Themen und Debatten

Kirche als Gesprächsraum gestalten

Im Blick auf unser zukünftiges Miteinander […] betrachten wir es als eine wichtige Aufgabe, weiter an einer von Respekt und Wertschätzung getragenen Debattenkultur zu arbeiten. Wir haben gelernt, dass der Wille zur Gemeinschaft auch mit Schmerzen und Mühen verbunden ist. Wichtig ist, dass wir einander trotz unterschiedlicher Positionen nicht verurteilen.

(aus 27. Landessynode Drucksache 42, Punkt 5 – aus der Debatte zum Gesprächsprozess zum Schriftverständnis)

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Die Landessynode bittet Kirchgemeinden und kirchliche Einrichtungen, Diskussionen zu strittigen Themen anzubieten und so zu einem respektvollem Miteinander in der Gesellschaft beizutragen. 

Kontroverse Debatten begleiten uns in Gesellschaft, Familie, Arbeitsumfeld und auch in den Kirchgemeinden seit einigen Jahren in besonders intensiver Weise. Wie können wir als Kirche hier den Menschen und dem Miteinander dienen? Wie können Gesprächsräume entstehen oder begleitet werden? Wo fördern wir so das Miteinander und den gegenseitigen Respekt, auch wenn wir unterschiedliche Meinungen vorfinden? Welche Kompetenzen können bei Mitarbeitenden und in den Gemeinden gestärkt werden und wer kann dabei unterstützen? 

Anregungen, die in der Debatte um die Unterscheidung zwischen wertkonservativem Christsein und Rechtsradikalismus entstanden sind, bieten Impulse zur weiteren Beschäftigung in den verschiedenen Gremien der Kirchgemeinden.

Hier finden Sie die Grundlagentexte aus der Synodalen Debatte: 

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Empfang der Kirchenleitung zum Reformationsjubiläum


21 Okt. 2017

Der Glaube, eine Verheißung Gottes, die in dieser Zeit Trauergeister vertreibt

DRESDEN - Im Rahmen des diesjährigen Empfangs der Kirchenleitung der sächsischen Landeskirche am 20. Oktober in Dresden war der österreichische Bischof Dr. Michael Bünker (Wien), Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), in die Dresdner Kreuzkirche eingeladen worden. Aufgrund eines kurzfristigen Ausfalls der Flugverbindung nach Dresden, musste er absagen und konnte nicht teilnehmen. Bischof Dr. Bünkers Vortrag zur Fragestellung „Reformationsjubiläum – und wie weiter?“ sollte später verlesen werden, kündigte Synodalpräsident Otto Guse in seiner Begrüßung an. Er hieß Mitglieder der Parlamente, Vertreter aus Politik, Kultur und Medien zum Kirchenleitungsempfang willkommen, der normalerweise im Sommer stattfindet, aber in diesem Jahr zeitlich nahe an das bevorstehende Reformationsfest gelegt wurde. Guse dankte allen Gästen, die sich Jubiläumsjahr an Projekten, Veranstaltungen und Feiern aktiv beteiligt hatten. 

In seinem Geistlichen Wort erinnerte Landesbischof Dr. Carsten Rentzing an die letzten zehn Jahre, aus deren Themen zur Reformation sich viele neue Impulse ergaben. Daraus sei deutlich geworden, dass die Reformation nicht nur ein historisches Ereignis, sondern ein Auftrag für Gegenwart und Zukunft sei. Er hob das 1. Kapitel des Petrusbriefes hervor, in dem der ‚Hochmut‘ und die ‚Demut‘ angesprochen werde. Dies sei jeweils eine Grundhaltung und mehr als nur ein „Wert“. Er beobachte heute ein „Mittelpunktdasein“ bei Menschen sowie im kollektiven ICH bei Kirche, Staat und Gesellschaft, wo „Debatten mit Wut und Rechthaberei geführt werden“, so Dr. Rentzing. Sie seien Ausdruck von Hochmut. Demut dagegen sei die „höchste Form der Tapferkeit“. Dazu zähle, die Welt mit Zuversicht zu sehen und an Christus zu glauben. „Auf diesem Wege empfangen wir Gnade“, sagte der Landesbischof und empfahl für die Reformation das Leitwort „alle untereinander haltet fest an der Demut…“ (Petrusbrief).

Oberkirchenrat Christoph Seele, Evangelisches Büro Sachsen, las den Vortrag von Bischof Dr. Bünker vor, in dem es um Überlegungen zur Gewinnung einer Nachhaltigkeit des Jubiläums ging. Der Bischof erhebe nicht den Anspruch auf einen Gesamtüberblick „in einem vorläufigen Bericht, weil der 31. Oktober noch vor uns liegt“. Das 500. Reformationsjubiläum sei ein „besonderes Geschenk und ein Weltereignis, ein Impuls für die ganze Gesellschaft“, wurde hervorgehoben.

So wuchs sich das GEKE-Projekt (2013) der europäischen Lutherstädte von damals 25 auf jetzt über 100 aus. Die europäische Dimension habe es aber in Form von Netzwerken schon zur Reformationszeit gegeben. Briefverkehr, Sprachen in ihrer Vielfalt, verhalfen in Ländern Mittel- und Osteuropas zur Identität. Beispielsweise begehe Slowenien seit der Staatsgründung den Reformationstag als Feiertag, obwohl es dort nur ein Prozent evangelische Christen gebe. Die Entwicklung vom Lutherjahr zum Reformationsjubiläum bedeute ein internationales Treffen, aber auch das erste große Jubiläum im ökumenischen Zeitalter.

Anhand von zwei Personen stellte der Bischof in seinem Vortrag Verbindendes zwischen Österreich und Dresden vor. Zunächst erwähnte er den österreich-deutschen Kapellmeister und Komponisten Johann Strauss, dessen Donauwalzer und die Oper „Die Fledermaus“ nicht nur jährlich in Wien, sondern auch damals schon in der Dresdner Semperoper aufgegriffen worden sei und heute immer noch auf dem Spielplan stünde.
Dichter am Thema und unter der Frage „Wie weiter?“, ging Dr. Bünker auf Kirche in der Diaspora ein. Der Begriff gehe auf Graf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf zurück, der in 1700 in Dresden geboren wurde, seine Vorfahren aber als Glaubensflüchtlinge aus Niederösterreich kamen.

Die GEKE habe Zinzendorfs Begriff der Diaspora 2012 theologisch aufgegriffen. In Zeiten von europaweiter Säkularisierung, Radikalisierung und Polarisierung müssten sich die Kirchen in der Diaspora für ungeteilten Schutz der Menschlichkeit einsetzen und eine offene und öffentliche Kirche sein. Diaspora-Kirche sei keine „klagende und jammernde Kirche, sondern eine zuversichtliche und frohe Kirche“, so der Bischof. Der status quo solle erhalten bleiben. Bei der Suche nach Sündenböcken, bei Statusängsten und bei vermeintlicher Spaltung von Volk und Eliten, setze sich der Glaube weiterhin für die Würde des Menschen ein. Dies sei eine Verheißung, die von Gott komme, denn „er vertreibe die Trauergeister“. Deshalb solle sich die Kirche vom Evangelium leiten lassen, so Dr. Bünker.

Der Präsident des Sächsischen Landtags, Dr. Matthias Rößler, verwies auf Mitteldeutschland, wo Sachsen zusammen mit Thüringen und Sachsen-Anhalt das dichteste Netz von historischen Orten der Reformation aufweise. So habe Sachsen die größte Kunstsammlung aus der Reformationszeit u.a. im Dresdner Stadtschloss. Die Initialzündung der Reformation reichte aber bald über Mitteldeutschland hinaus. Er hob das Interesse und das Engagement des Freistaates hervor, das Reformationsjubiläum zu unterstützen. Dies sei u.a. durch die Schaffung des Sächsischen Lutherweges geschehen, dessen Schirmherr er sei. Damit habe er sein Bekenntnis zur Reformation und zu Luther öffentlich zum Ausdruck gebracht, sagte Dr. Rößler. Er erinnerte, dass „Dialog als Grundhaltung“ als Vorgabe zu einer Grundsatzdiskussion unter den Parlamentariern führte.

Er sprach sich für einen weiteren Dialog zwischen Kirche und Gesellschaft aus und erinnerte an den gemeinsamen Start ins Jubiläumsjahr im Bautzner Dom, der größten Simultankirche Deutschlands. Dr. Rößler würdigte das ökumenische Bestreben und sprach das weltweite Leiden von Christen und Juden durch den Islamismus an. Dem Antisemitismus, auch in diesem Land, müsse entgegengewirkt werden. Er verwies auf die Sächsische Verfassung, in der biblische Aussagen wie Ehrfurcht vor dem Lebendigen, Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung aufgenommen seien, damit dieser Geist „kulturbildend und dialogfördernd“ hinauswirken könne. Der Präsident des Landeskirchenamtes, Dr. Johannes Kimme, dankte dem Landesbischof für die Ausführungen über die ‚Demut‘, aber auch für den verlesenen Text von Bischof Dr. Bünker, der die europäische Sicht hervorhob. Gerade in Dresden sollten diese Worte Gehör finden. Er dankte in besonderer Weise dem Percussionisten Georg Wieland, der extra für diesen Tag vier Lutherphrasen aus bekannten Liedmelodien des Reformators komponierte und damit zur Uraufführung brachte.

Bild: Gespräche nach der Eröffnungsveranstaltung in der Kreuzkirche (Foto: evlks, OK)
Gespräche im Haus an der Kreuzkirche

Werke und Einrichtungen bieten Kurse und Unterstützung an

Dienst, Werke und Einrichtungen der Landeskirche bieten in ihren Programmen Workshops und Veranstaltungen an,

  • die kontroverse Themen inhaltlich aufnehmen und Informationen wie Austausch anbieten und so eigene öffentliche Gesprächsräume entstehen lassen
  • die Kompetenzen im Bereich Gesprächsführung, Moderation, Kommunikation stärken und einüben um Menschen in Ihrer Rolle vor Ort zu stärken

Weiter lassen sich Mitarbeitende der Werke und Einrichtungen als Expertinnen und Expertinnen zu verschiedenen Themen für Veranstaltungen vor Ort gern ansprechen.

 

 

 

Informationen dazu finden Sie in den Programmen u.a. folgender Einrichtungen (in Auswahl)

 

Evangelischen Erwachsenenbildung               
https://www.eeb-sachsen.de/angebote.html

  • thematischen Angebote
  • Kurse z.B. zu Dilemma-Diskussion (Kursstart im Herbst 2022), TZI (Themenzentrierter Interaktion), Friedlicher Kommunikation, Gruppenleitertraining, Praxis respektvoller Kommunikation; 

Ehrenamtsakademie Sachsen           
www.ehrenamtsakademie-sachsen.de

  • Abrufangebote, Webinare, Veranstaltungen verschiedener Anbieter mit dem Schwerpunkt Ehrenamt und Leitung, Gesellschaftliche Verantwortung

Evangelische Akademie Sachsen               
https://ea-sachsen.de/veranstaltungen/

  • Veranstaltungen online und in Präsenz zu aktuellen Zeitfragen
  • Referenten, die Ihre Expertise auch bei Ihren Veranstaltungen einbringen können

TPI Moritzburg               
https://tpi-moritzburg.de/

  • Angebote und Materialien für den Bereich Schule und Bildung, Gemeindepädagogik,

 

 

Landesjugendpfarramt    
www.evjusa.de

  • u.a. Fachbereich politische Jugendbildung
  • Angebote zur Stärkung von Kompetenzen im Bereich der Jugendarbeit (z.B. Juleica)

Ev. Männerarbeit
https://maennerarbeit-sachsen.de/

Ev. Frauenarbeit              
https://www.frauenarbeit-sachsen.de/

Pastoralkolleg  
https://pastoralkolleg-meissen.de/das-pastoralkolleg/

  • bietet thematische und kompetenzorientierte Kollegs und organisiert und begleitet Tagungen mit der Zielgruppe Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Prädikantinnen und Prädikanten

AG Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus Sachsen
https://www.kirche-fuer-demokratie.de/

Diakonie Sachsen
– hier https://www.diakonie-sachsen.de/projekte_demokratie_gewinnt_de.html

  • Angebote für Mitarbeitenden der Diakonie z.B. auch in Fragen der Demokratiebildung

Beispiel für Formate

„Wenn wir nicht mehr respektvoll miteinander reden, geht viel verloren. …Wertschätzung und Kritik müssen sich da nicht im Wege stehe. Sondern wenn sie zusammenfinden werden Barrieren abgebaut“
(Pfr. Sebastian Kreß, KG Sebnitz-Hohenstein zu einer Reihe von Gesprächsabenden zu aktuellen Themen. Quelle SZ vom 28.6.2022)

In Kirchgemeinden und Kirchenbezirken wurden in den vergangenen Monaten unterschiedlichste Gesprächsformate, Bürgerdialoge etc. zu aktuellen kontroversen Themen angeboten, so z.B. in der Kirchgemeinde Sebnitz, im Kirchenbezirk Freiberg, Kirchgemeinde Dresden-Leuben, Kirchgemeinde Weinböhle, Kirchgemeinden in Zwönitz, Bautzen oder in Plauen. Erfahrungen lassen sich bei den Gemeinden und Mitarbeitenden dort anfragen.

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