Kirche als Gesprächsraum gestalten
Im Blick auf unser zukünftiges Miteinander […] betrachten wir es als eine wichtige Aufgabe, weiter an einer von Respekt und Wertschätzung getragenen Debattenkultur zu arbeiten. Wir haben gelernt, dass der Wille zur Gemeinschaft auch mit Schmerzen und Mühen verbunden ist. Wichtig ist, dass wir einander trotz unterschiedlicher Positionen nicht verurteilen.
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Die Landessynode bittet Kirchgemeinden und kirchliche Einrichtungen, Diskussionen zu strittigen Themen anzubieten und so zu einem respektvollem Miteinander in der Gesellschaft beizutragen.
Kontroverse Debatten begleiten uns in Gesellschaft, Familie, Arbeitsumfeld und auch in den Kirchgemeinden seit einigen Jahren in besonders intensiver Weise. Wie können wir als Kirche hier den Menschen und dem Miteinander dienen? Wie können Gesprächsräume entstehen oder begleitet werden? Wo fördern wir so das Miteinander und den gegenseitigen Respekt, auch wenn wir unterschiedliche Meinungen vorfinden? Welche Kompetenzen können bei Mitarbeitenden und in den Gemeinden gestärkt werden und wer kann dabei unterstützen?
Anregungen, die in der Debatte um die Unterscheidung zwischen wertkonservativem Christsein und Rechtsradikalismus entstanden sind, bieten Impulse zur weiteren Beschäftigung in den verschiedenen Gremien der Kirchgemeinden.
Hier finden Sie die Grundlagentexte aus der Synodalen Debatte:
- Schlussbericht der Spurgruppe zur Unterscheidung zwischen wertkonservativem Christsein und Rechtsradikalismus vom 27. März 2021 (Digitale Tagung der 28. Landessynode)
- „Ertrage einer den andern (Kolosser 3,13a) - Kirche als Gesprächsraum gestalten“ Wort der 28. Landessynode 15.11.2021
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„Hier ist die Nora mit der Zeitlupe“
15 Aug. 2021
Wie eine Gemeindepädagogin gehörlosen Kindern Geschichten erzählt
Von Sven Kriszio
Wenn Kinder die paar Takte Klaviermusik hören, dann wissen sie schon, dass sie sich wieder auf eine der Geschichten von Nora Henker freuen können. „Hier ist die Nora mit der Zeitlupe“, heißt es dann. „Dem Geschichten-Podcast zum Sehen und Hören.“ Und die Kinder wissen, dass sie in den kommenden zehn bis 15 Minuten wieder eine historische Persönlichkeit kennenlernen.
„Anfangs habe ich einfach drauf losgeredet“, erzählt die Gemeindepädagogin. Die damalige Mitarbeiterin der Kirchengemeinde Wilsdruffer Land, Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens, wollte im Frühjahr 2020 Kontakt halten, als die Kinderkirche wochenlang wegen der Corona-Pandemie ausfallen musste. Daraufhin habe sie viel positive Resonanz erhalten. „Viele Eltern waren so dankbar. Das hat mich motiviert, weiter zu machen“, sagt die 40-Jährige. „Damals wusste ja auch niemand, wie es mit der Pandemie weitergehen würde.“
Nachts, wenn ihr Mann und ihre drei Kinder schliefen, habe sie recherchiert und ihre Geschichten aufgeschrieben. „Ich wollte den Kindern hoffnungsvolle Geschichten erzählen und ihnen Mut machen. Ich war ein bisschen wie in einem Rausch.“ Während des ersten Lockdowns entwickelte sie 18 Folgen.
Die Gemeindepädagogin wollte den Kindern erklären, warum es jetzt wichtig ist, sich die Hände zu waschen und Abstand zu halten. Sie erzählte von Florence Nightingale und Elisabeth von Thüringen, die sich beide für kranke Menschen eingesetzt haben. Aber auch andere Persönlichkeiten wie den südafrikanischen Bischof Desmond Tutu stellte sie vor. „Es geht immer um Menschen, die mich beeindruckt haben.“ Sie wolle diese Werte vermitteln: „Wenn die Kinder mir jetzt ihre ganze Aufmerksamkeit schenken, dann muss ich die Gelegenheit nutzen, um ihnen etwas zum Thema Menschlichkeit und für den Kampf gegen Rassismus mit zu geben.“
Die Geschichten leben von den Erfahrungen einer dreifachen Mutter und Gemeindepädagogin. Denn es wären keine Geschichten für Kinder, wenn Nora Henker nicht immer einen Zugang finden würde, der die jungen Zuhörer direkt mitnehmen und ansprechen würde. „Ich versuche, mich auf die Situation der Kinder einzulassen, und ich suche nach etwas Lustigem. Bei Albert Schweitzer hat es besonders viel Spaß gemacht, denn er hatte das Schweinchen Josefine bei sich aufgenommen, das von Moskitos geplagt war.“
Es sind diese kleinen Details, auf die Nora Henker bei ihren Erzählungen achtet. „Ich fühle mich in die Atmosphäre rein und versuche mir zum Beispiel vorzustellen, wie es riecht. Das hilft mir, anschaulich zu erzählen.“
Dass aus dem Geschichten-Podcast seit Herbst 2020 nach und nach zum Multimedia-Projekt „Zeitlupe“ wurde, hat Nora Henker nicht nur ihrem Sohn zu verdanken. „Er hatte mich anfangs ermahnt, mich beim Zusammenschneiden der Geschichten mehr anzustrengen“, schmunzelt Henker. Und schließlich habe sie eine Freundin mit einem gehörlosen Kind ermuntert, aus dem Geschichten-Podcast ein inklusives Angebot zu machen. „Sie beklagte sich, dass es kaum gebärdensprachliche Angebote für Kinder im Bereich Religion und religiöser Bildung gibt.“ Das habe Nora Henker nachdenklich gemacht.
Doch Videos mit einer Gebärdendolmetscherin, die den gesprochenen Text durch Gesten sichtbar machte, waren Nora Henker zu wenig. „Ich wollte es richtig machen und fragte eine Künstlerin, ob sie meine Geschichten illustrieren könnte. Als sie zusagte, ging für mich eine Tür auf. Es fühlte sich wie Fügung an.“
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), die sächsische Landeskirche und der Verein „Andere Zeiten“ gaben Zuschüsse, so dass auch ein Designer beteiligt werden konnte, der die Homepage gestaltete. Ein Video-Editor unterstützte sie beim Schnitt der Videos, ein weiterer Illustrator gesellte sich ebenfalls dazu. „Ich habe ein tolles Team zusammen. Es sind Profis, die ein Herz für dieses Projekt haben.“
Henker selbst hat sich erst vor wenigen Monaten ein professionelles Mikrophon angeschafft. Davor nahm sie ihre Texte mit dem Handy auf und saß zur Vermeidung von Schall in Decken und Kissen eingehüllt im Etagenbett ihrer Kinder.
Doch mittlerweile verbringt Henker, die auch für den christlichen Liedermacher Christian Zehendner arbeitet, mit der „Zeitlupe“ einen großen Teil ihrer Zeit, unter anderem beantragt sie Fördergelder. Mit einem Facebook-Post habe sie mehr als 30.000 Menschen erreicht, erzählt sie. Das Interesse sei groß. Und doch fürchtet sie um die Zukunft der „Zeitlupe.“ „Es wäre schön, wenn es für gehörlose Kinder mehr Angebote und eine Lobby gäbe.“
Die Evangelische Kirche in Deutschland will innovative digitale Projekte unterstützen und damit den Wandel der Kirche hin zu mehr digitalen Angeboten fördern. Dazu gibt es den Digital-Innovationsfonds, der eine Million Euro umfasst. Weitere innovative Projekte, aber auch Informationen zur Antragsstellung sind auf der EKD-Seite zum Fonds zu finden.(EKD Digital-Innovationsfonds)
Werke und Einrichtungen bieten Kurse und Unterstützung an
Dienst, Werke und Einrichtungen der Landeskirche bieten in ihren Programmen Workshops und Veranstaltungen an,
- die kontroverse Themen inhaltlich aufnehmen und Informationen wie Austausch anbieten und so eigene öffentliche Gesprächsräume entstehen lassen
- die Kompetenzen im Bereich Gesprächsführung, Moderation, Kommunikation stärken und einüben um Menschen in Ihrer Rolle vor Ort zu stärken
Weiter lassen sich Mitarbeitende der Werke und Einrichtungen als Expertinnen und Expertinnen zu verschiedenen Themen für Veranstaltungen vor Ort gern ansprechen.
Informationen dazu finden Sie in den Programmen u.a. folgender Einrichtungen (in Auswahl)
Evangelischen Erwachsenenbildung
https://www.eeb-sachsen.de/angebote.html
- thematischen Angebote
- Kurse z.B. zu Dilemma-Diskussion (Kursstart im Herbst 2022), TZI (Themenzentrierter Interaktion), Friedlicher Kommunikation, Gruppenleitertraining, Praxis respektvoller Kommunikation;
Ehrenamtsakademie Sachsen
www.ehrenamtsakademie-sachsen.de
- Abrufangebote, Webinare, Veranstaltungen verschiedener Anbieter mit dem Schwerpunkt Ehrenamt und Leitung, Gesellschaftliche Verantwortung
Evangelische Akademie Sachsen
https://ea-sachsen.de/veranstaltungen/
- Veranstaltungen online und in Präsenz zu aktuellen Zeitfragen
- Referenten, die Ihre Expertise auch bei Ihren Veranstaltungen einbringen können
TPI Moritzburg
https://tpi-moritzburg.de/
- Angebote und Materialien für den Bereich Schule und Bildung, Gemeindepädagogik,
Landesjugendpfarramt
www.evjusa.de
- u.a. Fachbereich politische Jugendbildung
- Angebote zur Stärkung von Kompetenzen im Bereich der Jugendarbeit (z.B. Juleica)
Ev. Männerarbeit
https://maennerarbeit-sachsen.de/
Ev. Frauenarbeit
https://www.frauenarbeit-sachsen.de/
Pastoralkolleg
https://pastoralkolleg-meissen.de/das-pastoralkolleg/
- bietet thematische und kompetenzorientierte Kollegs und organisiert und begleitet Tagungen mit der Zielgruppe Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Prädikantinnen und Prädikanten
AG Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus Sachsen
https://www.kirche-fuer-demokratie.de/
Diakonie Sachsen
– hier https://www.diakonie-sachsen.de/projekte_demokratie_gewinnt_de.html
- Angebote für Mitarbeitenden der Diakonie z.B. auch in Fragen der Demokratiebildung
Beispiel für Formate
„Wenn wir nicht mehr respektvoll miteinander reden, geht viel verloren. …Wertschätzung und Kritik müssen sich da nicht im Wege stehe. Sondern wenn sie zusammenfinden werden Barrieren abgebaut“
(Pfr. Sebastian Kreß, KG Sebnitz-Hohenstein zu einer Reihe von Gesprächsabenden zu aktuellen Themen. Quelle SZ vom 28.6.2022)
In Kirchgemeinden und Kirchenbezirken wurden in den vergangenen Monaten unterschiedlichste Gesprächsformate, Bürgerdialoge etc. zu aktuellen kontroversen Themen angeboten, so z.B. in der Kirchgemeinde Sebnitz, im Kirchenbezirk Freiberg, Kirchgemeinde Dresden-Leuben, Kirchgemeinde Weinböhle, Kirchgemeinden in Zwönitz, Bautzen oder in Plauen. Erfahrungen lassen sich bei den Gemeinden und Mitarbeitenden dort anfragen.