Themen und Debatten

Kirche als Gesprächsraum gestalten

Im Blick auf unser zukünftiges Miteinander […] betrachten wir es als eine wichtige Aufgabe, weiter an einer von Respekt und Wertschätzung getragenen Debattenkultur zu arbeiten. Wir haben gelernt, dass der Wille zur Gemeinschaft auch mit Schmerzen und Mühen verbunden ist. Wichtig ist, dass wir einander trotz unterschiedlicher Positionen nicht verurteilen.

(aus 27. Landessynode Drucksache 42, Punkt 5 – aus der Debatte zum Gesprächsprozess zum Schriftverständnis)

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Die Landessynode bittet Kirchgemeinden und kirchliche Einrichtungen, Diskussionen zu strittigen Themen anzubieten und so zu einem respektvollem Miteinander in der Gesellschaft beizutragen. 

Kontroverse Debatten begleiten uns in Gesellschaft, Familie, Arbeitsumfeld und auch in den Kirchgemeinden seit einigen Jahren in besonders intensiver Weise. Wie können wir als Kirche hier den Menschen und dem Miteinander dienen? Wie können Gesprächsräume entstehen oder begleitet werden? Wo fördern wir so das Miteinander und den gegenseitigen Respekt, auch wenn wir unterschiedliche Meinungen vorfinden? Welche Kompetenzen können bei Mitarbeitenden und in den Gemeinden gestärkt werden und wer kann dabei unterstützen? 

Anregungen, die in der Debatte um die Unterscheidung zwischen wertkonservativem Christsein und Rechtsradikalismus entstanden sind, bieten Impulse zur weiteren Beschäftigung in den verschiedenen Gremien der Kirchgemeinden.

Hier finden Sie die Grundlagentexte aus der Synodalen Debatte: 

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Impulstag „Kirchenraum weiter-nutzen“


09 Feb. 2024

Kirchen als zentrale Orte und Begegnungsräume entwickelt

Von Dr. Kerstin Menzel

CHEMNITZ - Die multifunktional eingerichtete Jugendkirche St. Johannis in Chemnitz mit Nebenräumen, Küche und eingebauten Büros sowie Traumwolken unter der himmelblauen Decke bot die passende Kulisse für den Impulstag von „Kirche, die weiter geht“. Dieser fand in Kooperation mit der Theologischen Fakultät Leipzig, dem Baureferat der sächsischen Landeskirche und der Heimvolkshochschule Kohren-Sahlis am 3. Februar statt.

Etwa 60 Teilnehmende aus Gemeinden, Verwaltungsämtern, baubezogenen Professionen, Denkmalpflege und weiteren Bereichen tauschten sich über zukunftsfähige Nutzungskonzepte für Kirchengebäude und die darin liegenden Chancen für Gemeindeentwicklung aus. Neben den Vorträgen war eine für den Tag extra nach Chemnitz geholte Ausstellung der Wüstenrot-Stiftung mit Beispielen von Dorfkirchen zu besichtigen, die am Wettbewerb „Land und Leute. Die Kirche in unserem Dorf“ teilnahmen und zu zentralen Orten und Begegnungsräumen entwickelt wurden.

Dr. Kerstin Menzel, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten, interdisziplinären Forschungsgruppe „Sakralraumtransformation“, plädierte in ihrem Vortrag für eine Überwindung eines nur auf den Gottesdienst reduzierten Verständnisses von Kirchenräumen. Auch deren Bedeutung als soziale und diakonische Orte, als Räume von Identität und Kultur sei theologisch begründet.

So vollziehe sich Glaube und Gottesbegegnung in vielfältigen Formen, was in Nutzungspartnerschaften in diesen Bereichen noch deutlicher zum Ausdruck bringen können. Demgegenüber stünden Umnutzungen von Kirchengebäuden zu exklusiven, konsumfokussierten oder privatisierten Orten in Spannung zum symbolischen Gehalt dieser Räume. Insbesondere in der Vernetzung mit anderen Akteuren in der Zivilgesellschaft ließen sich viele zukunftsfähige neue Nutzungsformen finden.

Landeskonservator Alf Furkert hob die seit dem 2. Weltkrieg erreichte Erhaltung der Kirchengebäude als Teil der reichen Denkmallandschaft Sachsens als besonderen Erfolg hervor. Auch im Kontext der Schrumpfung kirchlicher Mitgliedschaft blieben Kirchengebäude „Symbol- und Hoffnungsträger“. Anhand der Dreikönigskirche Dresden als Veranstaltungszentrum und der Ruine der Dresdner Zionskirche als Lagerort für geborgene historische Fassadenteile zeigte er auf, dass Funktionsänderungen von Kirchen kein gänzlich neues Phänomen seien.

Dabei werde es meist umso komplizierter, je weiter eine neue Nutzung von der ursprünglichen Intention entfernt sei. Bauliche Veränderungen für eine kirchliche oder erweiterte Nutzung, wie der Einbau von Gemeinderäumen oder einer Küche sei meist unbedenklich, da die Nutzung immer zum Erhalt des Gebäudes beitrage. Allerdings bleibe der baukulturelle Wert des Gebäudes bestehen, wenn eine Nutzung ende. Weitergehende Eingriffe seien im Hausarztprinzip immer individuell zu behandeln. Mit der Landeskirche seien jedoch gute Abstimmungsverfahren etabliert.

In Workshops standen dann konkrete Projekte im Zentrum, die sowohl die Innovationskraft von Gemeinden und Ehrenamtlichen als auch die Gestaltungsspielräume im Blick auf die Kirchengebäude deutlichen machen konnten. So wurden im thüringischen Nöbdenitz Kirche und Pfarrhof zum Kristallisationspunkt der dörflichen Entwicklung, als mit kommunaler Beteiligung eine Kultur- und Bildungswerkstatt eingerichtet wurde. Als ein städtisches Beispiel wurde die Heilandskirche aus Leipzig vorgestellt, die bereits in den 1980ern auf Höhe der Emporen eine Zwischendecke erhielt und seit kurzem ein Stadtteilzentrum beherbergt. Die Lukaskirche Dresden wiederum präsentierte das Projekt „Campus-Forum-Lukaskirche“, bei dem die Kirche zu einem Ort des Austauschs zwischen unterschiedlichen Hochschulen, Religion, Gesellschaft, Wissenschaft und Kunst werden soll. Mit der Kirche Sora und der Lutherkirche in Zwickau waren zwei Projekte präsent, die Chancen und Möglichkeiten von Raumeinbauten veranschaulichten – sowohl für ein Gemeindeneugründungsprojekt (Zwickau) als auch für eine stärkere Vernetzung mit kommunalen Akteuren (Sora).

Touristische Potentiale und Fördermöglichkeiten wurden bereits in der Mittagspause durch den Arbeitsbereich „Kirche und Tourismus“ der Landeskirche veranschaulicht. Die Her(r)bergskirche in Neustadt am Rennsteig zeigte dann, welche Raumqualität mit einer kleinen Übernachtungsmöglichkeit in der Kirche erschlossen werden könne und wie die Begegnung mit Gästen aus Nah und Fern auch die Dorfgemeinde belebt. „Ja, wir brauchen Kirchenräume als Resonanzräume, Begegnungsräume, Ermutigungs- und Trosträume. Als Räume für zweckfreies Da-Sein und Räume für energiegeladenen Aufbruch.“ So hatte es OLKRin Carmen Kuhn, Leiterin des Dezernats Grundstücks-, Bau- und Friedhofswesen am Beginn des Tages in ihrem Grußwort gesagt. Der Tag hat gezeigt, dass die Räume, die im Strukturrückbau manchmal eher als Last erscheinen, Ausgangspunkt von Öffnungsprozessen sein können und neue Vernetzungen von Kirche in einer säkularer werdenden Gesellschaft eröffnen.

Teilnehmende am Impulstag, 3. Februar 2024, in der Chemnitzer Jugendkirche
Pfarrer Roland Kutsche von "Kirche, die weiter geht"

Werke und Einrichtungen bieten Kurse und Unterstützung an

Dienst, Werke und Einrichtungen der Landeskirche bieten in ihren Programmen Workshops und Veranstaltungen an,

  • die kontroverse Themen inhaltlich aufnehmen und Informationen wie Austausch anbieten und so eigene öffentliche Gesprächsräume entstehen lassen
  • die Kompetenzen im Bereich Gesprächsführung, Moderation, Kommunikation stärken und einüben um Menschen in Ihrer Rolle vor Ort zu stärken

Weiter lassen sich Mitarbeitende der Werke und Einrichtungen als Expertinnen und Expertinnen zu verschiedenen Themen für Veranstaltungen vor Ort gern ansprechen.

 

 

 

Informationen dazu finden Sie in den Programmen u.a. folgender Einrichtungen (in Auswahl)

 

Evangelischen Erwachsenenbildung               
https://www.eeb-sachsen.de/angebote.html

  • thematischen Angebote
  • Kurse z.B. zu Dilemma-Diskussion (Kursstart im Herbst 2022), TZI (Themenzentrierter Interaktion), Friedlicher Kommunikation, Gruppenleitertraining, Praxis respektvoller Kommunikation; 

Ehrenamtsakademie Sachsen           
www.ehrenamtsakademie-sachsen.de

  • Abrufangebote, Webinare, Veranstaltungen verschiedener Anbieter mit dem Schwerpunkt Ehrenamt und Leitung, Gesellschaftliche Verantwortung

Evangelische Akademie Sachsen               
https://ea-sachsen.de/veranstaltungen/

  • Veranstaltungen online und in Präsenz zu aktuellen Zeitfragen
  • Referenten, die Ihre Expertise auch bei Ihren Veranstaltungen einbringen können

TPI Moritzburg               
https://tpi-moritzburg.de/

  • Angebote und Materialien für den Bereich Schule und Bildung, Gemeindepädagogik,

 

 

Landesjugendpfarramt    
www.evjusa.de

  • u.a. Fachbereich politische Jugendbildung
  • Angebote zur Stärkung von Kompetenzen im Bereich der Jugendarbeit (z.B. Juleica)

Ev. Männerarbeit
https://maennerarbeit-sachsen.de/

Ev. Frauenarbeit              
https://www.frauenarbeit-sachsen.de/

Pastoralkolleg  
https://pastoralkolleg-meissen.de/das-pastoralkolleg/

  • bietet thematische und kompetenzorientierte Kollegs und organisiert und begleitet Tagungen mit der Zielgruppe Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Prädikantinnen und Prädikanten

AG Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus Sachsen
https://www.kirche-fuer-demokratie.de/

Diakonie Sachsen
– hier https://www.diakonie-sachsen.de/projekte_demokratie_gewinnt_de.html

  • Angebote für Mitarbeitenden der Diakonie z.B. auch in Fragen der Demokratiebildung

Beispiel für Formate

„Wenn wir nicht mehr respektvoll miteinander reden, geht viel verloren. …Wertschätzung und Kritik müssen sich da nicht im Wege stehe. Sondern wenn sie zusammenfinden werden Barrieren abgebaut“
(Pfr. Sebastian Kreß, KG Sebnitz-Hohenstein zu einer Reihe von Gesprächsabenden zu aktuellen Themen. Quelle SZ vom 28.6.2022)

In Kirchgemeinden und Kirchenbezirken wurden in den vergangenen Monaten unterschiedlichste Gesprächsformate, Bürgerdialoge etc. zu aktuellen kontroversen Themen angeboten, so z.B. in der Kirchgemeinde Sebnitz, im Kirchenbezirk Freiberg, Kirchgemeinde Dresden-Leuben, Kirchgemeinde Weinböhle, Kirchgemeinden in Zwönitz, Bautzen oder in Plauen. Erfahrungen lassen sich bei den Gemeinden und Mitarbeitenden dort anfragen.

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