Themen und Debatten

Kirche als Gesprächsraum gestalten

Im Blick auf unser zukünftiges Miteinander […] betrachten wir es als eine wichtige Aufgabe, weiter an einer von Respekt und Wertschätzung getragenen Debattenkultur zu arbeiten. Wir haben gelernt, dass der Wille zur Gemeinschaft auch mit Schmerzen und Mühen verbunden ist. Wichtig ist, dass wir einander trotz unterschiedlicher Positionen nicht verurteilen.

(aus 27. Landessynode Drucksache 42, Punkt 5 – aus der Debatte zum Gesprächsprozess zum Schriftverständnis)

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Die Landessynode bittet Kirchgemeinden und kirchliche Einrichtungen, Diskussionen zu strittigen Themen anzubieten und so zu einem respektvollem Miteinander in der Gesellschaft beizutragen. 

Kontroverse Debatten begleiten uns in Gesellschaft, Familie, Arbeitsumfeld und auch in den Kirchgemeinden seit einigen Jahren in besonders intensiver Weise. Wie können wir als Kirche hier den Menschen und dem Miteinander dienen? Wie können Gesprächsräume entstehen oder begleitet werden? Wo fördern wir so das Miteinander und den gegenseitigen Respekt, auch wenn wir unterschiedliche Meinungen vorfinden? Welche Kompetenzen können bei Mitarbeitenden und in den Gemeinden gestärkt werden und wer kann dabei unterstützen? 

Anregungen, die in der Debatte um die Unterscheidung zwischen wertkonservativem Christsein und Rechtsradikalismus entstanden sind, bieten Impulse zur weiteren Beschäftigung in den verschiedenen Gremien der Kirchgemeinden.

Hier finden Sie die Grundlagentexte aus der Synodalen Debatte: 

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»Flügelschläge«


22 Jan. 2025

Impulse über das Wirken des Heiligen Geistes in Theologie und Kirche

LEIPZIG - Der 7. Studientag für Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Ehrenamtliche im Verkündigungsdienst nahm am 20. Januar 2025 in Leipzig „Flügelschläge des Heiligen Geistes“ in den Blick. Ungefähr 110 Personen, unter ihnen rund 40 Prozent Prädikantinnen und Prädikanten, besuchten diese Kooperationsveranstaltung zwischen der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens und der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig.

Inhaltlich verantwortete in diesem Jahr das Institut für Neutestamentliche Wissenschaft die Veranstaltung und gab gemäß des Themas Raum für Impulse über das Wirken des Heiligen Geistes in Theologie und Kirche.

So fragte, der Leipziger Professor für Neutestamentliche Wissenschaft, Dr. Jens Herzer, in seinem Vortrag nach den Beziehungen zwischen menschlicher Erfahrung und bildhaften Vorstellungen des Heiligen Geistes. Mit seinem Leipziger Kollegen Professor Dr. Marco Frenschkowski war er sich darin einig, dass Geist zuerst eine Dimension religiös gedeuteter Erfahrung sei. „Die Vorstellung von einer Materialität des Geistes entsteht durch die Metaphern, in denen wir vom Geist sprechen“, so Herzer.

In der paulinischen Theologie sei die Erfahrungsdimension des Geistes besonders präsent. Für Paulus zeige sich die Wirkmacht des Geistes in der paradoxen Gleichzeitigkeit der Erfahrung von Schwachheit und Ausgeliefertsein einerseits und der Erfahrung von Stärke und Gewissheit andererseits.
Professor Frenschkowski beschrieb angesichts der Vielfalt der neutestamentlichen Bezeugungen des Geistwirkens den Heiligen Geist als Kraft, Energie und Willen. Nach dessen Ansicht verwirkliche sich Gott nicht allein in der Ethik, sondern in Charismen, in Dingen, die in der Gemeinde geschehen und Menschen zum Erblühen, zum Leben und zur Freude bringen würden. Der unverstellte Blick auf Erfahrungen und Begabungen des Geistes habe auch Konsequenzen für die Ekklesiologie: Kirche sei nicht dort, wo man hingehe um etwas mitzunehmen, sondern wo jeder der hinkomme, etwas mitbringe.
Der Neutestamentler plädierte für einen neugierigen und unverstellten Blick auf die Erfahrungen und theologischen Reflexionen charismatischer Gemeinschaften und Kirchen.

In einem dritten Vortrag wurde die Rede vom Heiligen Geist aus textüberlieferungsgeschichtlicher Perspektive untersucht. Unter der Überschrift „Der Geist weht in den Varianten“, zeigten die Rostocker Theologieprofessorin Dr. Soham Al-Suadi und ihr Mitarbeiter Dr. Zacharias Shoukry auf, welcher Variantenreichtum die Überlieferung neutestamentlicher Schriften in Bezug auf die Rede vom Heiligen Geist aufweist.

Einzelbeispiele der Textüberlieferungen machten deutlich, dass es in der frühen wie auch späteren Überlieferungsgeschichte bei der Rede vom Geist immer wieder verschiedene und auch gegensätzliche Interessen an einer Konkretisierung, Sakralisierung oder Theologisierung gegeben habe. Die beiden Theologen gaben zugleich Einblicke in die neueren Arbeitsweisen und Ergebnisse neutestamentlicher Textwissenschaft. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert an der theologischen Fakultät Rostock derzeit ein großes Forschungsprojekt.

Am Nachmittag wurden pneumatologische Fragen, also solche, die sich mit dem Wirken von Gott als Geist beschäftigen, interdisziplinär vertieft. Die Teilnehmenden konnten hierfür aus einer Vielzahl von Workshops wählen. Neben der Beschäftigung mit dem biblischen Urtext oder seinen religionsgeschichtlichen frühjüdischen Bezügen war zudem eine systematisch-theologische oder praktisch-theologische Weiterarbeit am Thema möglich. Dafür erhielt das Team vom Leipziger Institut für Neutestamentliche Wissenschaft Unterstützung von Professor Dr. Zimmerling (Praktische Theologie) und Professor Dr. Barth (Systematische Theologie).Der Studientag wird seit 2018 gemeinsam von der Landeskirche und der Theologischer Fakultät veranstaltet. Aktuelle wissenschaftliche Debatten und Ergebnisse der jüngeren theologischen Forschung werden im Rahmen einer eintägigen Fortbildungsveranstaltung mit den Fragen des Verkündigungsdienstes ins Gespräch gebracht werden.

Zielgruppe sind Pfarrpersonen, Mitarbeitende und Ehrenamtliche im Verkündigungsdienst. Bisherige Themen waren: Schrifthermeneutik (2018); neuere Jesusforschung (2019); Luthers Hauptschriften (2020), Religion und Öffentlichkeit (2022), sowie Kirche der Zukunft – Zukunft der Kirche (2023) und das Alte Testament als Widerstandsliteratur (2024). In ökumenischer Verbundenheit findet die Veranstaltung in der neuen Propsteikirche St. Trinitatis in Leipzig statt.

Pausengespräche beim Theologischen Studientag in Leipzig
(v.l.n.r.) Prof. Dr. Marco Frenschkowski, Dr. Zacharias Shoukry, Prof. Dr. Soham Al-Suadi, Prof. Dr. Jens Herzer
Mitarbeiterinnen der Fakultät trugen zum Gelingen des Studientages bei

Werke und Einrichtungen bieten Kurse und Unterstützung an

Dienst, Werke und Einrichtungen der Landeskirche bieten in ihren Programmen Workshops und Veranstaltungen an,

  • die kontroverse Themen inhaltlich aufnehmen und Informationen wie Austausch anbieten und so eigene öffentliche Gesprächsräume entstehen lassen
  • die Kompetenzen im Bereich Gesprächsführung, Moderation, Kommunikation stärken und einüben um Menschen in Ihrer Rolle vor Ort zu stärken

Weiter lassen sich Mitarbeitende der Werke und Einrichtungen als Expertinnen und Expertinnen zu verschiedenen Themen für Veranstaltungen vor Ort gern ansprechen.

 

 

 

Informationen dazu finden Sie in den Programmen u.a. folgender Einrichtungen (in Auswahl)

 

Evangelischen Erwachsenenbildung               
https://www.eeb-sachsen.de/angebote.html

  • thematischen Angebote
  • Kurse z.B. zu Dilemma-Diskussion (Kursstart im Herbst 2022), TZI (Themenzentrierter Interaktion), Friedlicher Kommunikation, Gruppenleitertraining, Praxis respektvoller Kommunikation; 

Ehrenamtsakademie Sachsen           
www.ehrenamtsakademie-sachsen.de

  • Abrufangebote, Webinare, Veranstaltungen verschiedener Anbieter mit dem Schwerpunkt Ehrenamt und Leitung, Gesellschaftliche Verantwortung

Evangelische Akademie Sachsen               
https://ea-sachsen.de/veranstaltungen/

  • Veranstaltungen online und in Präsenz zu aktuellen Zeitfragen
  • Referenten, die Ihre Expertise auch bei Ihren Veranstaltungen einbringen können

TPI Moritzburg               
https://tpi-moritzburg.de/

  • Angebote und Materialien für den Bereich Schule und Bildung, Gemeindepädagogik,

 

 

Landesjugendpfarramt    
www.evjusa.de

  • u.a. Fachbereich politische Jugendbildung
  • Angebote zur Stärkung von Kompetenzen im Bereich der Jugendarbeit (z.B. Juleica)

Ev. Männerarbeit
https://maennerarbeit-sachsen.de/

Ev. Frauenarbeit              
https://www.frauenarbeit-sachsen.de/

Pastoralkolleg  
https://pastoralkolleg-meissen.de/das-pastoralkolleg/

  • bietet thematische und kompetenzorientierte Kollegs und organisiert und begleitet Tagungen mit der Zielgruppe Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Prädikantinnen und Prädikanten

AG Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus Sachsen
https://www.kirche-fuer-demokratie.de/

Diakonie Sachsen
– hier https://www.diakonie-sachsen.de/projekte_demokratie_gewinnt_de.html

  • Angebote für Mitarbeitenden der Diakonie z.B. auch in Fragen der Demokratiebildung

Beispiel für Formate

„Wenn wir nicht mehr respektvoll miteinander reden, geht viel verloren. …Wertschätzung und Kritik müssen sich da nicht im Wege stehe. Sondern wenn sie zusammenfinden werden Barrieren abgebaut“
(Pfr. Sebastian Kreß, KG Sebnitz-Hohenstein zu einer Reihe von Gesprächsabenden zu aktuellen Themen. Quelle SZ vom 28.6.2022)

In Kirchgemeinden und Kirchenbezirken wurden in den vergangenen Monaten unterschiedlichste Gesprächsformate, Bürgerdialoge etc. zu aktuellen kontroversen Themen angeboten, so z.B. in der Kirchgemeinde Sebnitz, im Kirchenbezirk Freiberg, Kirchgemeinde Dresden-Leuben, Kirchgemeinde Weinböhle, Kirchgemeinden in Zwönitz, Bautzen oder in Plauen. Erfahrungen lassen sich bei den Gemeinden und Mitarbeitenden dort anfragen.

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