Kirche als Gesprächsraum gestalten
Im Blick auf unser zukünftiges Miteinander […] betrachten wir es als eine wichtige Aufgabe, weiter an einer von Respekt und Wertschätzung getragenen Debattenkultur zu arbeiten. Wir haben gelernt, dass der Wille zur Gemeinschaft auch mit Schmerzen und Mühen verbunden ist. Wichtig ist, dass wir einander trotz unterschiedlicher Positionen nicht verurteilen.
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Die Landessynode bittet Kirchgemeinden und kirchliche Einrichtungen, Diskussionen zu strittigen Themen anzubieten und so zu einem respektvollem Miteinander in der Gesellschaft beizutragen.
Kontroverse Debatten begleiten uns in Gesellschaft, Familie, Arbeitsumfeld und auch in den Kirchgemeinden seit einigen Jahren in besonders intensiver Weise. Wie können wir als Kirche hier den Menschen und dem Miteinander dienen? Wie können Gesprächsräume entstehen oder begleitet werden? Wo fördern wir so das Miteinander und den gegenseitigen Respekt, auch wenn wir unterschiedliche Meinungen vorfinden? Welche Kompetenzen können bei Mitarbeitenden und in den Gemeinden gestärkt werden und wer kann dabei unterstützen?
Anregungen, die in der Debatte um die Unterscheidung zwischen wertkonservativem Christsein und Rechtsradikalismus entstanden sind, bieten Impulse zur weiteren Beschäftigung in den verschiedenen Gremien der Kirchgemeinden.
Hier finden Sie die Grundlagentexte aus der Synodalen Debatte:
- Schlussbericht der Spurgruppe zur Unterscheidung zwischen wertkonservativem Christsein und Rechtsradikalismus vom 27. März 2021 (Digitale Tagung der 28. Landessynode)
- „Ertrage einer den andern (Kolosser 3,13a) - Kirche als Gesprächsraum gestalten“ Wort der 28. Landessynode 15.11.2021
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35 Jahre Ökumenische TelefonSeelsorge Dresden
17 Jan. 2021
Viele Gespräche zu Themen wie Einsamkeit und Ängste
DRESDEN - „Hier ist die TelefonSeelsorge.“ Seit dem 2. Januar 1986 begrüßen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ökumenischen TelefonSeelsorge Dresden mit diesen Worten Personen, die sich in persönlichen Krisensituationen an die TelefonSeelsorge wenden. Seit ihrer Gründung hat die TelefonSeelsorge Dresden jährlich zwischen 11.000 und 18.000 Kontakte. 2020 gab es circa 9.150 Seelsorgegespräche. 80 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisteten im vergangenen Jahr rund 8.000 Arbeitsstunden am Telefon und im Chat.
Michael Heinisch, Leiter der TelefonSeelsorge Dresden: „Über die Jahre ist die TelefonSeelsorge ein Seismograph für gesellschaftspolitische Entwicklungen geworden. Unabhängig von aktuellen oder zeitlich befristeten Ereignissen wie den Flutkatastrophen in den Jahren 2002 und 2013 oder der Corona-Pandemie stellen wir fest, dass das Thema Einsamkeit eine große Rolle in unserer Gesellschaft spielt. Auffällig ist auch, dass die Zahl der Menschen mit Psychiatrieerfahrungen, die Kontakt zur TelefonSeelsorge aufnehmen, kontinuierlich steigt.“
Geschichte der Ökumenischen TelefonSeelsorge Dresden
Aus der Initiative engagierter Frauen und Männer um den Mediziner Dr. Hartmut Kirschner, den Psychologen Dr. Infried Tögel sowie die Theologen Oberkirchenrat i. R. Hermann Schleinitz und Pfarrer Gernot Werner entstand vor 35 Jahren in Dresden das erste pastoralpsychologische Angebot dieser Art in der ehemaligen DDR – noch vor Gründung der TelefonSeelsorge in Ost-Berlin. Im ersten Vierteljahr wurde die Dresdner TelefonSeelsorge täglich vier bis fünf Mal von Hilfesuchenden angerufen. Die Prinzipien der Vertraulichkeit und Anonymität hatten auch damals von Beginn an oberste Priorität. Auch wurden die ersten Ehrenamtlichen für ihren Dienst bei der TelefonSeelsorge ausgebildet.
Nach der politischen Wende 1989/90 wurde die TelefonSeelsorge Dresden unter der Leitung von Eckart König Teil der im gesamten Bundesgebiet tätigen TelefonSeelsorge. Sie sichert im Verbund mit fünf weiteren regionalen Stellen den Bedarf an Seelsorgegesprächen im Freistaat Sachsen ab. Wer bei der TelefonSeelsorge arbeiten möchte, erwirbt vorher in einer einjährigen Ausbildung Kenntnisse und Fähigkeiten für diese anspruchsvolle Tätigkeit.
Kontakt zur Ökumenischen TelefonSeelsorge Dresden
Die TelefonSeelsorge bietet Menschen in schwierigen Lebenslagen oder belastenden Krisen die Möglichkeit für ein sofortiges anonymes Gespräch. Sie ist rund um die Uhr über die gebührenfreien und bundesweit gültigen Rufnummern 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222 sowie per Mail oder Chat unter https://online.telefonseelsorge.de/ erreichbar. Die technische Umsetzung, wie das Bereitstellen der Telefonnummern und das Routing der Anrufe, stellt die Telekom kostenfrei zur Verfügung.
Die Ökumenische TelefonSeelsorge Dresden ist ein Angebot der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens und des Bistums Dresden-Meißen in Trägerschaft der Diakonie Dresden. Sie wird von der Landeshauptstadt Dresden und dem Freistaat Sachsen gefördert. Weitere Informationen unter www.diakonie-dresden.de/telefonseelsorge
Suzid ist ein Tabu – doch es geschieht alle 53 Minuten
ZWICKAU - Alle 53 Minuten bringt sich in Deutschland ein Mensch um. Es sterben dreimal mehr Menschen durch Suizid als durch Verkehrsunfälle. Die Dunkelziffer ist hoch. Niemand bringt sich ohne Not um. Es geschieht täglich. Und es geschieht unter uns – meist leise.
Aus der Erfahrung von vielen tausenden Beratungsgesprächen aus der TelefonSeelsorge weiß sie, dass Reden aus der Isolation helfen kann. Denen, die an Suizid denken, denen die helfen wollen und denen, die jemanden durch Suizid verloren haben.
Der KrisenKompass ist eine App, die dank ihrer Funktionsweise eine Art Notfallkoffer für Krisensituationen darstellt und von der TelefonSeelsorge Deutschland entwickelt und herausgegeben wurde.
Mit verschiedenen App-Bereichen wie Tagebuchfunktion und persönlichen Archiven, um positive Gedanken oder beispielsweise Fotos, Erinnerungen oder Lieder zu speichern, kann ein ganz persönliches Rüstzeug für schlechte Momente gepackt werden.
KrisenKompasses ist als App in Griffweite im Handy
Darüber hinaus gibt es Materialien, die in Krisensituationen hilfreich sind, Hinweise zu beruhigenden Techniken, sowie direkte Kontaktmöglichkeiten zur TelefonSeelsorge und anderen professionellen Anlaufstellen. Das Angebot des KrisenKompasses ist als App jederzeit in Griffweite auf dem Handy und damit immer dabei, wenn es nötig wird.
In vier Bereich ist die App strukturiert:
• KrisenKompass Notfallbereich
• KrisenKompass für Menschen in der suizidalen Krise
• KrisenKompass für Menschen, die einen Angehörigen durch Suizid verloren haben
• KrisenKompass für Angehörige, die jemanden in der suizidalen Krise begleiten möchten
Zu den Funktionen der KrisenKompass-App gibt es auf YouTube Erklärvideos für die einzelnen Bereiche. Damit bietet die App „Krisen-Kompass“ TelefonSeelsorge Wege aus Isolation zurück ins Leben. Die App ist gedacht sowohl für Menschen, die suizidgefährdet sind, als auch für Menschen aus deren Umfeld. Zugleich bietet sie Hinterbliebenen Hilfe bei der Bewältigung ihres Verlusts.
Horst Kleiszmantatis, Leiter der Telefonseelsorge Zwickau: „Täglich erleben wir ausweglose Verzweiflung am Telefon. Neben den Telefonaten, die wir führen, möchten wir auch die App bekannter machen, um allen Betroffenen im Zusammenhang mit einem möglichen oder vollzogenen Suizid frühzeitig helfen zu können. Unterstützen Sie uns einfach dabei und geben Sie die Info an andere weiter.“
Wer die App “KrisenKompass” nutzen möchte, kann sie die für Apple-Produkte im App Store und für Android im Google Play Store herunterladen.
Und es gibt noch weitere Möglichkeiten, die TelefonSeelsorge zu unterstützen: Horst Kleiszmantatis: „Vielleicht haben Sie selbst Interesse an einer ehrenamtlichen Mitarbeit in der Telefon-Seelsorge Zwickau. Jedes Jahr beginnt ein neuer Ausbildungskurs. Sprechen Sie uns einfach an oder informieren Sie sich im Internet.“
TelefonSeelsorge Zwickau auch im Chat erreichbar
Die rund 65 ehrenamtlich Mitarbeitenden der TelefonSeelsorge Zwickau sind ebenfalls rund um die Uhr unter der allgemeinen Einwahl 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 und im Chat online.telefonseelsorge.de erreichbar und haben Zeit und ein offenes Ohr für die Fragen und Sorgen der Ratsuchenden.
2020 wurden durch die Ehrenamtlichen in der Dienststelle in Zwickau während der 6.172 Dienststunden insgesamt ca. 9.600 Anrufe entgegengenommen und dabei ca. 7.000 Seelsorgegespräche am Telefon oder im Chat geführt. Schwerpunkt dabei waren Gespräche über die Themen Einsamkeit und Ängste. In jedem zehnten Gespräch ist das Thema Suizid präsent.
Werke und Einrichtungen bieten Kurse und Unterstützung an
Dienst, Werke und Einrichtungen der Landeskirche bieten in ihren Programmen Workshops und Veranstaltungen an,
- die kontroverse Themen inhaltlich aufnehmen und Informationen wie Austausch anbieten und so eigene öffentliche Gesprächsräume entstehen lassen
- die Kompetenzen im Bereich Gesprächsführung, Moderation, Kommunikation stärken und einüben um Menschen in Ihrer Rolle vor Ort zu stärken
Weiter lassen sich Mitarbeitende der Werke und Einrichtungen als Expertinnen und Expertinnen zu verschiedenen Themen für Veranstaltungen vor Ort gern ansprechen.
Informationen dazu finden Sie in den Programmen u.a. folgender Einrichtungen (in Auswahl)
Evangelischen Erwachsenenbildung
https://www.eeb-sachsen.de/angebote.html
- thematischen Angebote
- Kurse z.B. zu Dilemma-Diskussion (Kursstart im Herbst 2022), TZI (Themenzentrierter Interaktion), Friedlicher Kommunikation, Gruppenleitertraining, Praxis respektvoller Kommunikation;
Ehrenamtsakademie Sachsen
www.ehrenamtsakademie-sachsen.de
- Abrufangebote, Webinare, Veranstaltungen verschiedener Anbieter mit dem Schwerpunkt Ehrenamt und Leitung, Gesellschaftliche Verantwortung
Evangelische Akademie Sachsen
https://ea-sachsen.de/veranstaltungen/
- Veranstaltungen online und in Präsenz zu aktuellen Zeitfragen
- Referenten, die Ihre Expertise auch bei Ihren Veranstaltungen einbringen können
TPI Moritzburg
https://tpi-moritzburg.de/
- Angebote und Materialien für den Bereich Schule und Bildung, Gemeindepädagogik,
Landesjugendpfarramt
www.evjusa.de
- u.a. Fachbereich politische Jugendbildung
- Angebote zur Stärkung von Kompetenzen im Bereich der Jugendarbeit (z.B. Juleica)
Ev. Männerarbeit
https://maennerarbeit-sachsen.de/
Ev. Frauenarbeit
https://www.frauenarbeit-sachsen.de/
Pastoralkolleg
https://pastoralkolleg-meissen.de/das-pastoralkolleg/
- bietet thematische und kompetenzorientierte Kollegs und organisiert und begleitet Tagungen mit der Zielgruppe Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Prädikantinnen und Prädikanten
AG Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus Sachsen
https://www.kirche-fuer-demokratie.de/
Diakonie Sachsen
– hier https://www.diakonie-sachsen.de/projekte_demokratie_gewinnt_de.html
- Angebote für Mitarbeitenden der Diakonie z.B. auch in Fragen der Demokratiebildung
Beispiel für Formate
„Wenn wir nicht mehr respektvoll miteinander reden, geht viel verloren. …Wertschätzung und Kritik müssen sich da nicht im Wege stehe. Sondern wenn sie zusammenfinden werden Barrieren abgebaut“
(Pfr. Sebastian Kreß, KG Sebnitz-Hohenstein zu einer Reihe von Gesprächsabenden zu aktuellen Themen. Quelle SZ vom 28.6.2022)
In Kirchgemeinden und Kirchenbezirken wurden in den vergangenen Monaten unterschiedlichste Gesprächsformate, Bürgerdialoge etc. zu aktuellen kontroversen Themen angeboten, so z.B. in der Kirchgemeinde Sebnitz, im Kirchenbezirk Freiberg, Kirchgemeinde Dresden-Leuben, Kirchgemeinde Weinböhle, Kirchgemeinden in Zwönitz, Bautzen oder in Plauen. Erfahrungen lassen sich bei den Gemeinden und Mitarbeitenden dort anfragen.