoll miteinander reden, geht viel verloren. …Wertschätzung und Kritik müssen sich da nicht im Wege stehe. Sondern wenn sie zusammenfinden werden Barrieren abgebaut“
(Pfr. Sebastian Kreß, KG Sebnitz-Hohenstein zu einer Reihe von Gesprächsabenden zu aktuellen Themen. Quelle SZ vom 28.6.2022)
In Kirchgemeinden und Kirchenbezirken wurden in den vergangenen Monaten unterschiedlichste Gesprächsformate, Bürgerdialoge etc. zu aktuellen kontroversen Themen angeboten, so z.B. in der Kirchgemeinde Sebnitz, im Kirchenbezirk Freiberg, Kirchgemeinde Dresden-Leuben, Kirchgemeinde Weinböhle, Kirchgemeinden in Zwönitz, Bautzen oder in Plauen. Erfahrungen lassen sich bei den Gemeinden und Mitarbeitenden dort anfragen.