Kirche als Gesprächsraum gestalten
Im Blick auf unser zukünftiges Miteinander […] betrachten wir es als eine wichtige Aufgabe, weiter an einer von Respekt und Wertschätzung getragenen Debattenkultur zu arbeiten. Wir haben gelernt, dass der Wille zur Gemeinschaft auch mit Schmerzen und Mühen verbunden ist. Wichtig ist, dass wir einander trotz unterschiedlicher Positionen nicht verurteilen.
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Die Landessynode bittet Kirchgemeinden und kirchliche Einrichtungen, Diskussionen zu strittigen Themen anzubieten und so zu einem respektvollem Miteinander in der Gesellschaft beizutragen.
Kontroverse Debatten begleiten uns in Gesellschaft, Familie, Arbeitsumfeld und auch in den Kirchgemeinden seit einigen Jahren in besonders intensiver Weise. Wie können wir als Kirche hier den Menschen und dem Miteinander dienen? Wie können Gesprächsräume entstehen oder begleitet werden? Wo fördern wir so das Miteinander und den gegenseitigen Respekt, auch wenn wir unterschiedliche Meinungen vorfinden? Welche Kompetenzen können bei Mitarbeitenden und in den Gemeinden gestärkt werden und wer kann dabei unterstützen?
Anregungen, die in der Debatte um die Unterscheidung zwischen wertkonservativem Christsein und Rechtsradikalismus entstanden sind, bieten Impulse zur weiteren Beschäftigung in den verschiedenen Gremien der Kirchgemeinden.
Hier finden Sie die Grundlagentexte aus der Synodalen Debatte:
- Schlussbericht der Spurgruppe zur Unterscheidung zwischen wertkonservativem Christsein und Rechtsradikalismus vom 27. März 2021 (Digitale Tagung der 28. Landessynode)
- „Ertrage einer den andern (Kolosser 3,13a) - Kirche als Gesprächsraum gestalten“ Wort der 28. Landessynode 15.11.2021
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500 Jahre Reformation in Buchholz
23 Mai 2024
Jubiläumsveranstaltung am 26. Mai an und in der Katharinenkirche
ANNABERG-BUCHHOLZ - Mit einem breit gefächerten Angebot und spannenden Veranstaltungen lädt die Ev.-Luth. Kirchgemeinde Annaberg-Buchholz Einwohner und Gäste am 26. Mai 2024 zu einer außergewöhnlichen Zeitreise ein. Anlass ist Einführung der Reformation im heutigen Ortsteil Buchholz vor 500 Jahren. Auf vielfältige Weise wird an diesem Tag die Anfangszeit der beiden Städte, insbesondere ihre historisch-kirchliche Entwicklung lebendig.
Das runde Jubiläum beginnt als Reverenz an die damaligen Ereignisse, mit einer Sternwanderung. So sind interessierte Bürger eingeladen, sich wie vor 500 Jahren auf den Weg nach Buchholz zu machen. An drei verschiedenen Punkten beginnen ab 13:30 Uhr kurze Wanderungen zur Katharinenkirche. Aus Richtung Annaberg wird an der AOK-Geschäftsstelle gestartet, aus Richtung Süden am Buchholzer Friedhof an der Waldstraße und aus Richtung Nord am Parkhotel Waldschlößchen. Unterwegs dürfen sich Einwohner, Gäste und Wanderfreunde auf spannende Erzählungen historischer Personen freuen.
Um 14:30 Uhr beginnt in der Katharinenkirche ein musikalisch ausgestalteter Festgottesdienst. Alle Besucher erwartet dabei ein buntes Programm für alle Altersgruppen und ein interessanter Blick in die Buchholzer Kirchen- und Stadtgeschichte.
Während des anschließenden Gemeindefestes wird zu Kaffee, Kuchen und anderen Leckereien eingeladen und zum gemeinsamen fröhlichen Miteinander. Für Kinder und Familien gibt es vielfältige Spielangebote auf dem Kirchplatz.
Ab etwa 16:30 Uhr folgt eine echte Zeitreise: Zwei kurze Theaterstücke entführen Einwohner und Gäste in die spannendste Epoche der Stadtgeschichte von Buchholz und Annaberg. Historische Persönlichkeiten lassen dabei die Zeit der Reformation und die Anfänge des Bergbaus im mittleren Erzgebirge lebendig werden.
Spannende Zeitreise ins 16. Jahrhundert
Die Zeitreise am 26. Mai führt hinein in das 16. Jahrhundert, eine Epoche, die für Sachsen, Annaberg und Buchholz ganz besonders war. Bereits im 15. Jahrhundert, im Jahr 1485 hatten die Wettiner mit der Leipziger Teilung das Land Sachsen in das albertinische Herzogtum und das ernestinische Kurfürstentum aufgeteilt. Die 1496 bzw. 1501 gegründeten Städte „Neue Stadt am Schreckenberg“, das spätere Annaberg, und „St. Katharinenberg am Buchenholze“, später Buchholz, lagen genau an dieser Landesgrenze, die sich entlang des Flusses Sehma befand.
Diese Tatsache führte zu spannenden Entwicklungen und interessanten Konstellationen. Nach dem Thesenanschlag Martin Luthers am 31. Oktober 1517 in Wittenberg stand Kurfürst Friedrich der Weise, der Stadtgründer von Buchholz, hinter den reformatorischen Bestrebungen Luthers und ließ ihn nach dem Reichstag von Worms 1521 aufgrund drohender Verfolgung auf der Wartburg in Sicherheit bringen. Herzog Georg, der Stadtgründer von Annaberg war hingegen ein Gegner der Reformation und hielt im albertinischen Sachsen bis zu seinem Tod im Jahr 1539 am Katholizismus fest. Das führte zwischen Annaberg und Buchholz 15 Jahre lang zu Spannungen.
Die Situation eskalierte schließlich im Juli 1524. Friedrich Mykonius, ehemaliger Schüler der Annaberger Lateinschule und späterer Reformator in Thüringen, hatte sich bereits relativ früh mit Luthers Lehren befasst. 1518 traf er ihn persönlich bei seiner Priesterweihe in Weimar, wurde 1522 strafversetzt nach Eisenach, später nach Leipzig und im Annaberger Franziskanerkloster unter Hausarrest gestellt. Von dort gelang ihm die Flucht nach Buchholz. Nach einer kurzen Zeit in Zwickau holte ihn der Buchholzer Bergvogt Matthes Busch am 2. Juli 1524 wieder nach Buchholz.
Als die Annaberger erfuhren, dass er am folgenden Tag in der Katharinenkirche protestantisch predigen würde, strömten über 1.000 Annaberger trotz Bespitzelung nach Buchholz. Viele nutzten dabei auch andere Stadttore als das Buchholzer (Schletner) Tor, um auf Umwegen in die Nachbarstadt zu gelangen. Diese Predigt gilt als der offizielle Beginn der Reformation in Buchholz, zumal er dabei ebenso wie Luther auf zentrale Inhalte der Bibel wie Glaube, Gnade, Hoffnung und Liebe verwies.
Kurfürst Friedrich ließ die Buchholzer dabei gewähren, während Herzog Georg gegenüber reformatorisch gesinnten Annabergern sehr hart reagierte, indem er ihnen Wohn- und Bürgerrechte aberkannte. In Buchholz führte nach Friedrich Mykonius im folgenden Jahr Hartmann Ibach die Reformation weiter. Dokumentiert ist diese Entwicklung u.a. durch einen Brief, den Bergvogt Matthes Busch in diesen bewegten Zeiten an Kurfürst Friedrich (den Weisen) schrieb.
Die Annaberger mussten noch 15 Jahre warten. Nach dem Tod Herzog Georgs am 17. April 1539 ging es dann jedoch ganz schnell. Bereits am 4. Mai hielten die sächsischen Herrscher einen Fürstentag in Annaberg ab und beschlossen die Einführung der Reformation in ganz Sachsen. Zwei Wochen später wurde dieser Beschluss in Leipzig umgesetzt und offiziell vollzogen. Schließlich wurden 1555 mit dem Augsburger Religionsfrieden die Grundlagen für eine friedliche und dauerhafte Koexistenz von Luthertum und Katholizismus im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gelegt.
Werke und Einrichtungen bieten Kurse und Unterstützung an
Dienst, Werke und Einrichtungen der Landeskirche bieten in ihren Programmen Workshops und Veranstaltungen an,
- die kontroverse Themen inhaltlich aufnehmen und Informationen wie Austausch anbieten und so eigene öffentliche Gesprächsräume entstehen lassen
- die Kompetenzen im Bereich Gesprächsführung, Moderation, Kommunikation stärken und einüben um Menschen in Ihrer Rolle vor Ort zu stärken
Weiter lassen sich Mitarbeitende der Werke und Einrichtungen als Expertinnen und Expertinnen zu verschiedenen Themen für Veranstaltungen vor Ort gern ansprechen.
Informationen dazu finden Sie in den Programmen u.a. folgender Einrichtungen (in Auswahl)
Evangelischen Erwachsenenbildung
https://www.eeb-sachsen.de/angebote.html
- thematischen Angebote
- Kurse z.B. zu Dilemma-Diskussion (Kursstart im Herbst 2022), TZI (Themenzentrierter Interaktion), Friedlicher Kommunikation, Gruppenleitertraining, Praxis respektvoller Kommunikation;
Ehrenamtsakademie Sachsen
www.ehrenamtsakademie-sachsen.de
- Abrufangebote, Webinare, Veranstaltungen verschiedener Anbieter mit dem Schwerpunkt Ehrenamt und Leitung, Gesellschaftliche Verantwortung
Evangelische Akademie Sachsen
https://ea-sachsen.de/veranstaltungen/
- Veranstaltungen online und in Präsenz zu aktuellen Zeitfragen
- Referenten, die Ihre Expertise auch bei Ihren Veranstaltungen einbringen können
TPI Moritzburg
https://tpi-moritzburg.de/
- Angebote und Materialien für den Bereich Schule und Bildung, Gemeindepädagogik,
Landesjugendpfarramt
www.evjusa.de
- u.a. Fachbereich politische Jugendbildung
- Angebote zur Stärkung von Kompetenzen im Bereich der Jugendarbeit (z.B. Juleica)
Ev. Männerarbeit
https://maennerarbeit-sachsen.de/
Ev. Frauenarbeit
https://www.frauenarbeit-sachsen.de/
Pastoralkolleg
https://pastoralkolleg-meissen.de/das-pastoralkolleg/
- bietet thematische und kompetenzorientierte Kollegs und organisiert und begleitet Tagungen mit der Zielgruppe Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Prädikantinnen und Prädikanten
AG Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus Sachsen
https://www.kirche-fuer-demokratie.de/
Diakonie Sachsen
– hier https://www.diakonie-sachsen.de/projekte_demokratie_gewinnt_de.html
- Angebote für Mitarbeitenden der Diakonie z.B. auch in Fragen der Demokratiebildung
Beispiel für Formate
„Wenn wir nicht mehr respektvoll miteinander reden, geht viel verloren. …Wertschätzung und Kritik müssen sich da nicht im Wege stehe. Sondern wenn sie zusammenfinden werden Barrieren abgebaut“
(Pfr. Sebastian Kreß, KG Sebnitz-Hohenstein zu einer Reihe von Gesprächsabenden zu aktuellen Themen. Quelle SZ vom 28.6.2022)
In Kirchgemeinden und Kirchenbezirken wurden in den vergangenen Monaten unterschiedlichste Gesprächsformate, Bürgerdialoge etc. zu aktuellen kontroversen Themen angeboten, so z.B. in der Kirchgemeinde Sebnitz, im Kirchenbezirk Freiberg, Kirchgemeinde Dresden-Leuben, Kirchgemeinde Weinböhle, Kirchgemeinden in Zwönitz, Bautzen oder in Plauen. Erfahrungen lassen sich bei den Gemeinden und Mitarbeitenden dort anfragen.