Themen und Debatten

Kirche als Gesprächsraum gestalten

Im Blick auf unser zukünftiges Miteinander […] betrachten wir es als eine wichtige Aufgabe, weiter an einer von Respekt und Wertschätzung getragenen Debattenkultur zu arbeiten. Wir haben gelernt, dass der Wille zur Gemeinschaft auch mit Schmerzen und Mühen verbunden ist. Wichtig ist, dass wir einander trotz unterschiedlicher Positionen nicht verurteilen.

(aus 27. Landessynode Drucksache 42, Punkt 5 – aus der Debatte zum Gesprächsprozess zum Schriftverständnis)

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Die Landessynode bittet Kirchgemeinden und kirchliche Einrichtungen, Diskussionen zu strittigen Themen anzubieten und so zu einem respektvollem Miteinander in der Gesellschaft beizutragen. 

Kontroverse Debatten begleiten uns in Gesellschaft, Familie, Arbeitsumfeld und auch in den Kirchgemeinden seit einigen Jahren in besonders intensiver Weise. Wie können wir als Kirche hier den Menschen und dem Miteinander dienen? Wie können Gesprächsräume entstehen oder begleitet werden? Wo fördern wir so das Miteinander und den gegenseitigen Respekt, auch wenn wir unterschiedliche Meinungen vorfinden? Welche Kompetenzen können bei Mitarbeitenden und in den Gemeinden gestärkt werden und wer kann dabei unterstützen? 

Anregungen, die in der Debatte um die Unterscheidung zwischen wertkonservativem Christsein und Rechtsradikalismus entstanden sind, bieten Impulse zur weiteren Beschäftigung in den verschiedenen Gremien der Kirchgemeinden.

Hier finden Sie die Grundlagentexte aus der Synodalen Debatte: 

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Bedeutung von Kirchen für den Tourismus


01 Feb. 2018

Orte, wo man auf Sehnsucht aufmerksam wird

DRESDEN – Im Dresdner ‚Haus der Kirche|Dreikönigskirche‘ fand am 1. Februar auf Einladung der sächsischen Landeskirche der 3. Fachtag zu Kirche im Tourismus statt. Er stand unter dem Motto „Was die Kirchen so anziehend macht – Kirchenräume zwischen kultureller und religiöser Attraktivität und die Bedeutung dessen für Kirche und Tourismus“. Bereits im Vorfeld warb Landesbischof Dr. Carsten Rentzing dafür, Kirchen stärker touristisch zu erschließen. „Kirchgebäude haben eine hohe Anziehungskraft auf Menschen. Das ist so, weil sich in Kirchräumen Religion und Kultur begegnen, ja geradezu miteinander verbinden. Hier liegen große Chancen von Kirche und Tourismus“.

Zu Fachvorträgen und einem abschließendem Podiumsgespräch waren Interessierte eingeladen, die beruflich oder ehrenamtlich in Kirche und Tourismus oder sich in Kirchgemeinden und Kommunen für Kirche, Tourismus, Kultur und Politik engagieren. Nach einem geistlich-musikalischen Impuls wurde die Tagung durch Manuela Kurzke eröffnet, die als Referentin in der Evangelischen Erwachsenenbildung den Fachbereich „Offene Kirche und Kirche im Tourismus“ betreut. Es folgten Grußworte Frank Vogel, Landrat und Präsident des Landkreistages, sowie Oberlandeskirchenrat Dietrich Bauer, der als Dezernent im Landeskirchenamt u.a. für das Thema Kirche im Tourismus zuständig ist.

Landrat Vogel hob vor den 140 Teilnehmern die Bedeutung der Kirchgebäude hervor, die auch weiterhin die Ortsbilder von Städte und Gemeinden sichtbar und hörbar prägen würden. Die Beständigkeit gebe ein Gefühl der Sicherheit und Vertrautheit. Er plädierte für das Konzept der „Offenen Kirche“, das auch als missionarische Aufgabe gesehen werden müsse. Kirchen blieben nach wie vor in der Ortsmitte und gehörten damit in die Mitte der Gesellschaft.
Oberlandeskirchenrat Bauer nahm diese Einschätzung auf und sprach von „Befreundungsräumen“. Er machte dies an drei besonderen Orten in der Leipziger Region deutlich.

Den Einführungsvortrag zum Thema „Kirchenräume zwischen kultureller und religiöser Attraktivität“ hielt Prof. Dr. Christian Antz, Fachhochschule Westküste Heide, Wirtschaftsministerium Sachsen-Anhalt, der die gemeinsamen Chancen für Kirche, Tourismus, Kultur und Gesellschaft darlegte. Prof. Dr. Antz ist maßgeblich an der Entwicklung des Feldes ‚Spirituelles Reisen‘ beteiligt und hat die weltweit erste Honorarprofessur für Slow Tourism im Fachbereich Wirtschaft inne. Diese Art des Reisens sei quasi per Definition eine Sinnsuche nach innen und nach außen. Kirchen seien aber daher nicht auf die Rolle von Dienstleistern für den Tourismus zu beschränken. Vielmehr könne der Tourismus ein Hebel für [innere] Mission sein. Dabei sollten alle neuen Kanäle genutzt werden, um auf die Gründe für spirituellen Tourismus wie „Vakuum, Sinnsuche, Langsamkeit, Kirchenabstinenz und Urlaubsspiritualität“ aufzugreifen und zu reagieren. Angesichts der zukünftigen Bedeutung von Spiritualität sprach sich Dr. Antz ebenfalls für offene Kirchen als nachhaltige Chance für Kirche und Tourismus aus.

Im Anschluss an die Mittagspause referierte die Soziologin Dr. Hilke Rebenstorf vom Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD (Hannover) unter der Überschrift „Citykirchen und ihre Gäste“ zu Besuchsmotiven, Erwartungen und religiöser Pluralität von Besuchern dieser Kirchen.
Frau Dr. Rebenstorfs Aussagen fußten auf eine Studie, die Kirchenbesucher in Citykirchen befragte. Sie warnte vor einer stereotypischen Wahrnehmung und einer idealtypischen Untersuchung von Touristen und Pilgern. Für sie hätten die Citykirchen die Funktion von spirituell-religiösen Orten, als Einrichtungen mit besonderer gesellschaftlicher Verantwortung sowie in ihrer historischen und architektonischen Bedeutung. Auch nach ihrer Meinung solle sich Kirche nicht einseitig dem Tourismus unterordnen, vielmehr selber wissen, was sie will und dann auf andere zugehen und deutlich machen, wofür die Kirche stehe.

Den Abschluss des Fachtages bildete danach ein Podiumsgespräch, in dem es um die konkrete Situation von Kirche und Tourismus in Sachsen ging. Podiumsgäste waren Oberlandeskirchenrat Dietrich Bauer, die Dresdner Frauenkirchenpfarrerin Angelika Behnke, der Direktor des Landestourismusverbandes Sachsen e.V., Manfred Böhme, und Dr. Stefan Thiele vom Schlossbergmuseum in Chemnitz.
Pfarrerin Behnke hob die besondere Angebotsbreite der täglich geöffneten Frauenkirche hervor, gestand aber auch ein, dass nicht alle Menschen erreicht werden können. Das liege auch daran, dass die Kirche gegen die Beliebigkeit ihr eigenes Profil bewahren müsse. Die Frauenkirche sei ein starkes christliches Symbol von Verlust und Auferstehung, das Gedächtnis des Wunders und das Gedächtnis der Wunden.

Für Dietrich Bauer gebe es für die Kirche nur wenige Berührungsmöglichkeiten zu den Menschen außerhalb. Neben Bildungseinrichtungen wie christliche Schulen seien offene Kirchen Orte der Begegnung mit immerhin 20 bis 25 Prozent Konfessionslosen als Besucher. „Das ist eine große Chance, damit auch wir die Menschen kennenlernen“, so Bauer.
Der sächsische Touristiker Böhme erläuterte Aufgaben und Anspruch des Landestourismusverbandes. Immerhin würden 188.000 Menschen in Sachsen direkt oder indirekt vom Tourismus leben. Seine Motivation sei eine „tiefe Werteorientierung“ als Fundament gegen Zentrifugalkräfte. Als bedarf in unruhigen Zeiten nach Ruhepolen zu suchen. Da sehe er Bezüge zu den Kirchen. Perspektivisch wünsche er sich das „voneinander Lernen“ [Kirche im Tourismus]. Es sei wichtig die Geschichte zu kennen und Geschichten zu erzählen und Orte zu zeigen, wo man Sehnsucht aufmerksam wird.
Dr. Thiele aus Chemnitz stellte für das Schlossbergmuseum das Projekt „Heimat der Heiligen“ vor. Einen für Sachsen einzigartigen Querschnitt der Bildkunst durch die Jahrhunderte, deren unmittelbarer Bezugspunkt verloren ging. An diese ursprünglichen Bezugspunkte wieder anzuknüpfen und die Orte des Ursprungs und der räumlichen Umgebung vorzustellen, sei die Aufgabe. Damit verweise diese große Sammlung auch auf Orte und ihre Kirchen.
Das Gespräch moderierte Manuela Kurzke, die auch Zuhörerfragen in die Podiumsdiskussion einbezog.

Kirche und Tourismus

Fachtag Kirche im Tourismus (evlks)
Manuela Kurzke begrüßt die Teilnehmer des Fachtages

Werke und Einrichtungen bieten Kurse und Unterstützung an

Dienst, Werke und Einrichtungen der Landeskirche bieten in ihren Programmen Workshops und Veranstaltungen an,

  • die kontroverse Themen inhaltlich aufnehmen und Informationen wie Austausch anbieten und so eigene öffentliche Gesprächsräume entstehen lassen
  • die Kompetenzen im Bereich Gesprächsführung, Moderation, Kommunikation stärken und einüben um Menschen in Ihrer Rolle vor Ort zu stärken

Weiter lassen sich Mitarbeitende der Werke und Einrichtungen als Expertinnen und Expertinnen zu verschiedenen Themen für Veranstaltungen vor Ort gern ansprechen.

 

 

 

Informationen dazu finden Sie in den Programmen u.a. folgender Einrichtungen (in Auswahl)

 

Evangelischen Erwachsenenbildung               
https://www.eeb-sachsen.de/angebote.html

  • thematischen Angebote
  • Kurse z.B. zu Dilemma-Diskussion (Kursstart im Herbst 2022), TZI (Themenzentrierter Interaktion), Friedlicher Kommunikation, Gruppenleitertraining, Praxis respektvoller Kommunikation; 

Ehrenamtsakademie Sachsen           
www.ehrenamtsakademie-sachsen.de

  • Abrufangebote, Webinare, Veranstaltungen verschiedener Anbieter mit dem Schwerpunkt Ehrenamt und Leitung, Gesellschaftliche Verantwortung

Evangelische Akademie Sachsen               
https://ea-sachsen.de/veranstaltungen/

  • Veranstaltungen online und in Präsenz zu aktuellen Zeitfragen
  • Referenten, die Ihre Expertise auch bei Ihren Veranstaltungen einbringen können

TPI Moritzburg               
https://tpi-moritzburg.de/

  • Angebote und Materialien für den Bereich Schule und Bildung, Gemeindepädagogik,

 

 

Landesjugendpfarramt    
www.evjusa.de

  • u.a. Fachbereich politische Jugendbildung
  • Angebote zur Stärkung von Kompetenzen im Bereich der Jugendarbeit (z.B. Juleica)

Ev. Männerarbeit
https://maennerarbeit-sachsen.de/

Ev. Frauenarbeit              
https://www.frauenarbeit-sachsen.de/

Pastoralkolleg  
https://pastoralkolleg-meissen.de/das-pastoralkolleg/

  • bietet thematische und kompetenzorientierte Kollegs und organisiert und begleitet Tagungen mit der Zielgruppe Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Prädikantinnen und Prädikanten

AG Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus Sachsen
https://www.kirche-fuer-demokratie.de/

Diakonie Sachsen
– hier https://www.diakonie-sachsen.de/projekte_demokratie_gewinnt_de.html

  • Angebote für Mitarbeitenden der Diakonie z.B. auch in Fragen der Demokratiebildung

Beispiel für Formate

„Wenn wir nicht mehr respektvoll miteinander reden, geht viel verloren. …Wertschätzung und Kritik müssen sich da nicht im Wege stehe. Sondern wenn sie zusammenfinden werden Barrieren abgebaut“
(Pfr. Sebastian Kreß, KG Sebnitz-Hohenstein zu einer Reihe von Gesprächsabenden zu aktuellen Themen. Quelle SZ vom 28.6.2022)

In Kirchgemeinden und Kirchenbezirken wurden in den vergangenen Monaten unterschiedlichste Gesprächsformate, Bürgerdialoge etc. zu aktuellen kontroversen Themen angeboten, so z.B. in der Kirchgemeinde Sebnitz, im Kirchenbezirk Freiberg, Kirchgemeinde Dresden-Leuben, Kirchgemeinde Weinböhle, Kirchgemeinden in Zwönitz, Bautzen oder in Plauen. Erfahrungen lassen sich bei den Gemeinden und Mitarbeitenden dort anfragen.

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