Themen und Debatten

Kirche als Gesprächsraum gestalten

Im Blick auf unser zukünftiges Miteinander […] betrachten wir es als eine wichtige Aufgabe, weiter an einer von Respekt und Wertschätzung getragenen Debattenkultur zu arbeiten. Wir haben gelernt, dass der Wille zur Gemeinschaft auch mit Schmerzen und Mühen verbunden ist. Wichtig ist, dass wir einander trotz unterschiedlicher Positionen nicht verurteilen.

(aus 27. Landessynode Drucksache 42, Punkt 5 – aus der Debatte zum Gesprächsprozess zum Schriftverständnis)

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Die Landessynode bittet Kirchgemeinden und kirchliche Einrichtungen, Diskussionen zu strittigen Themen anzubieten und so zu einem respektvollem Miteinander in der Gesellschaft beizutragen. 

Kontroverse Debatten begleiten uns in Gesellschaft, Familie, Arbeitsumfeld und auch in den Kirchgemeinden seit einigen Jahren in besonders intensiver Weise. Wie können wir als Kirche hier den Menschen und dem Miteinander dienen? Wie können Gesprächsräume entstehen oder begleitet werden? Wo fördern wir so das Miteinander und den gegenseitigen Respekt, auch wenn wir unterschiedliche Meinungen vorfinden? Welche Kompetenzen können bei Mitarbeitenden und in den Gemeinden gestärkt werden und wer kann dabei unterstützen? 

Anregungen, die in der Debatte um die Unterscheidung zwischen wertkonservativem Christsein und Rechtsradikalismus entstanden sind, bieten Impulse zur weiteren Beschäftigung in den verschiedenen Gremien der Kirchgemeinden.

Hier finden Sie die Grundlagentexte aus der Synodalen Debatte: 

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Pfarrerinnen und Pfarrer treffen sich zum Pfarrertag


28 Aug. 2024

CHEMNITZ - Zum aller zwei Jahre stattfindenden zentralen Pfarrertag kamen alle Pfarrerinnen und Pfarrer der sächsischen Landeskirche am heutigen 28. August 2024 in der Chemnitzer Petrikirche und im Opernhaus zusammen. Derzeit stehen 500 Pfarrerinnen und Pfarrer aktiv im Dienst der sächsischen Landeskirche.

Der Pfarrertag begann um 9:30 Uhr mit einem Gottesdienst in der Petrikirche. Landesbischof Tobias Bilz predigte zu Jakobus 2, Verse 14-17 und Vers 26: Der Glaube muss sich durch die Tat beweisen - und stellt diesen Text in einen Zusammenhang mit dem Thema des Pfarrertages, dem Nachdenken über den Pfarrberuf. Er sagt, dass auch das Handeln von Pfarrerinnen und Pfarrern einen geistlichen Grund haben müsse und dies ja in den allermeisten Fällen auch habe. Aber auch unter Pfarrerinnen und Pfarrern gebe es manchmal Gefühle der Resignation und die Wahrnehmung der Vergeblichkeit des eigenen Tuns. Diese kenne er selbst auch, sie seien oft mit dem Gefühl verbunden, man könne nichts bewirken oder die Arbeit werde nie enden. Er zitiert Paulus und rät, in solchen Momenten nicht in Passivität zu verfallen, sondern das zu tun, was man selbst für richtig halte ungeachtet dessen, was andere gerade denken. Natürlich brauche auch der Pfarrberuf Rahmenbedingungen und manchmal müssten die auch geändert und angepasst werden. Aber darauf zu warten sei auch falsch und frustrierend - einfach Dinge zu tun und zu wagen sei für ihn der bessere Weg. Das Handeln im Pfarrberuf müsse weiter darauf ausgerichtet sein, dass es anderen helfe. "Jesus trägt uns auf Nächstenliebe zu üben und bei Jakobus wird diese tatkräftige Nächstenliebe zum Ausdruck des Glaubens", so Tobias Bilz. Natürlich könnte man es nicht allen recht machen, daher brauche es einen Fokus auf diejenigen, die unsere Hilfe bedürften. Er berichtet, dass die Kirchenleitung eine Arbeitsgemeinschaft eingesetzt habe, die die Konzeption "Kirche mit Hoffnung" weiterentwickeln soll. Aber er betont in diesem Zusammenhang auch: "Menschen zu helfen, die in Schwierigkeiten sind, wird jenseits aller kirchlichen Strukturen immer wichtig sein - es ist der Auftrag der Kirche." In einem dritten Impuls rät er den Pfarrerinnen und Pfarrern, sich in ihrem Handeln am Nötigen zu orientieren. Wer Hunger habe, brauche etwas zu essen und keine Analyse, woher der Hunger komme. Es gelte auch im Pfarrberuf zu fragen: Welche Dienste, welche Werke, welches Handeln werde wirklich gebraucht? "Jesus fragt: Was willst Du, das ich Dir tun soll? Und dies sollten wir die Menschen auch fragen", so der Landesbischof. Und wenn so vieles nötig ist? Dann solle man eine Sache für notwendig erklären, sich auf Dinge fokussieren und sie nacheinander tun, rät er. "Liebe Schwestern und Brüder, die eine Sache tun, die Menschen zum Leben hilft und mich dabei daran zu orientieren, was sie wirklich brauchen - das möchte ich gern tun!", sagt Tobias Bilz. 

Nach dem Gottesdienst ging der Pfarrertag im benachbarten Opernhaus weiter. Zu Beginn hörten die Pfarrerinnen und Pfarrer Grußworte des Generalintendanten der Theater Chemnitz, Dr. Christoph Dittrich, des Staatsministers für Regionalentwicklung, Thomas Schmidt, sowie des Chemnitzer Oberbürgermeisters Sven Schulze. Alle drei Redner bekannten, dass sie noch nie vor so vielen Pfarrerinnen und Pfarrern gesprochen hätten und diese Gelegenheit als etwas Besonderes empfänden. Sie stellten Bezüge zwischen Kultur, Politik und Kirche her und benannten die Schwierigkeiten der aktuellen Zeit, die alle diese Bereiche gleichermaßen betreffe und in Verantwortung rufe. Die Kirchen hätten nach wie vor eine große Bedeutung, wenn es darum gehe, die Menschen mit ihren Ängsten und Sorgen zu begleiten, ihnen Orientierung zu geben und sie in vielfältiger Weise zu unterstützen. Der Chemnitzer Oberbürgermeister Sven Schulze lud die Pfarrerinnen und Pfarrer zudem ein, die Angebote im Rahmen der Kulturhauptstadt 2025 wahrzunehmen. Er dankte der sächsischen Landeskirche für das große Engagement, mit welchem sie dieses Ereignis auch durch kirchliche Angebote bereichere und dazu beitrage, dass Menschen in Chemnitz zusammenkämen und sich begegneten. 

Vorträge und Austausch zum Thema „Quo vadis – Pfarrdienst?“

Nach den Grußworten folgte der Themenschwerpunkt des Pfarrertages „Quo vadis – Pfarrdienst?“. Moderiert wurde dieser von Oberkirchenrätin Antje Pech, Referentin für Personalentwicklung für kirchliche Berufe im Landeskirchenamt, Jan Witza, Referent für sozialpolitische Kommunikation der Diakonie Sachsen, und Holger Treutmann, persönlicher Referent des Landesbischofs. Das Thema ist eingebettet in eine Veranstaltungsreihe in der Landeskirche während der aktuellen Erarbeitung des Personalentwicklungskonzepts für kirchliche Berufe.

Unter dem Titel „Zwischen Erschöpfung und Gestaltungsfreude“ beleuchtete Dr. Kerstin Menzel den Pfarrberuf aus einer pastoraltheologischen Perspektive. Sie betonte, dass Pfarrerinnen und Pfarrer eine wichtige Rolle dabei spielen, die Kirche nach außen zu repräsentieren und deren Offenheit für vielfältige Zugangsweisen zu sichern. Menzel machte deutlich, wie wesentlich es ist, diese Aspekte im praktischen Alltag des Pfarrberufs zu verankern.

Dr. Lars Charbonnier, Geschäftsführer der Akademie für Kirche und Diakonie in Berlin, hielt anschließend ein Impulsreferat zum Thema „Der Pfarrberuf als Führungsaufgabe“. Er betonte, dass der Pfarrberuf zunehmend eine Leitungs- und Führungsaufgabe darstellt und die kirchliche Transformation aktiv gestaltet werden muss. Dabei wird der regionale Zusammenhang immer wichtiger, während gleichzeitig ein erkennbar überregionales Profil entwickelt werden muss. Zudem unterstrich er die Bedeutung, Multiprofessionalität zuzulassen und theologisch profiliert zu arbeiten.

Nach den Vorträgen gab es die Gelegenheit zum Austausch im Publikum. Vor der Mittagspause fand ein Podiumsgespräch statt, an dem Landesbischof Tobias Bilz, die Personaldezernentin OLKRin Margrit Klatte, Pfarrer Christian Schubert (Schwarzenberg) aus dem Vorstand der sächsischen Pfarrervertretung sowie Pfarrerin Maxi Gütter aus der Resonanzgruppe zum Personalentwicklungskonzept (Neudorf) teilnahmen.

Nach der Mittagspause stellte Superintendent Dr. Sven Petry die Arbeit der Arbeitsgruppe Berufszufriedenheit vor. Er erläuterte die Ergebnisse der Befragung der Pfarrerinnen und Pfarrer zu diesem Thema und kündigte an, dass die Arbeitsgruppe an der Erstellung einer Dienstvereinbarung für den Pfarrdienst arbeitet, um die berufliche Zufriedenheit langfristig zu sichern.

 Danach informierte der Präsident des Landeskirchenamtes, Hans-Peter Vollbach die Pfarrerinnen und Pfarrer noch zum aktuellen Stand der Prävention, Intervention und Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Landeskirche und zu den Formen der Hilfe und Unterstützung Betroffener. Der Tag ging mit einem Gebet und Segen durch Landesbischof Tobias Bilz am Nachmittag zu Ende. Im Vorfeld hatte dieser betont: „Der Pfarrertag ist zu einer festen Tradition in unserer Landeskirche geworden. Ich freue mich auf das Zusammentreffen mit den Pfarrerinnen und Pfarrern unserer Landeskirche, auf den gemeinsamen Gottesdienst und den Austausch zum sich wandelnden Pfarrdienst“, sagt Landesbischof Tobias Bilz. Er sei gespannt auf die Vorträge und die Resonanz dazu, denn „die Anforderungen an den Pfarrberuf, die tatsächlichen Aufgaben und die Rahmenbedingungen ändern sich derzeit rasant. Deshalb ist es von großer Bedeutung, darüber zu beraten“, so der Landesbischof. „Wichtig für mich und sicherlich für alle Pfarrerinnen und Pfarrer sind darüber hinaus die Begegnungen und Gespräche im Verlauf des Tages“, betont Tobias Bilz.

Eine Bildergalerie mit Eindrücken des Tages finden Sie hier

Zum Hintergrund:

Der Pfarrertag hat die Funktion einer Dienstberatung des Landesbischofs mit der Pfarrerschaft. Daher ist die Teilnahme am Pfarrertag für alle amtierenden Pfarrerinnen und Pfarrer verpflichtend – auch für jene, die nicht in Gemeindepfarrstellen Dienst tun. Der Pfarrertag gibt dem Landesbischof – neben anderen Formaten wie Visitationen und Einzelgesprächen - die Möglichkeit, mit den Pfarrerinnen und Pfarrern der Landeskirche in Kontakt zu kommen und sich zu aktuellen Fragen auszutauschen.

Es gehört zu den wesentlichen Aufgaben des Landesbischofs als dem leitenden Geistlichen, die Pfarrerschaft der Landeskirche mit dem Wort Gottes zu leiten, deren Fortbildung zu verantworten und die Pfarrerinnen und Pfarrer in ihrem Dienst zu ermutigen. Dem dient auch der Gottesdienst, der im Rahmen des Pfarrertages zusammen gefeiert wird und in dem die Dienstgemeinschaft der Pfarrerinnen und Pfarrer ihren geistlichen Ausdruck findet.

Der erste nachweisliche Pfarrertag hat nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahre 1946 stattgefunden. Seit vierzehn Jahren findet diese jährliche Dienstberatung des Landesbischofs mit den Pfarrerinnen und Pfarrern im Wechsel als regionale Pfarrertage und als zentraler Pfarrertag statt. Zum ersten zentralen Pfarrertag in Sachsen 2007 kam Bundeskanzlerin Angela Merkel als Gastrednerin in die Dresdner Frauenkirche. Der letzte zentrale Pfarrertag fand im September 2022 in der Kreuzkirche in Dresden statt.

Werke und Einrichtungen bieten Kurse und Unterstützung an

Dienst, Werke und Einrichtungen der Landeskirche bieten in ihren Programmen Workshops und Veranstaltungen an,

  • die kontroverse Themen inhaltlich aufnehmen und Informationen wie Austausch anbieten und so eigene öffentliche Gesprächsräume entstehen lassen
  • die Kompetenzen im Bereich Gesprächsführung, Moderation, Kommunikation stärken und einüben um Menschen in Ihrer Rolle vor Ort zu stärken

Weiter lassen sich Mitarbeitende der Werke und Einrichtungen als Expertinnen und Expertinnen zu verschiedenen Themen für Veranstaltungen vor Ort gern ansprechen.

 

 

 

Informationen dazu finden Sie in den Programmen u.a. folgender Einrichtungen (in Auswahl)

 

Evangelischen Erwachsenenbildung               
https://www.eeb-sachsen.de/angebote.html

  • thematischen Angebote
  • Kurse z.B. zu Dilemma-Diskussion (Kursstart im Herbst 2022), TZI (Themenzentrierter Interaktion), Friedlicher Kommunikation, Gruppenleitertraining, Praxis respektvoller Kommunikation; 

Ehrenamtsakademie Sachsen           
www.ehrenamtsakademie-sachsen.de

  • Abrufangebote, Webinare, Veranstaltungen verschiedener Anbieter mit dem Schwerpunkt Ehrenamt und Leitung, Gesellschaftliche Verantwortung

Evangelische Akademie Sachsen               
https://ea-sachsen.de/veranstaltungen/

  • Veranstaltungen online und in Präsenz zu aktuellen Zeitfragen
  • Referenten, die Ihre Expertise auch bei Ihren Veranstaltungen einbringen können

TPI Moritzburg               
https://tpi-moritzburg.de/

  • Angebote und Materialien für den Bereich Schule und Bildung, Gemeindepädagogik,

 

 

Landesjugendpfarramt    
www.evjusa.de

  • u.a. Fachbereich politische Jugendbildung
  • Angebote zur Stärkung von Kompetenzen im Bereich der Jugendarbeit (z.B. Juleica)

Ev. Männerarbeit
https://maennerarbeit-sachsen.de/

Ev. Frauenarbeit              
https://www.frauenarbeit-sachsen.de/

Pastoralkolleg  
https://pastoralkolleg-meissen.de/das-pastoralkolleg/

  • bietet thematische und kompetenzorientierte Kollegs und organisiert und begleitet Tagungen mit der Zielgruppe Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Prädikantinnen und Prädikanten

AG Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus Sachsen
https://www.kirche-fuer-demokratie.de/

Diakonie Sachsen
– hier https://www.diakonie-sachsen.de/projekte_demokratie_gewinnt_de.html

  • Angebote für Mitarbeitenden der Diakonie z.B. auch in Fragen der Demokratiebildung

Beispiel für Formate

„Wenn wir nicht mehr respektvoll miteinander reden, geht viel verloren. …Wertschätzung und Kritik müssen sich da nicht im Wege stehe. Sondern wenn sie zusammenfinden werden Barrieren abgebaut“
(Pfr. Sebastian Kreß, KG Sebnitz-Hohenstein zu einer Reihe von Gesprächsabenden zu aktuellen Themen. Quelle SZ vom 28.6.2022)

In Kirchgemeinden und Kirchenbezirken wurden in den vergangenen Monaten unterschiedlichste Gesprächsformate, Bürgerdialoge etc. zu aktuellen kontroversen Themen angeboten, so z.B. in der Kirchgemeinde Sebnitz, im Kirchenbezirk Freiberg, Kirchgemeinde Dresden-Leuben, Kirchgemeinde Weinböhle, Kirchgemeinden in Zwönitz, Bautzen oder in Plauen. Erfahrungen lassen sich bei den Gemeinden und Mitarbeitenden dort anfragen.

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