Kirche als Gesprächsraum gestalten
Im Blick auf unser zukünftiges Miteinander […] betrachten wir es als eine wichtige Aufgabe, weiter an einer von Respekt und Wertschätzung getragenen Debattenkultur zu arbeiten. Wir haben gelernt, dass der Wille zur Gemeinschaft auch mit Schmerzen und Mühen verbunden ist. Wichtig ist, dass wir einander trotz unterschiedlicher Positionen nicht verurteilen.
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Die Landessynode bittet Kirchgemeinden und kirchliche Einrichtungen, Diskussionen zu strittigen Themen anzubieten und so zu einem respektvollem Miteinander in der Gesellschaft beizutragen.
Kontroverse Debatten begleiten uns in Gesellschaft, Familie, Arbeitsumfeld und auch in den Kirchgemeinden seit einigen Jahren in besonders intensiver Weise. Wie können wir als Kirche hier den Menschen und dem Miteinander dienen? Wie können Gesprächsräume entstehen oder begleitet werden? Wo fördern wir so das Miteinander und den gegenseitigen Respekt, auch wenn wir unterschiedliche Meinungen vorfinden? Welche Kompetenzen können bei Mitarbeitenden und in den Gemeinden gestärkt werden und wer kann dabei unterstützen?
Anregungen, die in der Debatte um die Unterscheidung zwischen wertkonservativem Christsein und Rechtsradikalismus entstanden sind, bieten Impulse zur weiteren Beschäftigung in den verschiedenen Gremien der Kirchgemeinden.
Hier finden Sie die Grundlagentexte aus der Synodalen Debatte:
- Schlussbericht der Spurgruppe zur Unterscheidung zwischen wertkonservativem Christsein und Rechtsradikalismus vom 27. März 2021 (Digitale Tagung der 28. Landessynode)
- „Ertrage einer den andern (Kolosser 3,13a) - Kirche als Gesprächsraum gestalten“ Wort der 28. Landessynode 15.11.2021
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Diakonie Sachsen warnt vor Alkoholmissbrauch
23 Feb. 2020
Weinsteuer und veränderter Umgang mit Alkohol gefordert
RADEBEUL - Pünktlich zu Beginn der Fastenzeit will die Diakonie Sachsen zu einem veränderten Umgang mit Alkohol anregen und fordert zur Unterstützung deutliche politische Maßnahmen.
„Alkohol ist in Sachsen die am meisten konsumierte Droge und in nahezu allen unseren Arbeitsfeldern haben wir mit den furchtbaren Auswirkungen von Alkoholmissbrauch zu tun. Krankheiten, Unfälle, Verlust der Arbeit und Arbeitsfähigkeit, Schulden, Gewalt, Straftaten und Familientragödien, Wohnungslosigkeit und vieles mehr sind die Folge. Am meisten leiden darunter die Kinder. Erschreckenderweise auch immer häufiger schon bevor sie geboren sind, weil Alkohol auch in der Schwangerschaft getrunken wird. Da wir nicht davon ausgehen, dass der Umgang mit Alkohol reine Privatsache ist, fordern wir – ähnlich wie beim Rauchen – endlich deutliche politische Signale!“
Diakonie-Direktor Dietrich Bauer sieht das Land Sachsen auch deshalb besonders gefordert, weil die negativen Folgen des Alkoholmissbrauchs hier überdurchschnittlich hoch seien: „Über 1.000 Sterbefälle pro Jahr, 78 Prozent der 21.000 Entgiftungen im stationären Bereich und über 50 Prozent der rund 27.000 Hilfesuchenden im ambulanten Bereich sind alkoholbedingt. Insgesamt hat ein hoher Anteil der sächsischen Bevölkerung einen riskanten Alkoholkonsum – 22,6 Prozent der Männer und 14 Prozent der Frauen. Die Dunkelziffer dürfte höher sein. Auch bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren sind die stationären Fallzahlen der Alkoholintoxikationen innerhalb von drei Jahren von 515 auf 883 gestiegen.“
Bauer hält daher eine bessere Ausstattung der Suchtberatungsstellen vor allem im Bereich der Prävention für absolut notwendig. „Finanziert werden könnte dies mit der Einführung einer Alkoholsteuer auch auf Wein. In Deutschland wird auf Wein bisher keine Verbrauchssteuer erhoben. Das sogenannte Schaumwein- und Zwischenerzeugnissteuergesetz enthält zwar eine steuerrechtliche Definition, jedoch keinen Steuertarif. Das ließe sich ändern!“ Das Land könnte über die Länderkammer initiativ werden. Ein Weg, den Sachsen hinsichtlich der Strafmilderung bei schweren Rauschtaten bereits beschritten hat.
Als weitere politische Maßnahmen, die sich unmittelbar günstig auf den Konsum auswirken würden, zählt Bauer auf:
Keine Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit:
„Zu fast jeder Tages- und Nachtzeit ist der Kauf von preiswertem Alkohol möglich. An vielen Tankstellen sind alkoholische Getränke rund um die Uhr verfügbar – was suggerieren könnte, Alkohol und Autofahren seien durchaus kompatibel. Hier fordern wir mindestens ein Nacht-Verkaufsverbot ab 22:00 Uhr. Damit könnten die Rauschspitzen abgefangen und insbesondere für viele Jugendliche die Gefahr des Binge-Drinkings deutlich minimiert werden.“
Strengere Auflagen für Alkohol-Werbung:
„Werbung für alkoholische Getränke ist allgegenwärtig, auch beinahe bei jeder Sportveranstaltung, egal ob am Rande oder auf den Trikots der Spieler*innen. Das unterstützt und animiert das Trinken von Alkohol. Wir wollen deutliche Werbebeschränkungen für alkoholische Getränke in der Öffentlichkeit.“
Altersgrenze für Verkauf anheben:
„Wir sprechen uns dafür aus, die Altersgrenze zur Abgabe von alkoholischen Getränken generell auf ein Mindestalter von 18 Jahren anzuheben. Dies sollte für alle alkoholischen Getränke gelten, ungeachtet der Höhe des jeweiligen Alkoholgehalts.“
0-Promille-Grenze für Kraftfahrzeugführende:
"Die Diakonie hält ein komplettes Alkoholverbot im Straßenverkehr für richtig. Es besteht die realistische Möglichkeit, dass die sogenannten Alkoholunfälle deutlich zurückgehen – wie es bei den Fahranfänger*innen in der Probezeit ja bereits zu sehen ist. Weniger Getötete und Verletzte wären die positive Folge. Außerdem ist eine 0-Promille-Grenze eine klare Ansage und beendet das Gewirr verschiedener Grenzwerte!“
Piktogramme für alkoholische Getränke:
„Warnende Piktogramme auf allen alkoholischen Getränken sowie auch an den entsprechenden Regalen und Verkaufsflächen in Läden würden gerade Jugendliche klar auf die Gefährdungen durch Alkohol hinweisen und könnten schon eine Entscheidungshilfe sein – ähnlich der Warnhinweise auf Tabakwaren!“.
Abschließend macht sich der Diakonie-Chef für das Konzept der Punktnüchternheit stark: „Wir wollen trotz unserer Forderung nach politischen Maßnahmen den Einzelnen nicht aus seiner Verantwortung für sich und seine Gesundheit entlassen: Deshalb werben wir für das lebensnahe Konzept der Punktnüchternheit. Es besagt, dass Alkohol in verantwortungsbewusstem Rahmen als Genussmittel eingesetzt werden kann. In bestimmten Lebenssituationen jedoch sollte aus Überzeugung komplett auf Alkohol verzichtet werden: am Arbeitsplatz, beim Führen eines Kraftfahrtzeuges oder bei Kinderwunsch sowie während der gesamten Schwangerschaft und Stillzeit. Wir finden: Dieses Konzept sollte die Politik nachhaltig mit den oben genannten Maßnahmen unterstützen, weil es Alkohol weder verteufelt noch verharmlost.“
Die ausführliche Positionierung „Alkohol – Die unterschätzte Gefahr. Anregungen für einen veränderten Umgang: https://www.diakonie-sachsen.de/publikationen_alkohol_de.pdf
Werke und Einrichtungen bieten Kurse und Unterstützung an
Dienst, Werke und Einrichtungen der Landeskirche bieten in ihren Programmen Workshops und Veranstaltungen an,
- die kontroverse Themen inhaltlich aufnehmen und Informationen wie Austausch anbieten und so eigene öffentliche Gesprächsräume entstehen lassen
- die Kompetenzen im Bereich Gesprächsführung, Moderation, Kommunikation stärken und einüben um Menschen in Ihrer Rolle vor Ort zu stärken
Weiter lassen sich Mitarbeitende der Werke und Einrichtungen als Expertinnen und Expertinnen zu verschiedenen Themen für Veranstaltungen vor Ort gern ansprechen.
Informationen dazu finden Sie in den Programmen u.a. folgender Einrichtungen (in Auswahl)
Evangelischen Erwachsenenbildung
https://www.eeb-sachsen.de/angebote.html
- thematischen Angebote
- Kurse z.B. zu Dilemma-Diskussion (Kursstart im Herbst 2022), TZI (Themenzentrierter Interaktion), Friedlicher Kommunikation, Gruppenleitertraining, Praxis respektvoller Kommunikation;
Ehrenamtsakademie Sachsen
www.ehrenamtsakademie-sachsen.de
- Abrufangebote, Webinare, Veranstaltungen verschiedener Anbieter mit dem Schwerpunkt Ehrenamt und Leitung, Gesellschaftliche Verantwortung
Evangelische Akademie Sachsen
https://ea-sachsen.de/veranstaltungen/
- Veranstaltungen online und in Präsenz zu aktuellen Zeitfragen
- Referenten, die Ihre Expertise auch bei Ihren Veranstaltungen einbringen können
TPI Moritzburg
https://tpi-moritzburg.de/
- Angebote und Materialien für den Bereich Schule und Bildung, Gemeindepädagogik,
Landesjugendpfarramt
www.evjusa.de
- u.a. Fachbereich politische Jugendbildung
- Angebote zur Stärkung von Kompetenzen im Bereich der Jugendarbeit (z.B. Juleica)
Ev. Männerarbeit
https://maennerarbeit-sachsen.de/
Ev. Frauenarbeit
https://www.frauenarbeit-sachsen.de/
Pastoralkolleg
https://pastoralkolleg-meissen.de/das-pastoralkolleg/
- bietet thematische und kompetenzorientierte Kollegs und organisiert und begleitet Tagungen mit der Zielgruppe Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Prädikantinnen und Prädikanten
AG Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus Sachsen
https://www.kirche-fuer-demokratie.de/
Diakonie Sachsen
– hier https://www.diakonie-sachsen.de/projekte_demokratie_gewinnt_de.html
- Angebote für Mitarbeitenden der Diakonie z.B. auch in Fragen der Demokratiebildung
Beispiel für Formate
„Wenn wir nicht mehr respektvoll miteinander reden, geht viel verloren. …Wertschätzung und Kritik müssen sich da nicht im Wege stehe. Sondern wenn sie zusammenfinden werden Barrieren abgebaut“
(Pfr. Sebastian Kreß, KG Sebnitz-Hohenstein zu einer Reihe von Gesprächsabenden zu aktuellen Themen. Quelle SZ vom 28.6.2022)
In Kirchgemeinden und Kirchenbezirken wurden in den vergangenen Monaten unterschiedlichste Gesprächsformate, Bürgerdialoge etc. zu aktuellen kontroversen Themen angeboten, so z.B. in der Kirchgemeinde Sebnitz, im Kirchenbezirk Freiberg, Kirchgemeinde Dresden-Leuben, Kirchgemeinde Weinböhle, Kirchgemeinden in Zwönitz, Bautzen oder in Plauen. Erfahrungen lassen sich bei den Gemeinden und Mitarbeitenden dort anfragen.