Themen und Debatten

Kirche als Gesprächsraum gestalten

Im Blick auf unser zukünftiges Miteinander […] betrachten wir es als eine wichtige Aufgabe, weiter an einer von Respekt und Wertschätzung getragenen Debattenkultur zu arbeiten. Wir haben gelernt, dass der Wille zur Gemeinschaft auch mit Schmerzen und Mühen verbunden ist. Wichtig ist, dass wir einander trotz unterschiedlicher Positionen nicht verurteilen.

(aus 27. Landessynode Drucksache 42, Punkt 5 – aus der Debatte zum Gesprächsprozess zum Schriftverständnis)

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Die Landessynode bittet Kirchgemeinden und kirchliche Einrichtungen, Diskussionen zu strittigen Themen anzubieten und so zu einem respektvollem Miteinander in der Gesellschaft beizutragen. 

Kontroverse Debatten begleiten uns in Gesellschaft, Familie, Arbeitsumfeld und auch in den Kirchgemeinden seit einigen Jahren in besonders intensiver Weise. Wie können wir als Kirche hier den Menschen und dem Miteinander dienen? Wie können Gesprächsräume entstehen oder begleitet werden? Wo fördern wir so das Miteinander und den gegenseitigen Respekt, auch wenn wir unterschiedliche Meinungen vorfinden? Welche Kompetenzen können bei Mitarbeitenden und in den Gemeinden gestärkt werden und wer kann dabei unterstützen? 

Anregungen, die in der Debatte um die Unterscheidung zwischen wertkonservativem Christsein und Rechtsradikalismus entstanden sind, bieten Impulse zur weiteren Beschäftigung in den verschiedenen Gremien der Kirchgemeinden.

Hier finden Sie die Grundlagentexte aus der Synodalen Debatte: 

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„Engagiert, erkrankt, ermordet“


26 Mai 2019

Gedenk-Broschüre für Diakonisse Marie Runkel

LEIPZIG - Im Juni 2018 erinnerte das Leipziger Diakonissenhaus und das Diakonissenkrankenhaus mit einem Stolperstein an das tragische Schicksal der ehemaligen Diakonisse Marie Runkel. Sie wurde im Jahr 1941 aufgrund einer psychischen Erkrankung im Alter von 62 Jahren in der Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein ermordet.

Unter dem Titel „Engagiert, erkrankt, ermordet“ ist jetzt eine Gedenk-Broschüre erschienen, die sich mit dem Leben, beruflichen Wirken und mit dem Tod von Marie Runkel auseinandersetzt. Die kostenlose Broschüre ist ab sofort am Diako-Standort und demnächst auch in weiteren Einrichtungen verfügbar, die sich kontinuierlich mit der Aufarbeitung von Verbrechen in der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigen. Zudem ist geplant, dass sie auch im Schulunterricht aktiv zum Einsatz kommt.

Auf 42 Seiten dokumentiert die Publikation in Wort und Bild die Ereignisse der Stolpersteinverlegung des Vorjahres. Sie umfasst u.a. Ansprachen, Auszüge aus historischen Dokumenten und die Inhalte einer Gedenkandacht, die gemeinsam von der Diakonisse Schwester Maria Wermuth und Pfarrer Dr. Michael Kühne, Rektor des Diakonissenhauses Leipzig, ausgestaltet wurde.

In einem wissenschaftlich fundierten Beitrag zum Thema „Psychiatrie im Nationalsozialismus“ ordnet der Medizinhistoriker Dr. Florian Bruns zudem das persönliche Schicksal der ermordeten Leipziger Diakonisse in den Kontext des nationalsozialistischen Umgangs mit Psychiatrie-Patienten ein. Eine ausführliche Biografie und die vollständigen Inhalte einer Ausstellung über Schwester Marie Runkel sind weitere zentrale Bestandteile die Gedenk-Broschüre, die von der Historikerin Dr. Fruzsina Müller inhaltlich aufbereitet wurden.

Bei der Verteilung der kostenlosen Broschüre wird das Diakonissenhaus mit verschiedenen Institutionen kooperieren, die sich seit Jahren intensiv mit der nationalsozialistischen Vergangenheit in Leipzig und Sachsen beschäftigen  – so u.a. mit der Stiftung Sächsische Gedenkstätten – Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein, dem Archiv Bürgerbewegung Leipzig, dem Sächsischen Psychiatriemuseum sowie mit dem Gesundheitsamt der Stadt Leipzig.

Eine weitere enge Zusammenarbeit ist mit der Schule Georg-Schwarz-Straße verabredet, die zwei Klassensätze der Broschüre angefragt hat und diese als Unterrichtsmaterial verwenden möchte. Bereits bei der Stolpersteinverlegung im Vorjahr waren mehrere Schulklassen der im Stadtteil Leutzsch befindlichen Oberschule anwesend.

„Es ist uns ein ganz wichtiges Anliegen, dauerhaft an das Schicksal unserer Schwester Marie Runkel zu erinnern und ihr einen festen Platz in der Erinnerung möglichst vieler Menschen zu geben“, sagt Dr. Michael Kühne, Rektor des Leipziger Diakonissenhauses. „Denn wie bei den meisten Menschen, die Opfer der nationalsozialistischen Krankenmorde wurden, gibt es für sie bis heute weder einen Grabstein noch einen Ort, wo sie ihre letzte Ruhe fand.“

Marie Runkel

Geboren am 8. November 1878 in Merseburg, arbeitete Marie Runkel nach dem Besuch der Bürgerschule 13 Jahre lang als Dienstmädchen. Ab 1907 erlernte sie im Leipziger Diakonissenkrankenhaus den Krankenpflegeberuf. Am 29. November 1913 wurde sie zur Diakonisse eingesegnet. Fortan arbeitete sie als Krankenschwester an der Leipziger Augenklinik, in der Michaelisgemeinde und im Krankenhaus Döbeln.

Im Jahr 1918 trat sie kurzzeitig aus dem Diakonissenhaus aus und 1921 wieder ein. Sie übernahm die Gemeindepflege in Böhlitz-Ehrenberg, wo sie bis zu ihrer psychischen Erkrankung im Jahr 1935 tätig blieb.  Im November 1935 wurde Marie Runkel in die Leipziger Universitätsnervenklinik eingewiesen. Von dort aus kam sie am 5. Dezember 1935 in die Heil- und Pflegeanstalt Leipzig-Dösen. Hier wurde bei ihr Schizophrenie diagnostiziert. Am 21. Februar 1941 erfolgte „auf Grund einer Anordnung des zuständigen Herrn Reichsverteidigungskommissars“ eine Verlegung in die staatliche Heil- und Pflegeanstalt nach Zschadraß, wo sie nur kurz blieb.

Bereits am 17. März 1941 erfolgte eine erneute Verlegung, nunmehr in die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein, wo sie unmittelbar nach ihrer Ankunft in der Gaskammer ermordet wurde – gemeinsam mit 81 weiteren aus Zschadraß deportierten Menschen, die allein an jenem Tag der nationalsozialistischen Mordaktion an psychisch kranken und behinderten Menschen („T4“) zum Opfer fielen. Ihre Asche wurde vermutlich hinter dem Tötungsgebäude einen Hang hinabgeschüttet.

Ev. Diakonissenkrankenhaus Leipzig

(v.l.n.r.) Dr. Fruzsina Müller, Schwester Maria Wermuth und Rektor Dr. Michael Kühne präsentieren die druckfrische Broschüre, die an das traurige Schicksal der Leipziger Diakonisse Marie Runkel erinnert (Foto: Kay Zimmermann)

Werke und Einrichtungen bieten Kurse und Unterstützung an

Dienst, Werke und Einrichtungen der Landeskirche bieten in ihren Programmen Workshops und Veranstaltungen an,

  • die kontroverse Themen inhaltlich aufnehmen und Informationen wie Austausch anbieten und so eigene öffentliche Gesprächsräume entstehen lassen
  • die Kompetenzen im Bereich Gesprächsführung, Moderation, Kommunikation stärken und einüben um Menschen in Ihrer Rolle vor Ort zu stärken

Weiter lassen sich Mitarbeitende der Werke und Einrichtungen als Expertinnen und Expertinnen zu verschiedenen Themen für Veranstaltungen vor Ort gern ansprechen.

 

 

 

Informationen dazu finden Sie in den Programmen u.a. folgender Einrichtungen (in Auswahl)

 

Evangelischen Erwachsenenbildung               
https://www.eeb-sachsen.de/angebote.html

  • thematischen Angebote
  • Kurse z.B. zu Dilemma-Diskussion (Kursstart im Herbst 2022), TZI (Themenzentrierter Interaktion), Friedlicher Kommunikation, Gruppenleitertraining, Praxis respektvoller Kommunikation; 

Ehrenamtsakademie Sachsen           
www.ehrenamtsakademie-sachsen.de

  • Abrufangebote, Webinare, Veranstaltungen verschiedener Anbieter mit dem Schwerpunkt Ehrenamt und Leitung, Gesellschaftliche Verantwortung

Evangelische Akademie Sachsen               
https://ea-sachsen.de/veranstaltungen/

  • Veranstaltungen online und in Präsenz zu aktuellen Zeitfragen
  • Referenten, die Ihre Expertise auch bei Ihren Veranstaltungen einbringen können

TPI Moritzburg               
https://tpi-moritzburg.de/

  • Angebote und Materialien für den Bereich Schule und Bildung, Gemeindepädagogik,

 

 

Landesjugendpfarramt    
www.evjusa.de

  • u.a. Fachbereich politische Jugendbildung
  • Angebote zur Stärkung von Kompetenzen im Bereich der Jugendarbeit (z.B. Juleica)

Ev. Männerarbeit
https://maennerarbeit-sachsen.de/

Ev. Frauenarbeit              
https://www.frauenarbeit-sachsen.de/

Pastoralkolleg  
https://pastoralkolleg-meissen.de/das-pastoralkolleg/

  • bietet thematische und kompetenzorientierte Kollegs und organisiert und begleitet Tagungen mit der Zielgruppe Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Prädikantinnen und Prädikanten

AG Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus Sachsen
https://www.kirche-fuer-demokratie.de/

Diakonie Sachsen
– hier https://www.diakonie-sachsen.de/projekte_demokratie_gewinnt_de.html

  • Angebote für Mitarbeitenden der Diakonie z.B. auch in Fragen der Demokratiebildung

Beispiel für Formate

„Wenn wir nicht mehr respektvoll miteinander reden, geht viel verloren. …Wertschätzung und Kritik müssen sich da nicht im Wege stehe. Sondern wenn sie zusammenfinden werden Barrieren abgebaut“
(Pfr. Sebastian Kreß, KG Sebnitz-Hohenstein zu einer Reihe von Gesprächsabenden zu aktuellen Themen. Quelle SZ vom 28.6.2022)

In Kirchgemeinden und Kirchenbezirken wurden in den vergangenen Monaten unterschiedlichste Gesprächsformate, Bürgerdialoge etc. zu aktuellen kontroversen Themen angeboten, so z.B. in der Kirchgemeinde Sebnitz, im Kirchenbezirk Freiberg, Kirchgemeinde Dresden-Leuben, Kirchgemeinde Weinböhle, Kirchgemeinden in Zwönitz, Bautzen oder in Plauen. Erfahrungen lassen sich bei den Gemeinden und Mitarbeitenden dort anfragen.

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