Kirche als Gesprächsraum gestalten
Im Blick auf unser zukünftiges Miteinander […] betrachten wir es als eine wichtige Aufgabe, weiter an einer von Respekt und Wertschätzung getragenen Debattenkultur zu arbeiten. Wir haben gelernt, dass der Wille zur Gemeinschaft auch mit Schmerzen und Mühen verbunden ist. Wichtig ist, dass wir einander trotz unterschiedlicher Positionen nicht verurteilen.
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Die Landessynode bittet Kirchgemeinden und kirchliche Einrichtungen, Diskussionen zu strittigen Themen anzubieten und so zu einem respektvollem Miteinander in der Gesellschaft beizutragen.
Kontroverse Debatten begleiten uns in Gesellschaft, Familie, Arbeitsumfeld und auch in den Kirchgemeinden seit einigen Jahren in besonders intensiver Weise. Wie können wir als Kirche hier den Menschen und dem Miteinander dienen? Wie können Gesprächsräume entstehen oder begleitet werden? Wo fördern wir so das Miteinander und den gegenseitigen Respekt, auch wenn wir unterschiedliche Meinungen vorfinden? Welche Kompetenzen können bei Mitarbeitenden und in den Gemeinden gestärkt werden und wer kann dabei unterstützen?
Anregungen, die in der Debatte um die Unterscheidung zwischen wertkonservativem Christsein und Rechtsradikalismus entstanden sind, bieten Impulse zur weiteren Beschäftigung in den verschiedenen Gremien der Kirchgemeinden.
Hier finden Sie die Grundlagentexte aus der Synodalen Debatte:
- Schlussbericht der Spurgruppe zur Unterscheidung zwischen wertkonservativem Christsein und Rechtsradikalismus vom 27. März 2021 (Digitale Tagung der 28. Landessynode)
- „Ertrage einer den andern (Kolosser 3,13a) - Kirche als Gesprächsraum gestalten“ Wort der 28. Landessynode 15.11.2021
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33 Haupt- und Ehrenamtliche auf der Suche nach Kirche, die weitergeht
03 Sept. 2020
Das Weiterbildungsformat der SummerSchool "Mission & Kontext" findet in dieser Woche (31. August bis 4. September) in der Heimvolksschule Kohren-Sahlis und somit das erste Mal auf dem Gebiet der sächsischen Landeskirche statt. Diese Tagung wird gemeinsam mit dem Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung der Universität Greifswald (IEEG) veranstaltet. Die 33 Teilnehmer, darunter Pfarrerinnen und Pfarrer, Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeiter sowie Ehrenamtliche, setzen sich mit Theorie und möglicher Praxis auseinander, wie Menschen in ihrem Kontext wahrgenommen werden können und was dies für die Kirchgemeindeentwicklung bedeutet. Durch den Wandel der Gesellschaft verändern die Menschen unter anderem ihren Blick auf Kirche und Glaube.
„Die westliche Gesellschaft ist geprägt von Individualismus, Säkularisierung, Digitalisierung, Konsumismus, die Beschleunigungsdynamik der Moderne oder die Relevanzkrise des Christentums“, weiß Roland Kutsche, Pfarrer zur Koordination und Begleitung missionarischer Projekte und Initiativen, der die SummerSchool erstmals nach Sachsen holte. Zur Relevanzkrise konkretisiert er „Menschen suchen nach Sinn und Erfüllung in ihrem Leben. Christlicher Glaube ist vor allem im Osten nicht mehr eine normale weltanschauliche Option, sondern er muss attraktiv sein. Suchende klopfen Sinn-Angebote auf ihre Relevanz im Leben ab. Dem müssen wir uns stellen.“
Das IEEG profilierte sich in den letzten Jahren als theologisches Zentrum in Fragen missionarischer und kontextueller Gemeindeentwicklung. Prof. Dr. Michael Herbst, Leiter des Instituts, führte beispielsweise die Studie „Wie finden Erwachsene zum Glauben?“ durch. „Dabei fiel auf, wie häufig Menschen von wichtigen und anregenden Beziehungen erzählten. Es waren Kontakte zu Freunden, Verwandten, aktiven Gemeindegliedern, Pfarrerinnen und Pfarrern sowie anderen Hauptamtlichen, die oft einen ersten Anstoß gaben. Darauf konnten auch gute kirchliche Angebote und Veranstaltungen aufbauen, nicht zuletzt „Kurse zum Glauben“, die auffällig viele unserer Befragten nannten, aber auch traditionelle wie experimentelle Gottesdienste“, resümiert Prof. Dr. Herbst. Seine Erkenntnisse wird er im Vortrag „Vitale Gemeinde“ auf sieben Fakten herunterbrechen, die am häufigsten eine Rolle spielten.
Auch die Entwicklung des Pfarrbildes und sich daraus ergebene Rückschlüsse auf dessen Arbeit und Ausbildung, werden im zweiteiligen Vortrag „Pfarrbild & Christsein“ diskutiert. „Pfarrerinnen und Pfarrer werden in vielen kirchlichen Texten als „Schlüsselpersonen“ im kirchlichen Leben bezeichnet. Für viele sind sie auch das Gesicht der Kirche, erste Ansprechpartner, wenn es um Taufen, Trauungen oder Bestattungen geht und vieles mehr. Sie sind durch ihre Ausbildung besonders qualifiziert, durch Verkündigung, Unterricht und Seelsorge der Gemeinde (und darüber hinaus) Gottes Wort nahezubringen. Das alles ist eine gute Gabe für unsere Kirche. Wir sehen aber auch die Schattenseiten: Auf der einen Seite überlastete Pfarrerinnen und Pfarrer, auf der anderen Seite die vielen Getauften und Begabten, deren eigene Gaben für die Gemeinde und das Zeugnis des Evangeliums nicht abgerufen, gefördert und herausgefordert werden. Wir haben ein starkes Ehrenamt in der Kirche, aber können wir wirklich schon von einem „Empowerment“ des allgemeinen Priestertums sprechen?“, analysiert Prof. Dr. Herbst die Situation.
Ein weiterer wichtiger Fakt, der in die Betrachtungen einbezogen werden muss, sind sie unterschiedlichen Voraussetzungen von Kirche und Miteinander durch die regionalen Unterschiede. Neben den offensichtlichen Unterschieden zwischen Stadt und Land, spielen auch die verschiedenen Milieus in der Gesellschaft, die jeweils individuellen Biografien sowie das persönliche Verhältnis zum Glauben eine Rolle. Somit gibt es nicht den einen Weg für Gemeindeaufbau. Prof Dr. Herbst schlussfolgert: „Erfolgreiche Konzepte, die „hier“ fruchtbar waren, können „dort“ grandios scheitern. Auch wenn manches missionarische Format erstaunliche Breitenwirkungen hat, wie z.B. Kurse zum Glauben, ist es entscheidend, sehr genau auf den jeweiligen Kontext (besser noch: die Menschen in diesem Kontext) zu hören und dann zu fragen: Wie können wir hier ganz neu das Evangelium mit den Menschen zusammen entdecken? Wir haben heute weniger ausgefeilte „best practice“-Modelle als gemeinsame Suchbewegungen, ein intensives Hören auf Gottes Wort und den jeweiligen Kontext“.
Den Teilnehmenden der SummerSchool wünscht Roland Kutsche, dass sie ein Stück der „missionarischen Grammatik“ verinnerlichen. Damit es gelingt, für die Menschen da zu sein und mit ihnen gemeinsam als relevant erlebte Formen des Glaubens zu erproben.
Weiterführende Informationen: Kirche, die weiter geht
Werke und Einrichtungen bieten Kurse und Unterstützung an
Dienst, Werke und Einrichtungen der Landeskirche bieten in ihren Programmen Workshops und Veranstaltungen an,
- die kontroverse Themen inhaltlich aufnehmen und Informationen wie Austausch anbieten und so eigene öffentliche Gesprächsräume entstehen lassen
- die Kompetenzen im Bereich Gesprächsführung, Moderation, Kommunikation stärken und einüben um Menschen in Ihrer Rolle vor Ort zu stärken
Weiter lassen sich Mitarbeitende der Werke und Einrichtungen als Expertinnen und Expertinnen zu verschiedenen Themen für Veranstaltungen vor Ort gern ansprechen.
Informationen dazu finden Sie in den Programmen u.a. folgender Einrichtungen (in Auswahl)
Evangelischen Erwachsenenbildung
https://www.eeb-sachsen.de/angebote.html
- thematischen Angebote
- Kurse z.B. zu Dilemma-Diskussion (Kursstart im Herbst 2022), TZI (Themenzentrierter Interaktion), Friedlicher Kommunikation, Gruppenleitertraining, Praxis respektvoller Kommunikation;
Ehrenamtsakademie Sachsen
www.ehrenamtsakademie-sachsen.de
- Abrufangebote, Webinare, Veranstaltungen verschiedener Anbieter mit dem Schwerpunkt Ehrenamt und Leitung, Gesellschaftliche Verantwortung
Evangelische Akademie Sachsen
https://ea-sachsen.de/veranstaltungen/
- Veranstaltungen online und in Präsenz zu aktuellen Zeitfragen
- Referenten, die Ihre Expertise auch bei Ihren Veranstaltungen einbringen können
TPI Moritzburg
https://tpi-moritzburg.de/
- Angebote und Materialien für den Bereich Schule und Bildung, Gemeindepädagogik,
Landesjugendpfarramt
www.evjusa.de
- u.a. Fachbereich politische Jugendbildung
- Angebote zur Stärkung von Kompetenzen im Bereich der Jugendarbeit (z.B. Juleica)
Ev. Männerarbeit
https://maennerarbeit-sachsen.de/
Ev. Frauenarbeit
https://www.frauenarbeit-sachsen.de/
Pastoralkolleg
https://pastoralkolleg-meissen.de/das-pastoralkolleg/
- bietet thematische und kompetenzorientierte Kollegs und organisiert und begleitet Tagungen mit der Zielgruppe Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Prädikantinnen und Prädikanten
AG Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus Sachsen
https://www.kirche-fuer-demokratie.de/
Diakonie Sachsen
– hier https://www.diakonie-sachsen.de/projekte_demokratie_gewinnt_de.html
- Angebote für Mitarbeitenden der Diakonie z.B. auch in Fragen der Demokratiebildung
Beispiel für Formate
„Wenn wir nicht mehr respektvoll miteinander reden, geht viel verloren. …Wertschätzung und Kritik müssen sich da nicht im Wege stehe. Sondern wenn sie zusammenfinden werden Barrieren abgebaut“
(Pfr. Sebastian Kreß, KG Sebnitz-Hohenstein zu einer Reihe von Gesprächsabenden zu aktuellen Themen. Quelle SZ vom 28.6.2022)
In Kirchgemeinden und Kirchenbezirken wurden in den vergangenen Monaten unterschiedlichste Gesprächsformate, Bürgerdialoge etc. zu aktuellen kontroversen Themen angeboten, so z.B. in der Kirchgemeinde Sebnitz, im Kirchenbezirk Freiberg, Kirchgemeinde Dresden-Leuben, Kirchgemeinde Weinböhle, Kirchgemeinden in Zwönitz, Bautzen oder in Plauen. Erfahrungen lassen sich bei den Gemeinden und Mitarbeitenden dort anfragen.