Kirche als Gesprächsraum gestalten
Im Blick auf unser zukünftiges Miteinander […] betrachten wir es als eine wichtige Aufgabe, weiter an einer von Respekt und Wertschätzung getragenen Debattenkultur zu arbeiten. Wir haben gelernt, dass der Wille zur Gemeinschaft auch mit Schmerzen und Mühen verbunden ist. Wichtig ist, dass wir einander trotz unterschiedlicher Positionen nicht verurteilen.
Bereich
Die Landessynode bittet Kirchgemeinden und kirchliche Einrichtungen, Diskussionen zu strittigen Themen anzubieten und so zu einem respektvollem Miteinander in der Gesellschaft beizutragen.
Kontroverse Debatten begleiten uns in Gesellschaft, Familie, Arbeitsumfeld und auch in den Kirchgemeinden seit einigen Jahren in besonders intensiver Weise. Wie können wir als Kirche hier den Menschen und dem Miteinander dienen? Wie können Gesprächsräume entstehen oder begleitet werden? Wo fördern wir so das Miteinander und den gegenseitigen Respekt, auch wenn wir unterschiedliche Meinungen vorfinden? Welche Kompetenzen können bei Mitarbeitenden und in den Gemeinden gestärkt werden und wer kann dabei unterstützen?
Anregungen, die in der Debatte um die Unterscheidung zwischen wertkonservativem Christsein und Rechtsradikalismus entstanden sind, bieten Impulse zur weiteren Beschäftigung in den verschiedenen Gremien der Kirchgemeinden.
Hier finden Sie die Grundlagentexte aus der Synodalen Debatte:
- Schlussbericht der Spurgruppe zur Unterscheidung zwischen wertkonservativem Christsein und Rechtsradikalismus vom 27. März 2021 (Digitale Tagung der 28. Landessynode)
- „Ertrage einer den andern (Kolosser 3,13a) - Kirche als Gesprächsraum gestalten“ Wort der 28. Landessynode 15.11.2021
Bereich
Im Europäischen Gespräch zum Abendmahl
07 März 2023
Impulspapier für Vollversammlung der GEKE 2024 in Arbeit
HILDESHEIM - Die Konsultationstagung der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) zur Praxis und Theologie des Abendmahls in Hildesheim (22.-24.2.2023) beschäftigte sich mit der leitenden Frage, wie die evangelischen Kirchen im 21. Jahrhundert einladend Kirche in einem multikulturellen Kontext sein können. Dazu waren im Michaeliskloster über 40 Entsandte aus zahlreichen Kirchen zu Gast, u.a. aus Italien, Frankreich, Georgien, der Ukraine, Schweiz, Österreich, Belgien, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Deutschland, Norwegen, Finnland, Estland und sogar aus den USA. Dazu kamen eine ganze Anzahl von Vertretern und Vertreterinnen der Gliedkirchen der EKD hinzu, darunter auch Pfarrer Gaston Nogrady aus dem erzgebirgischen Markersbach.
Im Auftrag der Vollversammlung der Kirchen, die sich der Leuenberger Konkordie von 1973 angeschlossen haben, sollte diese Leitfrage besonders für die Feier (und Theologie) des Abendmahls untersucht werden. Dazu wurde schon 2021 eine Umfrage an alle 95 Mitgliedskirchen entsandt. Die Rückläufe wurden dann durch das Sozialwissenschaftliche Institut der EKD in Hannover ausgewertet. Sie zeigen ein lebendiges Bild: Erfreulich ist u.a., dass ca. 90 Prozent aller Kirchen getaufte Kinder zum Abendmahl „zulassen“. Die Umfrage zeigte auch, dass sich während der Pandemie zahlreiche Kirchen für eine digitale Praxis der Abendmahlsfeier geöffnet haben.
Heftig diskutiert wurde die Frage, ob Ungetaufte als Gäste zum Abendmahl eingeladen werden sollen oder nicht. Hier sind das theologische Verständnis und die Praxis in den einzelnen Kirchen sehr unterschiedlich. Dieses reicht von dem klassischen Verständnis, welches die Taufe (und oft auch die Konfirmation) als Voraussetzung für das Abendmahl versteht, bis hin zu einem entgrenzten Verständnis (sogenannte „open table“), bei welchem die Einladung Christi zum Tisch der Gnade allen Menschen ausgesprochen wird. Bei beiden wird aber gleicherweise wert daraufgelegt, dass die Mitglieder der Gemeinde, die im Laufe der Jahre die Freude an Gottesdienst und Abendmahl verloren haben, wieder dazu motiviert werden. Man hörte sich im Plenum in den Gruppen gegenseitig aufmerksam zu und suchte feine Differenzierungen, wie etwa die zwischen „einladend“ und „willkommen heißend“.
Innerhalb der Tagung gab es zahlreiche inspirierende Andachten und einen mehrsprachigen Gottesdienst, der mit einem festlichen Tischabendmahl gefeiert wurde. Insbesondere wurde am 24. Februar des Jahrestages des russischen Angriffs auf die Ukraine gedacht. Der Delegierte der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine zeichnete ein bewegendes Bild der Menschen und der Kirche. Am zweiten Tag lud die Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers zu einem Empfang. Regionalbischöfin Dr. Adelheid Ruck-Schröder begrüßte die Gäste. Weitere Vertreter der gastgebenden Kirche standen für Gespräche bereit, nicht nur an diesem Abend, sondern über die ganzen Tage.
Zum Schluss wurde an die eine Studiengruppe unter der Leitung von Prof. Dr. Jochen Arnold das Mandat erteilt, das Impulspapier für die evangelischen Kirchen, welches im Sommer 2024 der GEKE-Vollversammlung vorgelegt werden soll, bis zum Sommer 2023 zu finalisieren und u.a. konkrete Empfehlungen für einladende (inklusive) Feierformen und liturgische Bausteine einzufügen. Die Delegierten gingen nach der Tagung in ihre jeweiligen Kirchen zurück. Sie nahmen die Erfahrung mit, wie herausfordernd die Aufgabe Gemeinsamkeit zu vertiefen, ist, aber auch wie erfüllend und wegweisend. (Dr. Jochen Arnold)
Werke und Einrichtungen bieten Kurse und Unterstützung an
Dienst, Werke und Einrichtungen der Landeskirche bieten in ihren Programmen Workshops und Veranstaltungen an,
- die kontroverse Themen inhaltlich aufnehmen und Informationen wie Austausch anbieten und so eigene öffentliche Gesprächsräume entstehen lassen
- die Kompetenzen im Bereich Gesprächsführung, Moderation, Kommunikation stärken und einüben um Menschen in Ihrer Rolle vor Ort zu stärken
Weiter lassen sich Mitarbeitende der Werke und Einrichtungen als Expertinnen und Expertinnen zu verschiedenen Themen für Veranstaltungen vor Ort gern ansprechen.
Informationen dazu finden Sie in den Programmen u.a. folgender Einrichtungen (in Auswahl)
Evangelischen Erwachsenenbildung
https://www.eeb-sachsen.de/angebote.html
- thematischen Angebote
- Kurse z.B. zu Dilemma-Diskussion (Kursstart im Herbst 2022), TZI (Themenzentrierter Interaktion), Friedlicher Kommunikation, Gruppenleitertraining, Praxis respektvoller Kommunikation;
Ehrenamtsakademie Sachsen
www.ehrenamtsakademie-sachsen.de
- Abrufangebote, Webinare, Veranstaltungen verschiedener Anbieter mit dem Schwerpunkt Ehrenamt und Leitung, Gesellschaftliche Verantwortung
Evangelische Akademie Sachsen
https://ea-sachsen.de/veranstaltungen/
- Veranstaltungen online und in Präsenz zu aktuellen Zeitfragen
- Referenten, die Ihre Expertise auch bei Ihren Veranstaltungen einbringen können
TPI Moritzburg
https://tpi-moritzburg.de/
- Angebote und Materialien für den Bereich Schule und Bildung, Gemeindepädagogik,
Landesjugendpfarramt
www.evjusa.de
- u.a. Fachbereich politische Jugendbildung
- Angebote zur Stärkung von Kompetenzen im Bereich der Jugendarbeit (z.B. Juleica)
Ev. Männerarbeit
https://maennerarbeit-sachsen.de/
Ev. Frauenarbeit
https://www.frauenarbeit-sachsen.de/
Pastoralkolleg
https://pastoralkolleg-meissen.de/das-pastoralkolleg/
- bietet thematische und kompetenzorientierte Kollegs und organisiert und begleitet Tagungen mit der Zielgruppe Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Prädikantinnen und Prädikanten
AG Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus Sachsen
https://www.kirche-fuer-demokratie.de/
Diakonie Sachsen
– hier https://www.diakonie-sachsen.de/projekte_demokratie_gewinnt_de.html
- Angebote für Mitarbeitenden der Diakonie z.B. auch in Fragen der Demokratiebildung
Beispiel für Formate
„Wenn wir nicht mehr respektvoll miteinander reden, geht viel verloren. …Wertschätzung und Kritik müssen sich da nicht im Wege stehe. Sondern wenn sie zusammenfinden werden Barrieren abgebaut“
(Pfr. Sebastian Kreß, KG Sebnitz-Hohenstein zu einer Reihe von Gesprächsabenden zu aktuellen Themen. Quelle SZ vom 28.6.2022)
In Kirchgemeinden und Kirchenbezirken wurden in den vergangenen Monaten unterschiedlichste Gesprächsformate, Bürgerdialoge etc. zu aktuellen kontroversen Themen angeboten, so z.B. in der Kirchgemeinde Sebnitz, im Kirchenbezirk Freiberg, Kirchgemeinde Dresden-Leuben, Kirchgemeinde Weinböhle, Kirchgemeinden in Zwönitz, Bautzen oder in Plauen. Erfahrungen lassen sich bei den Gemeinden und Mitarbeitenden dort anfragen.