Themen und Debatten

Kirche als Gesprächsraum gestalten

Im Blick auf unser zukünftiges Miteinander […] betrachten wir es als eine wichtige Aufgabe, weiter an einer von Respekt und Wertschätzung getragenen Debattenkultur zu arbeiten. Wir haben gelernt, dass der Wille zur Gemeinschaft auch mit Schmerzen und Mühen verbunden ist. Wichtig ist, dass wir einander trotz unterschiedlicher Positionen nicht verurteilen.

(aus 27. Landessynode Drucksache 42, Punkt 5 – aus der Debatte zum Gesprächsprozess zum Schriftverständnis)

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Die Landessynode bittet Kirchgemeinden und kirchliche Einrichtungen, Diskussionen zu strittigen Themen anzubieten und so zu einem respektvollem Miteinander in der Gesellschaft beizutragen. 

Kontroverse Debatten begleiten uns in Gesellschaft, Familie, Arbeitsumfeld und auch in den Kirchgemeinden seit einigen Jahren in besonders intensiver Weise. Wie können wir als Kirche hier den Menschen und dem Miteinander dienen? Wie können Gesprächsräume entstehen oder begleitet werden? Wo fördern wir so das Miteinander und den gegenseitigen Respekt, auch wenn wir unterschiedliche Meinungen vorfinden? Welche Kompetenzen können bei Mitarbeitenden und in den Gemeinden gestärkt werden und wer kann dabei unterstützen? 

Anregungen, die in der Debatte um die Unterscheidung zwischen wertkonservativem Christsein und Rechtsradikalismus entstanden sind, bieten Impulse zur weiteren Beschäftigung in den verschiedenen Gremien der Kirchgemeinden.

Hier finden Sie die Grundlagentexte aus der Synodalen Debatte: 

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Landesbischof i.R. Johannes Hempel heute verstorben


23 Apr. 2020

Mit großer geistlicher Vollmacht gewirkt und wichtige Impulse gesetzt

DRESDEN – Im Dresdner Altenzentrum der Diakonissenanstalt starb am gestrigen 23. April 2020 der ehemalige Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Dr. theol. Dr. h.c. Johannes Hempel, im Alter von 91 Jahren. Er war von 1972 bis 1994 sächsischer Landesbischof und von 1991 bis 1997 stellvertretender Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Über die Grenzen der Landeskirche hinaus galt Hempel als ein hervorragender Theologe und Prediger. Seine letzten Amtsjahre waren geprägt von den Ereignissen der Friedlichen Revolution und der Umgestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse, die auch erhebliche Auswirkungen auf die Kirchen hatten.

Der amtierende Landesbischof Tobias Bilz habe Johannes Hempel als eine eindrückliche Persönlichkeit erlebt, die ihm als jungem Theologen tiefen Respekt eingeflößt habe. „Er war eine Autorität. Schwierige Situationen zu ordnen und das wegweisende Wort zu sprechen, war eine seiner großen Stärken.“

Für Dr. Hempels unmittelbaren Nachfolger im Bischofsamt, Landesbischof i.R. Volker Kreß (1994-2004), der ihn seit 1963 aus der Zeit seines eigenen Studiums als Studentenpfarrer in Leipzig kenne, sei Johannes Hempel eine große, eine bedeutende Persönlichkeit dieser Kirche gewesen: „Er war 22 Jahre Landesbischof unserer Landeskirche und hat besonders in den dramatischen Zeiten vor und nach 1989 mit großer geistlicher Vollmacht gewirkt und wichtige Impulse gesetzt. Ich habe Johannes Hempel als einen überragenden Prediger und einen tiefgründigen Theologen kennengelernt. Seiner Weisheit und seinem Rat verdankt unsere Kirche sehr viel. Auch in der Ökumene war er als Präsident des Weltkirchenrates eine überaus wichtige Persönlichkeit. Als stellvertretender Ratsvorsitzender des ersten gemeinsamen Rates der EKD nach der Wiedervereinigung hat er die Weichen gestellt für einen Übergang unserer Kirche in eine neue gesellschaftliche Wirklichkeit“, so Landesbischof i.R. Kreß.

Auch Landesbischof i.R. Jochen Bohl würdigte das Wirken von Dr. Hempel als Theologen, der das politische Handeln der Kirche unter den schwierigen Bedingungen in der DDR immer auf exzellente Weise theologisch begründet habe. „Johannes Hempel war ein außergewöhnliche Persönlichkeit, die theologische Kompetenz, geistliche Lebensführung und gesellschaftliche Wirksamkeit in besonderer Weise vereinte.“, so Jochen Bohl.

Dr. Hempel war als leitender Geistlicher und Nachfolger des 1971 verstorbenen sächsischen Landesbischofs Dr. Gottfried Noth nicht nur im Bischofsamt, sondern vor allem auch für die Kontakte zu Kirchen anderer Länder prägend. So war er seit 1975 Mitglied des Zentralausschusses und des Exekutivausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Genf und ab 1983 einer der sieben Präsidenten des ÖRK.

1981 wurde er leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche in der DDR und ab 1982 Vorsitzender der Konferenz der ostdeutschen Kirchenleitungen.

Von Weggefährten wurde Dr. Hempel als Person der deutsch-deutschen (Kirchen-)Geschichte gewürdigt, der die sächsische Landeskirche in schwierigen Zeiten zwischen der notwendigen Abgrenzung und Abwehr ideologischer Übergriffe und der gebotenen Koexistenz mit dem atheistischen Staat und seinen Repräsentanten geleitet habe. Seine Perspektive der ostdeutschen Landeskirchen sei in die Beratungen des ersten Rates der wiedervereinigten BRD eingebracht worden und trug wesentlich zu einer Integration der unterschiedlichen kirchlichen Traditionen in der neuen EKD bei.

Leitender Bischof der VELKD würdigt den früheren sächsischen Landesbischof

Zum Tod von Landesbischof i. R. Dr. Johannes Hempel sprach auch der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Ralf Meister (Hannover), den Angehörigen seine Anteilnahme aus und würdigte die zahlreichen Funktionen und vielfältigen Verdienste des Verstorbenen.

"Landesbischof i. R. Johannes Hempel hat mit viel Engagement und Leidenschaft, mit Gottvertrauen und geistlicher Wirkkraft seinen Dienst ausgeübt. Er war ein Experte für Ökumene und hat unter großen Herausforderungen in unterschiedlichen politischen Systemen Kirchengeschichte gestaltet und geprägt. Die Verkündigung des Evangeliums in klaren Worten sowie sein Engagement für Demokratie und Frieden waren ihm ein großes Anliegen. Wir gedenken seiner mit Achtung und großem Dank. Als Landesbischof der hannoverschen Landeskirche spreche ich auch den Geschwistern in unserer sächsischen Partnerkirche unsere Anteilnahme aus."

Dr. Johannes Hempel war unter anderem Leitender Bischof der VELKD - Bereich Ost (VELK DDR), stellvertretender Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland und einer der sieben internationalen Präsidenten des Ökumenischen Rates der Kirchen. 

Ratsvorsitzender der EKD würdigt verstorbenen Bischof i. R. Johannes Hempel
 
Zum Tod von Landesbischof i. R. Johannes Hempel, der von 1991 bis 1997 stellvertretender Vorsitzender des ersten Rates der wiedervereinigten EKD war, hat der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, seine Trauer ausgedrückt und die vielfältige Arbeit Hempels gewürdigt:
 
„Die Nachricht vom Tode Johannes Hempels hat bei mir Trauer ausgelöst über den Verlust eines gerade in seiner Bescheidenheit großen Menschen. Ich empfinde aber auch viel Dankbarkeit für den Segen, der auf seinem langen Leben gelegen hat und der aus diesem Leben für so viele Menschen und unsere ganze Kirche erwachsen ist. In einer für das Zusammenwachsen der Kirche im Osten und Westen Deutschlands besonders wichtigen Phase wurde er als erster ostdeutscher Landesbischof 1991 stellvertretender Vorsitzender des ersten Rates der wiedervereinigten EKD. Ihm ging es immer um eine authentische Kirche, die ausstrahlt, wovon sie spricht. Dazu gehörte auch sein besonderes Engagement im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) und das darin zum Ausdruck kommende Bemühen, sichtbar zu machen, dass wir jenseits der Konfessionen und nationalen oder kulturellen Hintergründe die eine Kirche Jesu Christi sind. Ich danke Gott, dass er uns diesen Menschen Johannes Hempel geschenkt hat. Er ist jetzt in guter Hand.“

Zu Leben und Wirken

Johannes Hempel wurde 1929 in Zittau geboren und studierte nach dem Abitur zunächst in Tübingen Philosophie, Germanistik und Geschichte. 1950 entschied er sich in Heidelberg zusätzlich für das Theologiestudium und wechselte 1951 an die Kirchliche Hochschule Berlin. Er wurde später Pfarrer in Gersdorf im damaligen Kirchenbezirk Glauchau.

1958 nahm Hempel seinen Dienst an der Leipziger Thomas-Matthäi-Kirchgemeinde auf, wo er gleichzeitig als Studieninspektor am Predigerkolleg St. Pauli in Leipzig tätig wurde. In dieser Zeit promovierte Hempel zum theologischen Thema  > Vision und Offenbarung in Franz Werfels Romanen "Jeremias" und "Das Lied von Bernadette" < und leistete damit einen Beitrag zur Frage nach einer evangelisch-theologischen Literaturkritik.

Von 1963 bis 1967 übernahm Dr. Johannes Hempel den Dienst als Studentenpfarrer in Leipzig, bevor er 1967 bis zu seiner Bischofswahl 1972 als Studiendirektor an das Predigerkolleg zurückkehrte.

1983 wurde dem damaligen Landesbischof die Würde eines Ehrendoktors der Theologie an der damaligen Karl-Marx-Universität verliehen. 1984 und 1987 folgten die Verleihungen der Ehrendoktorwürde an der südenglischen Universität von Kent und Canterbury und am amerikanischen Muhlenberg College in Allentown, Pennsylvania.

Hempel wurde 2003 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet und dafür geehrt, dass er immer wieder Menschen half, die in der DDR wegen ihres Glaubens in Konfliktsituationen gerieten. Auch sein aktiver und gestalterischer Beitrag im politischen und gesellschaftlichen Umbruch wurde in diesem Zusammenhang gewürdigt.

Literatur:

  • Johannes Hempel: Erfahrungen und Bewahrungen. Ein biografischer Rückblick im Gespräch mit Udo Hahn. Evangelische Verlagsanstalt Leipzig. [2004].
  • „Evangelisches Christsein“- Kernpunkte. Erläuterungen. Impulse. Radius-Verlag Stuttgart. [2009]
Am Ende steht der Mensch - Johannes Hempel
Dr. Hempel 1978 auf dem Kirchentag in Leipzig
Porträt Dr. Hempel, gemalt von Christoph Wetzel
Landesbischöfe i.R. Dr. Johannes Hempel und Volker Kreß
Udo Hahn: „Annehmen und frei bleiben. Landesbischof i.R. Johannes Hempel im Gespräch“ (208 Seiten) ,1996, Lutherisches Verlagshaus Hannover. Der Band enthält neben dem Geleitwort des Leitenden Bischofs der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Horst Hirschler, auch zahlreiche Predigten und weitere Texte Hempels.

Werke und Einrichtungen bieten Kurse und Unterstützung an

Dienst, Werke und Einrichtungen der Landeskirche bieten in ihren Programmen Workshops und Veranstaltungen an,

  • die kontroverse Themen inhaltlich aufnehmen und Informationen wie Austausch anbieten und so eigene öffentliche Gesprächsräume entstehen lassen
  • die Kompetenzen im Bereich Gesprächsführung, Moderation, Kommunikation stärken und einüben um Menschen in Ihrer Rolle vor Ort zu stärken

Weiter lassen sich Mitarbeitende der Werke und Einrichtungen als Expertinnen und Expertinnen zu verschiedenen Themen für Veranstaltungen vor Ort gern ansprechen.

 

 

 

Informationen dazu finden Sie in den Programmen u.a. folgender Einrichtungen (in Auswahl)

 

Evangelischen Erwachsenenbildung               
https://www.eeb-sachsen.de/angebote.html

  • thematischen Angebote
  • Kurse z.B. zu Dilemma-Diskussion (Kursstart im Herbst 2022), TZI (Themenzentrierter Interaktion), Friedlicher Kommunikation, Gruppenleitertraining, Praxis respektvoller Kommunikation; 

Ehrenamtsakademie Sachsen           
www.ehrenamtsakademie-sachsen.de

  • Abrufangebote, Webinare, Veranstaltungen verschiedener Anbieter mit dem Schwerpunkt Ehrenamt und Leitung, Gesellschaftliche Verantwortung

Evangelische Akademie Sachsen               
https://ea-sachsen.de/veranstaltungen/

  • Veranstaltungen online und in Präsenz zu aktuellen Zeitfragen
  • Referenten, die Ihre Expertise auch bei Ihren Veranstaltungen einbringen können

TPI Moritzburg               
https://tpi-moritzburg.de/

  • Angebote und Materialien für den Bereich Schule und Bildung, Gemeindepädagogik,

 

 

Landesjugendpfarramt    
www.evjusa.de

  • u.a. Fachbereich politische Jugendbildung
  • Angebote zur Stärkung von Kompetenzen im Bereich der Jugendarbeit (z.B. Juleica)

Ev. Männerarbeit
https://maennerarbeit-sachsen.de/

Ev. Frauenarbeit              
https://www.frauenarbeit-sachsen.de/

Pastoralkolleg  
https://pastoralkolleg-meissen.de/das-pastoralkolleg/

  • bietet thematische und kompetenzorientierte Kollegs und organisiert und begleitet Tagungen mit der Zielgruppe Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Prädikantinnen und Prädikanten

AG Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus Sachsen
https://www.kirche-fuer-demokratie.de/

Diakonie Sachsen
– hier https://www.diakonie-sachsen.de/projekte_demokratie_gewinnt_de.html

  • Angebote für Mitarbeitenden der Diakonie z.B. auch in Fragen der Demokratiebildung

Beispiel für Formate

„Wenn wir nicht mehr respektvoll miteinander reden, geht viel verloren. …Wertschätzung und Kritik müssen sich da nicht im Wege stehe. Sondern wenn sie zusammenfinden werden Barrieren abgebaut“
(Pfr. Sebastian Kreß, KG Sebnitz-Hohenstein zu einer Reihe von Gesprächsabenden zu aktuellen Themen. Quelle SZ vom 28.6.2022)

In Kirchgemeinden und Kirchenbezirken wurden in den vergangenen Monaten unterschiedlichste Gesprächsformate, Bürgerdialoge etc. zu aktuellen kontroversen Themen angeboten, so z.B. in der Kirchgemeinde Sebnitz, im Kirchenbezirk Freiberg, Kirchgemeinde Dresden-Leuben, Kirchgemeinde Weinböhle, Kirchgemeinden in Zwönitz, Bautzen oder in Plauen. Erfahrungen lassen sich bei den Gemeinden und Mitarbeitenden dort anfragen.

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