Kirche als Gesprächsraum gestalten
Im Blick auf unser zukünftiges Miteinander […] betrachten wir es als eine wichtige Aufgabe, weiter an einer von Respekt und Wertschätzung getragenen Debattenkultur zu arbeiten. Wir haben gelernt, dass der Wille zur Gemeinschaft auch mit Schmerzen und Mühen verbunden ist. Wichtig ist, dass wir einander trotz unterschiedlicher Positionen nicht verurteilen.
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Die Landessynode bittet Kirchgemeinden und kirchliche Einrichtungen, Diskussionen zu strittigen Themen anzubieten und so zu einem respektvollem Miteinander in der Gesellschaft beizutragen.
Kontroverse Debatten begleiten uns in Gesellschaft, Familie, Arbeitsumfeld und auch in den Kirchgemeinden seit einigen Jahren in besonders intensiver Weise. Wie können wir als Kirche hier den Menschen und dem Miteinander dienen? Wie können Gesprächsräume entstehen oder begleitet werden? Wo fördern wir so das Miteinander und den gegenseitigen Respekt, auch wenn wir unterschiedliche Meinungen vorfinden? Welche Kompetenzen können bei Mitarbeitenden und in den Gemeinden gestärkt werden und wer kann dabei unterstützen?
Anregungen, die in der Debatte um die Unterscheidung zwischen wertkonservativem Christsein und Rechtsradikalismus entstanden sind, bieten Impulse zur weiteren Beschäftigung in den verschiedenen Gremien der Kirchgemeinden.
Hier finden Sie die Grundlagentexte aus der Synodalen Debatte:
- Schlussbericht der Spurgruppe zur Unterscheidung zwischen wertkonservativem Christsein und Rechtsradikalismus vom 27. März 2021 (Digitale Tagung der 28. Landessynode)
- „Ertrage einer den andern (Kolosser 3,13a) - Kirche als Gesprächsraum gestalten“ Wort der 28. Landessynode 15.11.2021
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Aufarbeitungsprozess in Pobershau beginnt
18 Jan. 2022
Vierköpfige Aufarbeitungskommission nimmt ihre Arbeit auf
POBERSHAU / DRESDEN – Mit dem 18. Januar 2022 beginnt nun offiziell der Prozess der unabhängigen Aufarbeitung von Fällen sexualisierter Gewalt in der Kirchgemeinde Kühnhaide-Pobershau in den 1990er Jahren, die 2019 bekannt wurden. Seit 2020 war dieser Prozess mit Hilfe von Fachleuten und unter Einbeziehung der Betroffenen vorbereitet worden.
Die durch die Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens für die Aufarbeitung initiierte unabhängige Aufarbeitungskommission besteht aus vier Mitgliedern:
- Christiane Hentschker-Bringt (Sozialpädagogin)
- Dr. med. Gregor Mennicken (Psychotherapeut)
- Dr. med. Julia Schellong (Traumatherapeutin)
- Jörn Zimmermann (Rechtsanwalt)
Diese Kommission ist mit der Aufarbeitung der Vorfälle in Pobershau sowie der damit verbundenen Vorgänge in Kirchgemeinde, Kirchenbezirk und Landeskirche beauftragt. An den Anfang ihrer Tätigkeit stellt sie einen Aufruf: „Sollte es weitere Betroffene geben, bitten wir diese, dass sie sich bei der Ansprechstelle im Landeskirchenamt in Dresden oder beim Verein Wildwasser in Chemnitz melden. In beiden Stellen wird professionell und vertraulich mit diesen Meldungen umgegangen und kann Betroffenen auch Beratung angeboten werden.“, so die Kommission.
Ein wichtiger Teil des Prozesses wird es sein, das Leid der Betroffenen in den Blickpunkt zu rücken und die Folgen der erlebten sexualisierten Gewalt deutlich zu machen. Ein weiteres Ziel ist die Feststellung des Ausmaßes der Vorfälle und die Klärung von Verantwortlichkeiten damals und nach dem Bekanntwerden. In diesem Zusammenhang geht es auch um das Aufdecken der Strukturen, die diese Vorfälle ermöglicht und begünstigt haben. Weiter soll das Handeln der Personen auf der Ebene der Kirchgemeinde, des Kirchenbezirkes und der Landeskirche daraufhin untersucht werden, wie es eine Aufklärung unterstützt oder erschwert hat. Schließlich wird es darum gehen, die im Aufarbeitungsprozess gewonnenen Erkenntnisse in konkrete Empfehlungen für Schutzkonzepte in den Kirchgemeinden der sächsischen Landeskirche einfließen zu lassen.
Der Auftrag der Aufarbeitungskommission ist zunächst auf 12 Monate begrenzt. Wichtige Grundsätze der Arbeit der Kommission sind, dass sie unabhängig ist und ihre Tätigkeit in eigener Verantwortung regelt. Eine Auftaktveranstaltung wird aktuell geplant und soll – sofern die Corona-Bedingungen dies zulassen – nach den Winterferien stattfinden.
Hintergrund
Die Fälle sexualisierter Gewalt in der Kirchgemeinde in Pobershau ereigneten sich in den 1990er Jahren und waren 2019 bekannt geworden. Ein Ehrenamtlicher hatte sich im Rahmen der Kurrende mehreren Mädchen im Alter von 11 bis 15 Jahren sexuell genähert. Nach dem Bekanntwerden wurde er 2019 von allen Tätigkeiten in der Kirchgemeinde (auch den kirchenmusikalischen Vertretungsdiensten auf Honorarbasis) suspendiert. Sowohl der Ortspfarrer als auch der Kirchenvorstand der Kirchgemeinde hatten sich verantwortlich und engagiert um die Aufarbeitung vor Ort bemüht. Die Landeskirche hatte in Abstimmung mit der Kirchgemeinde und dem Kirchenbezirk im März 2020 einen unabhängigen Aufarbeitungsprozess angeregt.
Landesbischof Tobias Bilz sagte damals: „Dieser Fall geht mir sehr nah. Als Mensch fühle ich mit den Frauen, die als Kinder und Jugendliche solchen Missbrauch erleiden mussten und bis heute darunter leiden. Und als Landesbischof fühle ich große Betroffenheit und Scham, dass diese Taten im kirchlichen Kontext erfolgt sind. Ich sehe unsere Kirche hier in der Verantwortung.“
Kontaktadressen für Betroffene:
Ansprech- und Meldestelle für Fälle sexualisierter Gewalt in der EVLKS
Lukasstraße 6, 01069 Dresden
Telefon: 0351 / 4692106
E-Mail: kathrin.wallrabe@evlks.de
WILDWASSER Chemnitz, Erzgebirge und Umland e.V.
Verein gegen sexualisierte Gewalt
Uferstraße 46, 09126 Chemnitz
Telefon: 0371 / 35 05 34
E-Mail: org@wildwasser-chemnitz.de
Werke und Einrichtungen bieten Kurse und Unterstützung an
Dienst, Werke und Einrichtungen der Landeskirche bieten in ihren Programmen Workshops und Veranstaltungen an,
- die kontroverse Themen inhaltlich aufnehmen und Informationen wie Austausch anbieten und so eigene öffentliche Gesprächsräume entstehen lassen
- die Kompetenzen im Bereich Gesprächsführung, Moderation, Kommunikation stärken und einüben um Menschen in Ihrer Rolle vor Ort zu stärken
Weiter lassen sich Mitarbeitende der Werke und Einrichtungen als Expertinnen und Expertinnen zu verschiedenen Themen für Veranstaltungen vor Ort gern ansprechen.
Informationen dazu finden Sie in den Programmen u.a. folgender Einrichtungen (in Auswahl)
Evangelischen Erwachsenenbildung
https://www.eeb-sachsen.de/angebote.html
- thematischen Angebote
- Kurse z.B. zu Dilemma-Diskussion (Kursstart im Herbst 2022), TZI (Themenzentrierter Interaktion), Friedlicher Kommunikation, Gruppenleitertraining, Praxis respektvoller Kommunikation;
Ehrenamtsakademie Sachsen
www.ehrenamtsakademie-sachsen.de
- Abrufangebote, Webinare, Veranstaltungen verschiedener Anbieter mit dem Schwerpunkt Ehrenamt und Leitung, Gesellschaftliche Verantwortung
Evangelische Akademie Sachsen
https://ea-sachsen.de/veranstaltungen/
- Veranstaltungen online und in Präsenz zu aktuellen Zeitfragen
- Referenten, die Ihre Expertise auch bei Ihren Veranstaltungen einbringen können
TPI Moritzburg
https://tpi-moritzburg.de/
- Angebote und Materialien für den Bereich Schule und Bildung, Gemeindepädagogik,
Landesjugendpfarramt
www.evjusa.de
- u.a. Fachbereich politische Jugendbildung
- Angebote zur Stärkung von Kompetenzen im Bereich der Jugendarbeit (z.B. Juleica)
Ev. Männerarbeit
https://maennerarbeit-sachsen.de/
Ev. Frauenarbeit
https://www.frauenarbeit-sachsen.de/
Pastoralkolleg
https://pastoralkolleg-meissen.de/das-pastoralkolleg/
- bietet thematische und kompetenzorientierte Kollegs und organisiert und begleitet Tagungen mit der Zielgruppe Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Prädikantinnen und Prädikanten
AG Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus Sachsen
https://www.kirche-fuer-demokratie.de/
Diakonie Sachsen
– hier https://www.diakonie-sachsen.de/projekte_demokratie_gewinnt_de.html
- Angebote für Mitarbeitenden der Diakonie z.B. auch in Fragen der Demokratiebildung
Beispiel für Formate
„Wenn wir nicht mehr respektvoll miteinander reden, geht viel verloren. …Wertschätzung und Kritik müssen sich da nicht im Wege stehe. Sondern wenn sie zusammenfinden werden Barrieren abgebaut“
(Pfr. Sebastian Kreß, KG Sebnitz-Hohenstein zu einer Reihe von Gesprächsabenden zu aktuellen Themen. Quelle SZ vom 28.6.2022)
In Kirchgemeinden und Kirchenbezirken wurden in den vergangenen Monaten unterschiedlichste Gesprächsformate, Bürgerdialoge etc. zu aktuellen kontroversen Themen angeboten, so z.B. in der Kirchgemeinde Sebnitz, im Kirchenbezirk Freiberg, Kirchgemeinde Dresden-Leuben, Kirchgemeinde Weinböhle, Kirchgemeinden in Zwönitz, Bautzen oder in Plauen. Erfahrungen lassen sich bei den Gemeinden und Mitarbeitenden dort anfragen.