Themen und Debatten

Kirche als Gesprächsraum gestalten

Im Blick auf unser zukünftiges Miteinander […] betrachten wir es als eine wichtige Aufgabe, weiter an einer von Respekt und Wertschätzung getragenen Debattenkultur zu arbeiten. Wir haben gelernt, dass der Wille zur Gemeinschaft auch mit Schmerzen und Mühen verbunden ist. Wichtig ist, dass wir einander trotz unterschiedlicher Positionen nicht verurteilen.

(aus 27. Landessynode Drucksache 42, Punkt 5 – aus der Debatte zum Gesprächsprozess zum Schriftverständnis)

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Die Landessynode bittet Kirchgemeinden und kirchliche Einrichtungen, Diskussionen zu strittigen Themen anzubieten und so zu einem respektvollem Miteinander in der Gesellschaft beizutragen. 

Kontroverse Debatten begleiten uns in Gesellschaft, Familie, Arbeitsumfeld und auch in den Kirchgemeinden seit einigen Jahren in besonders intensiver Weise. Wie können wir als Kirche hier den Menschen und dem Miteinander dienen? Wie können Gesprächsräume entstehen oder begleitet werden? Wo fördern wir so das Miteinander und den gegenseitigen Respekt, auch wenn wir unterschiedliche Meinungen vorfinden? Welche Kompetenzen können bei Mitarbeitenden und in den Gemeinden gestärkt werden und wer kann dabei unterstützen? 

Anregungen, die in der Debatte um die Unterscheidung zwischen wertkonservativem Christsein und Rechtsradikalismus entstanden sind, bieten Impulse zur weiteren Beschäftigung in den verschiedenen Gremien der Kirchgemeinden.

Hier finden Sie die Grundlagentexte aus der Synodalen Debatte: 

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Aktionstag „Tag der Wohnungslosen“


10 Sept. 2019

Lebenslagenerhebung 2018 der diakonischen Wohnungsnotfallhilfe

RADEBEUL - Endlich handeln statt weiter wegsehen – Diakonie Sachsen formuliert ihre Erwartungen anlässlich des bundesweiten Aktionstags „Tag der Wohnungslosen“ am 11. September.

„Wohnungslosigkeit und drohende Wohnungslosigkeit sucht sich niemand als Lebensform aus. Sie sind das Ergebnis gesellschaftlicher Probleme und Fehlentwicklungen. Dazu zählen insbesondere prekäre Arbeitsverhältnisse, viel zu wenig bezahlbarer Wohnraum, ein Unterstützungssystem (SGB II), das die materielle Existenz einschließlich der Wohnkosten nicht ausreichend deckt, sowie eine unzureichende Versorgung bei Krankheit. Weil Wohnungslosigkeit immer mehr zunimmt, – allein in unseren diakonischen Beratungsstellen haben sich die Fallzahlen in den letzten 15 Jahren verdoppelt – muss sich die künftige Regierungskoalition schwerpunktmäßig darum kümmern, drohende Wohnungslosigkeit zu verhindern!“, fordert Rotraud Kießling, Referentin Schuldnerberatung, Straffälligenhilfe, Wohnungsnotfallhilfe.

Das sei eine Querschnittsaufgabe zu der es auch gehöre, Armut zu bekämpfen und die vorhandenen gesetzlichen Grundlagen in Sachsen endlich umzusetzen, sagte sie bei der Vorstellung des diakonischen Lebenslagenberichtes anlässlich des Tages der Wohnungslosen.

Im Jahr 2018 erhielten insgesamt 3.041 Personen Hilfe und Unterstützung in den Kontakt- und Beratungsstellen sowie im Ambulant Betreuten Wohnen der diakonischen Wohnungsnotfallhilfe. Hinzu kamen 284 Partnerinnen und Partner, die von der schwierigen Lebenslage mit betroffen waren, sowie 734 Kinder, rund 100 mehr als im Vorjahr (636).

„Wer keine eigene Wohnung hat, keinen Mietvertrag besitzt, sich täglich um eine Schlafmöglichkeit kümmern muss, um sich vor Kälte und Gefahren zu schützen, hat einen Rechtsanspruch auf Hilfe. Auch wenn die Wohnung durch Räumungsklage, durch Kündigung oder Auszug von Partnern oder Kindern gefährdet ist, müssen von Wohnungslosigkeit bedrohte Personen nach dem Gesetz (Sozialgesetzbuch XII) Hilfe bekommen“, so Kießling weiter. Doch diese Hilfen kommen oft zu spät oder stehen nicht in einem angemessen schnellen Zeitraum zur Verfügung. So war über die Hälfte der ratsuchenden SGB II-Leistungsberechtigten bereits wohnungslos.

„Da die Kosten der Unterkunft doch eigentlich Bestandteil der SGB-II-Leistungen sind, zeigt sich an diesem Befund, dass viele Betroffene keinen oder keinen rechtzeitigen Zugang zu diesen Leistungen hatten und haben, um eine Wohnung halten oder neu beziehen zu können“, resümiert die Diakonie-Referentin. Die knappe andere Hälfte bezog zwar SGB II-Leistungen, befand sich aber dennoch in Wohnungsnot. „Schon allein zurückzuzahlende Darlehen erweisen sich als enormer Risikofaktor, denn die materielle Existenz ist nicht gesichert. Die Darlehensaufnahme ist aber oftmals nötig, um beispielsweise Medikamente, einen Kühlschrank oder dringend benötigte Kleidung bezahlen zu können“, weiß Kießling.

Besonders alarmierend: In Sachsen sind fünf Prozent der Bevölkerung 18 bis unter 25 Jahre alt, aber in der Wohnungsnotfallhilfe machen sie den dreifachen Anteil aus, nämlich 15 Prozent. Die Gründe liegen einerseits in den Bedarfsgemeinschaften, aus denen Jugendliche nur mit Genehmigung des Jobcenters ausziehen dürfen und andererseits der harten Sanktionspraxis, die es den Jobcentern erlaubt, bei unter 25-Jährigen schon bei zweimaligem Regelverstoß den gesamten Hartz-IV-Satz inklusive des Mietzuschusses zu streichen.

Die diakonische Wohnungsnotfallhilfe erwartet von der künftigen Regierung daher vorrangig folgende Maßnahmen: 

• Endlich eine staatliche Wohnungsnotfallstatistik einzuführen, um die wahren Bedarfe sichtbar
zu machen.

• Für jede Region ein Wohnungsnotfallkonzept - wie es beispielsweise die Städte Leipzig und Dresden bereits haben - zu erarbeiten. Damit kann der gesetzlich verankerte Hilfeanspruch wirkungsvoll umgesetzt werden.

• Den Sozialen Wohnungsbau mit Belegungsrechten voranzutreiben.

• Zugänge zu Wohnraum für wohnungslose Menschen zu schaffen und zu erleichtern.

• Die Angemessenheitsgrenzen der Kosten der Unterkunft im SGB II an die Realität anzupassen. Die Sanktionspraxis bei unter 25jährigen einzustellen.

• Professionelle präventive Hilfeangebote zum Wohnraumerhalt zu sichern und einen zeitnahen Zugang von Menschen in Wohnungsnot zur Wohnungsnotfallhilfe zu ermöglichen.

• Zwangsräumungen durch Mietschuldenübernahme zu verhindern.

• Stabile Kooperationen der Jobcenter mit der regionalen Wohnungsnotfallhilfe zu sichern.

• Die medizinische Versorgung von Menschen in Wohnungsnot innerhalb des Regelsystems zu ermöglichen.

Hintergrund: Die Wohnungsnotfallhilfe Diakonie Sachsen bietet Hilfe für wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen in verschiedenen Formen auf Grundlage von §§ 67 ff. SGB XII an: Dazu gehören acht Fachberatungsstellen, aber auch sechs Tagesaufenthaltsstätten mit Möglichkeiten zur Tagesstrukturierung, Gelegenheit zum Wäschewaschen, Trocknen, zur Körperpflege oder auch zur Zubereitung von warmen Mahlzeiten. Darüber hinaus bieten Einrichtungen Übernachtungs- und Wohnmöglichkeiten oder betreutes Wohnen sowie Straßensozialarbeit an.

 

Diakonie Sachsen

Werke und Einrichtungen bieten Kurse und Unterstützung an

Dienst, Werke und Einrichtungen der Landeskirche bieten in ihren Programmen Workshops und Veranstaltungen an,

  • die kontroverse Themen inhaltlich aufnehmen und Informationen wie Austausch anbieten und so eigene öffentliche Gesprächsräume entstehen lassen
  • die Kompetenzen im Bereich Gesprächsführung, Moderation, Kommunikation stärken und einüben um Menschen in Ihrer Rolle vor Ort zu stärken

Weiter lassen sich Mitarbeitende der Werke und Einrichtungen als Expertinnen und Expertinnen zu verschiedenen Themen für Veranstaltungen vor Ort gern ansprechen.

 

 

 

Informationen dazu finden Sie in den Programmen u.a. folgender Einrichtungen (in Auswahl)

 

Evangelischen Erwachsenenbildung               
https://www.eeb-sachsen.de/angebote.html

  • thematischen Angebote
  • Kurse z.B. zu Dilemma-Diskussion (Kursstart im Herbst 2022), TZI (Themenzentrierter Interaktion), Friedlicher Kommunikation, Gruppenleitertraining, Praxis respektvoller Kommunikation; 

Ehrenamtsakademie Sachsen           
www.ehrenamtsakademie-sachsen.de

  • Abrufangebote, Webinare, Veranstaltungen verschiedener Anbieter mit dem Schwerpunkt Ehrenamt und Leitung, Gesellschaftliche Verantwortung

Evangelische Akademie Sachsen               
https://ea-sachsen.de/veranstaltungen/

  • Veranstaltungen online und in Präsenz zu aktuellen Zeitfragen
  • Referenten, die Ihre Expertise auch bei Ihren Veranstaltungen einbringen können

TPI Moritzburg               
https://tpi-moritzburg.de/

  • Angebote und Materialien für den Bereich Schule und Bildung, Gemeindepädagogik,

 

 

Landesjugendpfarramt    
www.evjusa.de

  • u.a. Fachbereich politische Jugendbildung
  • Angebote zur Stärkung von Kompetenzen im Bereich der Jugendarbeit (z.B. Juleica)

Ev. Männerarbeit
https://maennerarbeit-sachsen.de/

Ev. Frauenarbeit              
https://www.frauenarbeit-sachsen.de/

Pastoralkolleg  
https://pastoralkolleg-meissen.de/das-pastoralkolleg/

  • bietet thematische und kompetenzorientierte Kollegs und organisiert und begleitet Tagungen mit der Zielgruppe Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Prädikantinnen und Prädikanten

AG Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus Sachsen
https://www.kirche-fuer-demokratie.de/

Diakonie Sachsen
– hier https://www.diakonie-sachsen.de/projekte_demokratie_gewinnt_de.html

  • Angebote für Mitarbeitenden der Diakonie z.B. auch in Fragen der Demokratiebildung

Beispiel für Formate

„Wenn wir nicht mehr respektvoll miteinander reden, geht viel verloren. …Wertschätzung und Kritik müssen sich da nicht im Wege stehe. Sondern wenn sie zusammenfinden werden Barrieren abgebaut“
(Pfr. Sebastian Kreß, KG Sebnitz-Hohenstein zu einer Reihe von Gesprächsabenden zu aktuellen Themen. Quelle SZ vom 28.6.2022)

In Kirchgemeinden und Kirchenbezirken wurden in den vergangenen Monaten unterschiedlichste Gesprächsformate, Bürgerdialoge etc. zu aktuellen kontroversen Themen angeboten, so z.B. in der Kirchgemeinde Sebnitz, im Kirchenbezirk Freiberg, Kirchgemeinde Dresden-Leuben, Kirchgemeinde Weinböhle, Kirchgemeinden in Zwönitz, Bautzen oder in Plauen. Erfahrungen lassen sich bei den Gemeinden und Mitarbeitenden dort anfragen.

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